SpaceX IPO: 1,77 Billionen Dollar und der größte Börsengang der Geschichte

von Marcel Buchholz 09. Juni 2026 4 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

SpaceX startet den größten Börsengang aller Zeiten. Am 12. Juni 2026 debütiert das Unternehmen unter dem Kürzel SPCX an der Nasdaq. Dabei setzt Elon Musks Raumfahrtfirma einen festen Preis von 135 Dollar pro Aktie an. Das ergibt eine Bewertung von 1,77 Billionen Dollar. Zudem fließen 75 Milliarden Dollar frisches Kapital in die Kassen. Der SpaceX IPO markiert damit einen Wendepunkt für die gesamte Technologiebranche.

SpaceX IPO: Die Zahlen hinter dem Rekordgang

Das Angebot umfasst 555,6 Millionen Aktien. Zusätzlich können Underwriter 83,3 Millionen weitere Anteile zeichnen. Goldman Sachs führt die Emission als Hauptbank. Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan Chase stehen als Co-Underwriter bereit. Zudem behält Elon Musk über 82 Prozent der Stimmrechte. Die dual-class-Struktur sichert ihm die volle Kontrolle über alle strategischen Entscheidungen.

Bisheriger Rekordhalter war Alibaba mit 25 Milliarden Dollar im Jahr 2014. SpaceX hebt diese Marke um das Dreifache. Selbst Saudi Aramco brachte 2019 nur 25,6 Milliarden Dollar auf den Markt. Allerdings verkaufte der saudische Staat lediglich 1,5 Prozent seiner Anteile. SpaceX bietet hingegen rund 4,5 Prozent des Unternehmens öffentlich an. Das bedeutet deutlich mehr liquide Aktien im Umlauf als bei Aramco.

Die Bewertung stützt sich auf drei Geschäftsbereiche. Starlink bildet das Rückgrat. Das Satelliten-Internet versorgt über 100 Länder mit Breitbandzugang. Mehr als 6.000 Satelliten kreisen um die Erde. Die Latenz liegt zwischen 20 und 40 Millisekunden. Analysten schätzen, dass Starlink allein bei 100 Millionen Abonnenten auf ein Jahresumsatzvolumen von 120 Milliarden Dollar kommen könnte. Dementsprechend rechtfertigt ein Telekom-Multiplikator von 10 bis 15 eine Bewertung über 1 Billion Dollar nur für diesen Teil.

Allerdings gibt es auch Risiken. Regierungen weltweit sehen in der flächendeckenden Satelliten-Internetversorgung eine Herausforderung für nationale Sicherheits- und Zensurpolitik. Lizenzstreitigkeiten könnten das adressierbare Markt begrenzen. Zudem intensiviert sich der Wettbewerb durch Blue Origin, Rocket Lab und United Launch Alliance. Wiederverwendbarkeit wird zunehmend zum Standard, nicht mehr zum Alleinstellungsmerkmal.

Raketen und Starship: Zwei weitere Geschäftsmodelle

SpaceX dominiert den weltweiten kommerziellen Startmarkt mit rund 60 Prozent Marktanteil. Falcon 9 absolvierte über 300 Flüge. Ein Booster wurde bereits 25-mal wiederverwendet. Das senkt die Startkosten drastisch. Daher bleibt das Launch-Geschäft ein verlässlicher Cashflow-Treiber.

Starship hingegen ist die langfristige Wette. Das voll wiederverwendbare Schwerlast-System soll die Kosten pro Kilogramm um einen weiteren Faktor 10 senken. NASA hat Starship als Mondlandegerät für das Artemis-Programm beauftragt. Außerdem laufen Testprogramme für das militärische Starshield. Jedoch steht Starship noch am Anfang. Die Bewertung von 1,77 Billionen setzt voraus, dass Starship seine Betriebsreife erreicht. Verzögert sich das Programm, komprimiert sich das Bewertungsniveau schnell.

Musks 82-Prozent-Kontrolle: Chance und Risiko

Die dual-class-Aktienstruktur gewährt Musk uneingeschränkte Entscheidungsmacht. Anleger kaufen wirtschaftliche Teilhabe, keine Mitsprache. Das kennen Investoren von Google, Meta und Snap. Dennoch unterscheidet sich Musks Situation. Er leitet gleichzeitig Tesla, xAI, X, Neuralink und die Boring Company. Deshalb birgt die Konzentration auf eine Einzelperson ein nicht diversifizierbares Risiko.

Zudem offenbart die S-1-Dokumentation finanzielle Verflechtungen. xAI kaufte im April Tesla-Megapacks im Wert von 269 Millionen Dollar. Tesla selbst besitzt 18,99 Millionen SpaceX-Aktien im Wert von 2,56 Milliarden Dollar zum IPO-Preis. Diese Querverbindungen werfen Fragen zur Corporate Governance auf. Musk hat zudem intern die Möglichkeit einer Verschmelzung von SpaceX und Tesla diskutiert. Ein aktueller Tesla-Mitarbeiter bestätigte, dass das Thema intern offen gesprochen wird.

Anthropic zieht nach: KI-Börsengang-Wettlauf intensiviert sich

Zeitgleich mit dem SpaceX-IPO intensiviert sich der Wettlauf der KI-Firmen an die Börse. Anthropic reichte am 1. Juni 2026 vertraulich seinen S-1-Prospekt bei der SEC ein. Der Claude-Hersteller wird auf 965 Milliarden Dollar bewertet. Zuvor schloss Anthropic eine 65-Milliarden-Series-H-Runde ab. Die Anwälte von Wilson Sonsini begleiten den Börsengang. Denselben Kanzleikatalog nutzte Google bei seinem IPO 2004. Der Börsengang wird für Oktober 2026 erwartet.

OpenAI bereitet ebenfalls eine vertrauliche S-1-Einreichung vor. Der Markt für KI-Unternehmensbörsengänge wird 2026 also massiv expandieren. Dementsprechend drängt SpaceX jetzt an die Börse, bevor die Konkurrenz um Anlegerkapital weiter zunimmt. Die drei größten Technologie-Börsengänge des Jahres kommen aus dem KI- und Raumfahrt-Sektor. Das zeigt, wo die Kapitalströme der Zukunft fließen.

Was Anleger vor dem 12. Juni wissen müssen

Die Preisfestsetzung erfolgt am 11. Juni 2026. Der Handel beginnt am 12. Juni an der Nasdaq unter dem Ticker SPCX. Fünf Prozent der Aktien sind für Mitarbeiter und enge Kontakte reserviert. Die Bewertung übersteigt Teslas aktuelle Marktkapitalisierung von rund 1,6 Billionen Dollar. Morningstar schätzt den fairen Wert hingegen auf nur 780 Milliarden Dollar. Das zeigt, wie weit die Meinungen auseinandergehen.

Für KI-begeisterte Anleger ist besonders relevant, dass xAI als Teil von SpaceX an die Börse kommt. Die KI-Sparte nutzt Colossus, eines der größten Rechenzentren der Welt mit über 110.000 Nvidia-GPUs. Dadurch erhält jeder SPCX-Anteil automatisch auch ein Exposure gegenüber dem KI-Markt. Wer also an der Schnittstelle von Raumfahrt und künstlicher Intelligenz investieren will, bekommt mit SpaceX beide in einem Paket. Zudem profitiert xAI vom Rechenzentrum Colossus, das auch Google und SpaceX verbindet. Ob diese Kombination die erwarteten Renditen liefert, wird der Markt ab dem 12. Juni zeigen.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.