SpaceX IPO: Musks Milliarden-Börsengang wird billiger als erwartet

von Marcel Buchholz 30. Mai 2026 3 Min. Lesezeit News, KI & Wirtschaft

SpaceX senkt die Bewertung für den größten Börsengang der Geschichte. Statt der erhofften zwei Billionen Dollar zielt Elon Musks Raumfahrt- und KI-Konzern nun auf mindestens 1,8 Billionen ab. Der Roadshow-Start am 4. Juni rückt näher, und Investoren bekommen erstmals einen detaillierten Blick auf die Zahlen hinter dem Hype.

Warum SpaceX die Bewertung nach unten korrigiert

Der Schritt von über zwei Billionen auf 1,8 Billionen Dollar ist kein Absturz, sondern ein klassischer IPO-Mechanismus. Unternehmen setzen anfangs ambitionierte Ziele und kalibrieren dann nach unten, sobald institutionelle Anleger signalisieren, was sie zu zahlen bereit sind. Das geht aus übereinstimmenden Berichten hervor.

Trotz der Korrektur bleibt der Wert enorm. Bei 1,8 Billionen wäre SpaceX wertvoller als Amazon und würde nur noch von Apple, Nvidia, Microsoft und Alphabet übertroffen. Die Emission über 75 Milliarden Dollar wäre der größte Börsengang aller Zeiten. Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America führen das Konsortium aus 22 Banken.

Die Zahlen hinter dem Pitch

SpaceX verbuchte 2025 einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar. Gleichzeitig schrieb das Unternehmen jedoch 4,94 Milliarden Dollar Verlust, nachdem es 2024 noch 791 Millionen Gewinn erzielt hatte. Der Grund dafür ist die Übernahme von xAI im Februar 2026. Die Fusion mit Musks KI-Sparte verwandelte SpaceX von einem Raketen- und Satellitenunternehmen in einen KI-Infrastruktur-Konzern mit einem adressierbaren Markt von 28,5 Billionen Dollar.

Starlink bleibt das Zugpferd. Der Satelliten-Internet-Dienst zählt über 10,3 Millionen Abonnenten in 164 Ländern und generierte 2025 allein 10,6 Milliarden Dollar Umsatz. Der xAI-Teil hingegen verbrennt Geld. Dafür sorgt unter anderem ein Vertrag mit Anthropic über 1,25 Milliarden Dollar pro Monat für Rechenleistung auf dem Colossus-1-Rechenzentrum.

Anthropic-Vertrag als doppeltes Risiko

Dieser Anthropic-Vertrag ist ein zentraler Baustein der IPO-Story. Über die Laufzeit bis Mai 2029 summiert er sich auf rund 40 Milliarden Dollar. Gleichzeitig kann jede Seite mit 90 Tagen Frist kündigen. Für Investoren bedeutet das ein doppeltes Risiko. Einerseits sichert der Vertrag planbare Einnahmen. Andererseits könnte ein Wegfall den Geschäftsverlauf massiv verändern.

Dazu kommt die Governance-Frage. Elon Musk besitzt 42 Prozent der Anteile, kontrolliert aber 85 Prozent der Stimmrechte durch eine Zwei-Klassen-Aktienstruktur. Kleinanleger erhalten 30 Prozent der Emission, dreimal mehr als bei typischen Mega-IPOs. Das könnte für Nachfragesog am ersten Handelstag sorgen, aber auch für Volatilität.

Blue Origin und die Konkurrenz

Die Nachrichtenlage spielt SpaceX dabei in die Hände. Am selben Tag, als die bewertungskorrektur bekannt wurde, explodierte Blue Origins New Glenn-Rakete bei einem statischen Feuertest auf Cape Canaveral. Der einzige Startplatz des Konkurrenten wurde zerstört. SpaceX plant 140 bis 145 Starts in diesem Jahr und hat genügend Redundanz, um einzelne Rückschläge zu verkraften.

Auch der KI-Bereich sorgt für Gegenwind. Anthropic hat gleichzeitig seine Series-H-Runde über 65 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar geschlossen. Damit ist Anthropic erstmals wertvoller als OpenAI. Claude Opus 4.8 erreichte 69,2 Prozent auf dem SWE-Bench Pro und übertrifft damit GPT-5.5 deutlich.

Was Anleger jetzt erwartet

Die Roadshow beginnt voraussichtlich am 4. Juni. Das Pricing könnte schon am 11. Juni folgen. Der Handel unter dem Tickersymbol SPCX an der Nasdaq und der Nasdaq Texas soll zwischen dem 18. und 30. Juni aufgenommen werden. Musk persönlich hat kürzlich eine 20-Milliarden-Dollar-Brückenkredit zu 4,58 Prozent aufgenommen, um hochverzinsliche X- und xAI-Schulden abzulösen.

Bei einem Bewertungsfaktor von 96-fachem 2025er-Umsatz setzt SpaceX auf anhaltendes Hypergrowth statt auf aktuelle Profitabilität. Ob das reicht, um die größte Emission der Geschichte erfolgreich abzuschließen, wird sich in den nächsten zwei Wochen entscheiden.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.