Texas stoppt KI-Rechenzentren: 474 GW überfordern das Netz

von Marcel Buchholz 04. August 2026 3 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Der US-Bundesstaat Texas hat alle neuen Netzanschlüsse für KI-Rechenzentren gestoppt. Gouverneur Greg Abbott ordnete am Montag einen umfassenden Audit an, der jeden einzelnen der über 1.800 beantragten Anschlüsse prüft, bevor er genehmigt wird. Damit gerät die größte Wachstumsindustrie der USA an ihre infrastrukturellen Grenzen.

474 Gigawatt Antragsschlange

Die Zahlen sind erstaunlich. ERCOT, der texanische Netzbetreiber, verzeichnet aktuell mehr als 1.800 Projekte in der Warteschlange für Netzanbindungen. Zusammen fordern sie 474 Gigawatt Strom. Das ist mehr als das Fünffache des bisherigen Spitzenlastrekords des texanischen Netzes. Etwa 90 Prozent der neuen Anfragen stammen von Rechenzentren, die KI-Workloads verarbeiten.

Abbott richtete sich dabei an die Public Utility Commission of Texas (PUCT) und ERCOT. Beide Behörden sollen nun Steuervergünstigungen, Stromverbrauch, Wassernutzung, Kühlverfahren und die Eigentumsverhältnisse jedes Projekts überprüfen. Projekte, die den Test nicht bestehen, erhalten keinen Netzanschluss. Bereits vier andere US-Staaten hatten KI-Rechenzentren die Steuervorteile gestrichen. Texas geht nun einen Schritt weiter und setzt die Anschlüsse komplett auf Eis.

Bürger leisten Widerstand

Der Bescheid ist Abbotts bisher schärfste Reaktion auf den wachsenden öffentlichen Widerstand gegen die Rechenzentren. Eine Umfrage der University of Texas vom Juni ergab, dass 56 Prozent der texanischen Wähler den Bau von Rechenzentren in ihrer Gemeinde ablehnen, 42 Prozent sogar ausdrücklich. Dutzende Städte und Landkreise versuchen bereits, die Entwicklung zu bremsen.

San Marcos verabschiedete im Juni als erste texanische Stadt ein Baugesperr für Rechenzentren. Hill County hatte ein ähnliches Moratorium erlassen, zog es jedoch nach einer 100-Millionen-Dollar-Klage eines Entwicklers zurück. Hood County scheiterte an rechtlichen Hindernissen. Der texanische Landwirtschaftskommissar Sid Miller nannte Abbotts Anordnung daher nur leer und forderte eine Sondersitzung des Parlaments.

Transparenzmangel als Auslöser

Ein zentraler Auslöser für den Audit war die mangelnde Transparenz der Branche. Die PUCT hatte im Juni eine Umfrage zu Wasser- und Stromverbrauch gestartet. Von 377 angeschriebenen Unternehmen antworteten lediglich 28. Repräsentant Brad Buckley nannte die Beteiligung ziemlich erbärmlich. Abbott begründete die Anordnung explizit mit dieser Verweigerungshaltung. Schon im Juli hatte ein Vorfall gezeigt, dass KI-Rechenzentren das Stromnetz innerhalb von 30 Sekunden destabilisieren können.

Parallel zum texanischen Beschluss hat auch New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul ein Jahresmoratorium für große Rechenzentren erlassen. Der texanische Schritt ist jedoch weitreichender, da Texas nach Virginia der zweitgrößte Rechenzentrumsmarkt der USA ist und kurz davorstand, Platz eins zu übernehmen. Mindestens 335 Rechenzentren sind bereits in Betrieb, 248 weitere in Planung.

Was bedeutet das für die KI-Branche

Für die KI-Industrie ist der texanische Stopp ein Weckruf. Die Data Center Coalition, ein Branchenverband großer Tech-Firmen, äußerte sich zuversichtlich, dass der Audit verantwortungsvolle Entwickler von unverantwortlichen trennen könne. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Anordnung keine klaren Durchsetzungsmechanismen enthält.

Amazon allein investiert 220 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur, wie aus den aktuellen Quartalszahlen hervorgeht. Wenn der zweitgrößte US-Markt nun Projekte blockiert, müssen Hyperscaler alternative Standorte finden. Das treibt die Kosten weiter hoch und verzögert den Ausbau. Der Präzedenzfall aus New York zeigt, dass solche Moratorien auch andere Bundesstaaten ermutigen können.

Fest steht: Das Zeitalter der unregulierten KI-Rechenzentren geht zu Ende. Texas zeigt, dass selbst ein geschäftsfreundlicher Bundesstaat die Grenzen des Stromnetzes nicht ignorieren kann. Die Frage ist nun, ob die Branche sich den neuen Regeln anpasst oder weiter in Widerstand geht.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und von einem Menschen redaktionell geprüft.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.