Twitch trainiert KI mit Streamer-Inhalten: Opt-out statt Einwilligung

von Marcel Buchholz 13. August 2026 2 Min. Lesezeit News

Amazon nutzt Twitch-Kanäle als KI-Datenquelle

Twitch hat eine neue Einstellung eingeführt, die Creatorinnen und Creators das Recht gibt, die Nutzung ihrer Kanäle für KI-Training abzulehnen. Klingt gut, doch das Problem liegt im Detail: Die Teilnahme ist standardmäßig aktiviert. Wer nichts tut, dessen Streams, Clips, Chats und Bilder fließen automatisch in Amazons generative KI-Modelle ein. TechCrunch berichtete als erstes über die Änderung, die am 12. August 2026 öffentlich wurde.

Warum Opt-out statt Opt-in?

In einem Livestream auf dem offiziellen Twitch-Kanal stellte Chief Product Officer Mike Minton die Frage direkt: Warum nicht Opt-in? Seine Antwort war überraschend ehrlich. Wenn es Opt-in wäre, würde sich niemand freiwillig anmelden, so Minton. Die Community reagierte empört. Fast 3.000 Zuschauerinnen und Zuschauer fluteten den Chat mit Kritik. Twitch-Community-Chefin Mary Kish räumte ein, dass sie selbst bereits Opt-out gewählt habe, betonte aber zugleich, KI sei inzwischen über alle Bereiche der Plattform verbreitet.

Was genau fließt in die KI?

Laut Ars Technica umfasst die Datenquelle alles: Livestreams, VODs, Clips, Chatnachrichten, Bilder und Text auf dem Kanal. Besonders brisant: Wer selbst Opt-out wählt, dessen Chatnachrichten in fremden Kanälen sind davon nicht betroffen. Wenn eine andere Streamerin oder ein anderer Streamer Opt-in bleibt, können die Chatbeiträge aller Nutzerinnen und Nutzer für KI-Training verwendet werden. Kotaku deckte zudem auf, dass die Einstellung tief in den Sicherheits- und Datenschutzoptionen vergraben ist, sodass die meisten Creatorinnen und Creator sie wahrscheinlich nie finden werden.

Seit zwei Jahren läuft das Training bereits

Die Änderung ist weniger neu als sie scheint. Bereits 2024 bestätigte Minton auf einer Informationsveranstaltung von The Information, dass Amazon Twitch-Inhalte für KI-Training nutzt. Die neue Einstellung gibt Nutzerinnen und Nutzern erstmals die Möglichkeit, sich dagegen zu entscheiden. Allerdings wirft das die Frage auf: Wie viele Daten wurden bereits ohne Zustimmung verarbeitet? Twitch selbst gibt darauf keine klare Antwort. Minton sagte im Stream, er wisse nicht, welche Amazon-Modelle bereits mit Twitch-Daten trainiert wurden.

EU AI Act fordert Transparenz

Für die europäische Perspektive ist die Angelegenheit besonders relevant. Der EU AI Act Artikel 50 verpflichtet Anbieter KI-generierter Inhalte zur Kennzeichnung. Doch was passiert, wenn die Trainingsdaten selbst ohne transparente Einwilligung gesammelt werden? Twitch operiert unter Amazons Dach, und die Opt-out-Lösung steht im Widerspruch zum Grundsatz informierter Zustimmung, den europäische Datenschutzgesetze fordern. Meta macht es ähnlich: Öffentliche Facebook- und Instagram-Inhalte werden standardmäßig für KI-Training verwendet. Die Parallele zu ChatGPTs Datenpraxis zeigt ein branchenweites Muster.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und von einem Menschen redaktionell geprüft.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.