WWDC 2026: Apples radikalster KI-Umbau mit Gemini-Siri und Core AI

von Marcel Buchholz 08. Juni 2026 3 Min. Lesezeit News

Die WWDC 2026 Keynote am 8. Juni 2026 markiert einen Wendepunkt für Apple. Tim Cooks letzte Keynote als CEO bringt die größte Architekturveränderung in der Geschichte von iOS: Siri 2.0 läuft auf einem lizenzierten Google-Gemini-Modell, Core AI ersetzt Core ML, und ein neues Extensions-System öffnet das iPhone für Claude und ChatGPT. Zwei Milliarden Geräte werden bis Ende 2027 diese KI-Schicht erhalten.

Siri 2.0 auf Gemini: 1,2 Billionen Parameter für eine Milliarde Dollar im Jahr

Apple hat ein maßgeschneidertes 1,2-Billionen-Parameter-Gemini-Modell von Google lizenziert, berichten Bloomberg und MacRumors übereinstimmend. Der Deal kostet Apple rund eine Milliarde Dollar jährlich. Allerdings ist das kein einfaches Wrapper-Konstrukt. Siri wurde von Grund auf neu gebaut und bietet jetzt mehrstufige Konversationen mit Web-Suche, Bildschirmkontext, Dateianalyse und aufgabenübergreifende Ausführung. Die dreistufige Architektur lautet dabei: einfache, private Anfragen laufen komplett auf dem Gerät über Apples eigenen Neural Engine. Mittelkomplexe Anfragen gehen an Apples Private Cloud Compute mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die anspruchsvollsten Reasoning-Anfragen werden an Googles Gemini-Infrastruktur geroutet, allerdings unter strengen Datenschutzvereinbarungen. Eine ACM-Konferenzarbeit hat im Juni 2026 unabhängig bestätigt, dass Google Siri-Anfragen nicht für das Training zukünftiger Modelle verwenden darf. Bereits im Mai hatte Bloomberg von Apples Gemini-Deal und der dreistufigen Architektur berichtet.

Core AI löst Core ML nach neun Jahren ab

Nach neun Jahren ersetzt Apple Core ML durch Core AI. Das bisherige Framework war auf eingefrorene Modelle ausgelegt: Bildklassifizierung, NLP-Pipelines und tabellarische Vorhersagen. Core AI hingegen ist für große Sprachmodelle und generative Inferenz konzipiert. Es unterstützt nativ Streaming-Token-Generierung, mehrstufige Konversationen mit persistentem On-Device-Kontext sowie dynamisches Routing. Apps beschreiben einen Fähigkeitsbedarf wie Latenz, Datenschutz oder Leistungsklasse, und Core AI entscheidet selbst, ob die Anfrage lokal, über Apples Cloud oder über die gewählte Extension verarbeitet wird. Bestehende Core-ML-Code bleibt unter iOS 27 funktionsfähig. Apple empfiehlt jedoch, neue Projekte direkt auf Core AI aufzubauen.

Extensions-System: Claude und ChatGPT als Alternative zu Siri

Das vielleicht wichtigste neue Feature ist das Extensions-Framework. Nutzer können unter Einstellungen, Apple Intelligence und Siri, Extensions ihren bevorzugten KI-Anbieter auswählen. Zur Veröffentlichung sind Google Gemini als Standard, Anthropic Claude und OpenAI ChatGPT bestätigt. Extensions gelten systemweit für Siri, Schreibwerkzeuge, Image Playground und Xcode. Allerdings gilt das Prinzip ein Extension pro Gerät. Nutzer können wechseln, aber die Trägheit bevorzugt den ersten Anbieter. Für KI-Unternehmen bedeutet das ein dreimonatiges Zeitfenster bis zur öffentlichen Freigabe im September 2026. Während OpenAI mit Sicherheitsfeatures wie Lockdown Mode nachsteuert, öffnet Apple jetzt die Tür für konkurrierende KI-Anbieter.

Was bedeutet das für die KI-Landschaft?

Apples Entscheidung, Googles Gemini als Siri-Backend zu nutzen, ist ein deutliches Eingeständnis: Die eigenen KI-Modelle reichten nicht aus, um mit ChatGPT und Claude zu konkurrieren. Gleichzeitig sichert sich Google durch diesen Deal eine beispiellose Verbreitung. Wenn Siri auf über zwei Milliarden Apple-Geräten läuft, wird Gemini plötzlich zum meistverbreiteten KI-Modell der Welt. Die Datenschutzfrage bleibt aber heikel: Apple muss seinen Nutzern klar vermitteln, dass trotz Google-Infrastruktur keine Daten an Google fließen. Das Extensions-System wiederum demokratisiert die KI-Nutzung auf dem iPhone. Zum ersten Mal können Nutzer frei wählen, welche KI ihr Gerät steuert. Das könnte den Druck auf Apples eigenes KI-Team massiv erhöhen.

Zeitplan und Verfügbarkeit

Die Developer-Betas von iOS 27 und macOS 27 sind ab dem 8. Juni verfügbar. Die Public Beta folgt im Juli, die offizielle Veröffentlichung im September 2026 zusammen mit dem iPhone 18. Das Extensions-Framework geht gleichzeitig live. Unterstützt werden iPhone 12 und neuer, allerdings benötigen die vollen KI-Funktionen mindestens einen A17 Pro-Chip. Das bedeutet: iPhone 15 Pro, iPhone 16 und iPhone 17 erhalten die komplette Siri-2.0-Erfahrung. Auch Apples Entscheidung für Nvidia-Blackwell-Chips im Siri-Backend zeigt, wie ernst das Unternehmen die KI-Wende nimmt.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.