Hachette, Cengage, Elsevier und Bestsellerautor Scott Turow haben eine Sammelklage gegen Google eingereicht. Der Vorwurf: Der Tech-Konzern hat Millionen urheberrechtlich geschützter Werke ohne Erlaubnis kopiert, um sein KI-Modell Gemini zu trainieren. Die Klage wurde am 10. Juli 2026 beim Bundesgericht in New York eingereicht und könnte ein Präzedenzfall für die gesamte KI-Branche werden.
Was wirft die Klage Google vor?
Die Kläger werfen Google vor, urheberrechtlich geschützte Werke aus drei Quellen systematisch für das KI-Training genutzt zu haben: aus dem Google-Books-Projekt, aus Google Play Books und aus Google Scholar. Außerdem sollen Werke hinter Bezahlschranken und von bekannten Raubkopien-Seiten gescraped worden sein. Besonders brisant: Google soll auch Copyright-Kennzeichnungen entfernt haben, um die Herkunft der Daten zu verschleiern.
Die Klage beschreibt ein Szenario, das den Buchmarkt fundamental bedroht. So könne Gemini innerhalb von 20 Minuten einen 100-seitigen Kriminalroman generieren, der einen echten Roman ersetze, und das für lediglich 39 Cent. Kein Verlag und keine Autorin könne mit solchen Preisen konkurrieren, argumentieren die Kläger.
Google-Books-Entscheidung als Zündstoff
Besonders heikel ist der Vorwurf rund um Google Books. Die Rechtmäßigkeit des Google-Books-Projekts beruht auf einer umstrittenen Gerichtsentscheidung aus dem Jahr 2015. Ein US-Berufungsgericht hatte damals geurteilt, dass Googles Kopieren ganzer Bücher für einen durchsuchbaren Index als Fair Use gelte. Die Verlage argumentieren jedoch: Diese Entscheidung berechtigt Google ausschließlich zur Bereitstellung eines Suchindex, nicht aber zur Nutzung der gescannten Bücher für das Training kommerzieller KI-Modelle.
Auch Google Play Books, ein Shop für E-Books, dürfe nicht als Datenquelle missbraucht werden. Die Kläger betonen, dass Verlage und Autoren Google ihre digitalen Bücher ausschließlich zum Verkauf zur Verfügung gestellt hätten. Interne Kommunikationen würden belegen, dass Google-Mitarbeiter selbst wussten, dass die Nutzung von Google-Play-Büchern für das KI-Training „hochgradig problematisch“ sei.
Zweite Verlegerklage innerhalb von zwei Monaten
Die Klage ist kein Einzelfall mehr. Schon zuvor hatte CNN Perplexity verklagt, weil der KI-Suchmaschinenbetreiber 17.000 Artikel kopiert und Paywalls umgangen hatte. Auch Google selbst wird bereits wegen Lyria von Musikern verklagt. Erst im Mai 2026 hatten dieselben Verlage gemeinsam mit der Association of American Publishers eine Sammelklage gegen Meta eingereicht. Auch dort ging es um die angeblich illegale Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke zum Training von Metas KI-Modell Llama. Scott Turow, Autor von Bestsellern wie „Presumed Innocent“, ist in beiden Verfahren Kläger.
Die Verlage fordern nun die Feststellung, dass Googles Handlungen gegen das Urheberrechtsgesetz verstoßen. Sie verlangen eine einstweilige Verfügung gegen künftige Verstöße, Schadensersatz bis zur gesetzlichen Obergrenze und die Vernichtung aller unrechtmäßig kopierten Werke in Googles Besitz. Der Ausgang dieses Verfahrens könnte die Spielregeln für das gesamte KI-Training mit urheberrechtlich geschützten Inhalten neu definieren.
Was bedeutet das für die KI-Branche?
Die Klage trifft Google in einem empfindlichen Moment. Bereits im Januar 2026 hatten sich Verlage versucht, in ein laufendes Verfahren gegen Google in Kalifornien einzuschalten. Jetzt gehen sie mit einer eigenen Klage in die Offensive. Der Fall könnte weit über Google hinausreichen. Wenn Gerichte entscheiden, dass das Scrapen von urheberrechtlich geschützten Inhalten für KI-Training gegen das Urheberrecht verstößt, müssten OpenAI, Anthropic und andere KI-Firmen ihre Trainingsmethoden grundlegend überdenken.
Für die Verlage steht vieles auf dem Spiel. Der Markt wird bereits mit KI-generierten Substituten überschwemmt. Die Kläger argumentieren, dass Gemini wörtliche und fast wörtliche Kopien von Werksteilen generieren könne, Ersatzkapitel für akademische Lehrbücher erstellen und Zusammenfassungen bekannter Romane produzieren könne, die mit den Originalen konkurrieren. Die Entscheidung dieses Verfahrens wird daher nicht nur Googles Zukunft prägen, sondern auch die Frage beantworten, ob KI-Unternehmen sich über Urheberrecht einfach hinwegsetzen dürfen.