Die selbstfahrende Taxirevolution erreicht Europa. Innerhalb weniger Tage hat Uber gleich drei neue Städte für sein Robotaxi-Programm angekündigt. London, Madrid und München stehen auf der Liste. Zagreb ist bereits gestartet. Damit beschleunigt sich der europäische Rollout deutlich, und die Frage wird immer drängender: Sind Europas Straßen bereit für Fahrer ohne Fahrer?
London: Wayve und die Warteliste
Uber hat in London eine Interessentenliste gestartet. Kunden können sich in der Uber-App unter den Ride-Präferenzen für autonome Fahrzeuge registrieren. Das britische Startup Wayve liefert die Technologie. Allerdings wird der Start klein ausfallen. Wayve spricht von einem einstelligen Dutzend Fahrzeugen. Zudem muss laut britischer Gesetzgebung zunächst ein Sicherheitsfahrer am Steuer sitzen. Vollautonomes Fahren ist in Großbritannien frühestens Ende 2027 möglich, wenn der Automated Vehicles Act vollständig in Kraft tritt.
Trotzdem markiert London einen wichtigen Meilenstein. Es ist einer der größten Uber-Märkte weltweit. Waymo plant ebenfalls einen Launch in der britischen Hauptstadt. Außerdem kooperiert Uber mit Baidu für einen weiteren Robotaxi-Ansatz. Die Konkurrenz ist also erwacht.
Madrid: WeRide und der spanische Pilot
Gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen WeRide und dem Mobilitätsdienstleister AVOMO kündigte Uber den ersten kommerziellen Robotaxi-Piloten Spaniens an. Der Start ist für Ende 2026 geplant, zunächst mit Sicherheitsfahrern an Bord. Langfristig sollen Hunderte Robotaxis durch Madrid fahren, sobald regulatorische Meilensteine erreicht sind.
Madrid ist bereits der vierte gemeinsame Standort von WeRide und Uber weltweit. Die Partner operieren bereits in Abu Dhabi und Dubai, Riad soll folgen. Bis 2030 planen die beiden Unternehmen Zehntausende Robotaxis auf öffentlichen Straßen. WeRide-Chef Tony Han betont, dass Madrid als schnell wachsende urbane Umgebung die ideale Testbühne biete.
München: Autobrains und der NVIDIA-Faktor
Die Münchner Ankündigung ist technologisch besonders interessant. Uber arbeitet hier mit dem israelischen KI-Unternehmen Autobrains zusammen. Die Fahrzeuge nutzen NVIDIAs DRIVE-Hyperion-Plattform. Was den Ansatz von Autobrains anders macht: Die sogenannte agentic AI zerlegt die Fahraufgabe in spezialisierte KI-Agenten. Jeder Agent kümmert sich um einen Teil des Problems. Dadurch sollen die Fahrzeuge günstiger produziert werden können, weil sie weniger teure Sensoren benötigen.
Der Ansatz ist OEM-agnostisch konzipiert. Das bedeutet, die Software soll auf Fahrzeugen verschiedener Hersteller laufen, nicht nur auf speziell gebauten Robotaxis. München bietet dafür eine anspruchsvolle Testumgebung mit engen Innenstadtstraßen und schnellen Ringstraßen. Deutschland hat zudem seit 2021 Bundesgesetze, die fahrerlose Fahrzeuge in definierten Bereichen erlauben.
Zagreb: Europas erster kommerzieller Dienst
Kroatien ist Europa voraus. Project 3 Mobility, ein lokales Startup mit Unterstützung von Uber und Pony.ai, hat in Zagreb den ersten kommerziellen Robotaxi-Dienst des Kontinents gestartet. Elektrische Fahrzeuge navigieren einen vordefinierten Bereich der kroatischen Hauptstadt. Auch hier sitzt zunächst ein Sicherheitsfahrer am Steuer.
Die Zusammenarbeit mit Uber gibt dem Startup Zugang zur Ride-Hailing-Plattform und zur Betriebsexpertise. Pony.ai, das bereits in Peking und Guangzhou Robotaxis betreibt, liefert die autonome Fahrintelligenz. Kroatien hat 2023 ein Gesetz verabschiedet, das Tests selbstfahrender Autos auf öffentlichen Straßen erlaubt. Das Land gehört damit zu den Vorreitern in Europa.
Europas regulatorisches Puzzle
Trotz der Dynamik bleibt die Regulierung der größte Unsicherheitsfaktor. Jedes Land hat eigene Regeln. Deutschland erlaubt Level-4-Betrieb seit 2021, Großbritannien startet Pilotprojekte ab Frühjahr 2026, und Spanien verhandelt noch über die Rahmenbedingungen. Die Europäische Union hat bisher keine einheitlichen Robotaxi-Vorschriften erlassen.
Dazu kommen Fragen nach Datenschutz und Cybersicherheit. Die Fahrzeuge sammeln enorme Mengen an Sensordaten. Project 3 Mobility betont, dass alle Daten auf EU-Servern gespeichert werden und der DSGVO entsprechen. Ob alle Anbieter diesem Standard folgen, wird sich zeigen müssen.
Die nächsten Monate werden entscheiden, ob Europa den Anschluss an die USA und China findet. Waymo fährt bereits in mehreren US-Städten, und chinesische Firmen operieren in Peking und Guangzhou. Uber setzt auf Partnerschaften statt Eigenentwicklung und könnte damit den schnellsten Weg zum europäischen Maßstab finden.