T-Systems SupplyOn: 10.000 GPUs für Europas KI-Lieferketten

von Marcel Buchholz 21. Juni 2026 2 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

T-Systems und SupplyOn bündeln ihre Kräfte: Ab sofort läuft Europas größte industrielle KI-Cloud in München. 10.000 NVIDIA Blackwell GPUs liefern 0,5 Exaflops Rechenleistung für souveräne Lieferketten.

Was steckt hinter der Partnerschaft?

T-Systems, die Telekom-Tochter für Unternehmens-IT, und SupplyOn, Europas führendes Lieferketten-Netzwerk, haben am 21. Juni 2026 eine strategische Allianz bekannt gegeben. Das Ziel: Künstliche Intelligenz direkt in industrielle Lieferketten integrieren. Dafür verbindet SupplyOn seine Plattform mit der Industrial AI Cloud von T-Systems. Rund 140.000 Unternehmen in über 100 Ländern nutzen bereits die SupplyOn-Plattform für Beschaffung, Qualitätssicherung und Risikomanagement. Künftig sollen KI-Agenten diese Prozesse automatisieren und beschleunigen.

10.000 Blackwell-GPUs in München

Das Herzstück der Zusammenarbeit ist das Münchner Rechenzentrum, das seit Februar 2026 in Betrieb ist. Dort laufen 10.000 NVIDIA Blackwell-GPUs mit einer Gesamtrechenleistung von 0,5 Exaflops. Damit erhöht sich die verfügbare KI-Kapazität in Deutschland um rund 50 Prozent. Zusätzlich stehen 20 Petabyte Speicherkapazität zur Verfügung. Die Infrastruktur ist DSGVO-konform und resistent gegen den US Cloud Act. Sensible Einkaufs-, Produktions- und Lieferantendaten bleiben unter europäischer Kontrolle.

KI-Agenten für den Einkauf

Der erste Anwendungsfall heißt AI-native Sourcing. KI-Agenten unterstützen Einkaufsabteilungen bei der Lieferantenauswahl, bewerten Angebote und bereiten Entscheidungen vor. Markus Quicken, CEO von SupplyOn, betont: Datensouveränität über Unternehmensgrenzen hinweg sei die zentrale Voraussetzung für erfolgreiche KI-Nutzung. Dr. Ferri Abolhassan, T-Systems-Vorstand, formuliert es so: KI werde zum Betriebssystem der Wirtschaft. Wer die Potenziale ausschöpfen wolle, müsse die Kontrolle über Daten und Prozesse behalten.

Weitere Partner und Ausblick

Das Ökosystem der Industrial AI Cloud wächst. Neben SupplyOn setzen bereits EDAG, Agile Robots, Wandelbots und PhysicsX auf die Plattform. Noxta entwickelt eine Legal AI für über 60 Millionen juristische Dokumente. SOOFI trainiert ein Sprachmodell mit 100 Milliarden Parametern. Quantum Systems baut und steuert autonome Systeme. Nach AI-native Sourcing sollen künftig auch Planung, Qualitätssicherung, elektronische Rechnungsverarbeitung und Risikomanagement durch KI-Agenten unterstützt werden.

EU setzt auf Souveränität

Gleichzeitig verschärft die EU die regulatorischen Rahmenbedingungen. Am 17. Juni 2026 stellte die EU-Kommission ihr Tech-Souveränitäts-Paket vor. Es umfasst den Chips Act 2.0, die EU-Open-Source-Strategie und den Cloud- und KI-Entwicklungsakt, kurz CADA. Der CADA-Entwurf schafft ein Cloud-Souveränitäts-Rahmenwerk mit vier Union Assurance Levels. Diese reichen von grundlegenden Datenstandortpflichten bis zu weitreichender europäischer Kontrolle. Besonders relevant: Öffentliche Aufträge können künftig bis zu 15 von 120 Punkten für Souveränitätskriterien vergeben. Damit wird Datensouveränität zum messbaren Wettbewerbsvorteil bei Vergabeverfahren. Experten warnen jedoch vor Sovereignty Washing, falls Standortversprechen ohne echte operative Kontrolle bleiben.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Partnerschaft zeigt einen klaren Trend: KI wird zur Infrastrukturfrage. Datenschutz, Lieferfähigkeit und Governance müssen gleichzeitig betrachtet werden. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie KI nicht nur als Tool nutzen können, sondern eine Entscheidung über die zugrunde liegende Infrastruktur treffen müssen. Wer seine Lieferketten-Daten nicht aus der Hand geben will, braucht eine Alternative zu US-Cloud-Anbietern. Genau diese Lücke füllt die Industrial AI Cloud. Mit 10.000 Blackwell-GPUs, DSGVO-Konformität und Cloud-Act-Resistenz positioniert sich München als Knotenpunkt für souveräne KI in Europa.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.