SoftBank KI-Investition: 75 Milliarden für Frankreichs Rechenzentren

von Marcel Buchholz 01. Juni 2026 3 Min. Lesezeit News, KI & Wirtschaft

SoftBank setzt Europas größtes KI-Projekt in Szene

Japanische Technologie-Investoren haben eine neue Ära für europäische KI-Infrastruktur eingeläutet. SoftBank Group investiert bis zu 75 Milliarden Euro in Frankreichs Rechenzentrums-Kapazitäten und schafft damit das bisher größte KI-Infrastrukturprojekt auf dem Kontinent. Die Ankündigung erfolgte auf dem Choose-France-Gipfel in Versailles, bei dem auch Präsident Emmanuel Macron die strategische Bedeutung der Investition hervorhob.

Die SoftBank KI-Investition umfasst eine erste Phase von 45 Milliarden Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre. Damit baut das Unternehmen 3,1 Gigawatt Rechenzentrums-Kapazität in der Region Hauts-de-France auf, zusätzlich sind Standorte in Dunkerque, Bosquel und Bouchain geplant. Die Gesamtkapazität soll bis zu 5 Gigawatt erreichen.

Warum Frankreich und nicht Deutschland?

Die Wahl Frankreichs als Standort ist kein Zufall. Frankreich verfügt über einen der größten Atomkraftparks Europas und bietet damit vergleichsweise günstige und kohlendstoffarme Energie für stromhungrige Rechenzentren. Zudem hat die französische Regierung in den letzten Monaten massiv Bürokratie abgebaut und Sonderwirtschaftszonen für KI-Projekte geschaffen.

Deutschland hingegen kämpft weiterhin mit hohen Energiepreisen und einem komplexen Genehmigungsverfahren. Wie unser Bericht über Europas KI-Zukunft zeigte, sind die Stromkosten ein entscheidender Faktor für den Standortwettbewerb im Bereich künstliche Intelligenz.

SoftBank-Chef Son sieht globalen Wettlauf

SoftBank-CEO Masayoshi Son machte bei der Pressekonferenz deutlich, dass es sich um mehr als eine Geschäftsentscheidung handelt. Die USA und China investierten bereits massiv in KI-Infrastruktur, sagte Son. Europa und Japan müssten ebenfalls schnell handeln, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Der Gesamtwert der Investition liege unter Einbezug aller Projektkosten näher bei 750 Milliarden Dollar.

Zudem kündigte Son an, dass das Projekt bereits Großkunden aus dem Hyperscaler-Bereich gewonnen hat. SoftBank arbeitet dabei mit dem französischen Energie- und Automatisierungsspezialisten Schneider Electric zusammen, um einen großen Industriestandort in Dunkerque zu errichten.

Verbindung zu OpenAI und Arm Holdings

SoftBanks Engagement reicht weit über Rechenzentren hinaus. Das Unternehmen hat mehr als 30 Milliarden Dollar in OpenAI investiert und verzeichnete allein im vergangenen Geschäftsjahr Gewinne von 45 Milliarden Dollar aus dieser Beteiligung. Zudem profitiert SoftBank massiv von seinem Chip-Design-Spinoff Arm Holdings, dessen Architekturen in den Servern zum Einsatz kommen.

Diese Verflechtung zeigt einen klaren strategischen Ansatz. SoftBank baut nicht nur Rechenzentren, sondern kontrolliert Teile der gesamten Wertschöpfungskette von der Chip-Entwicklung über die Model-Bereitstellung bis hin zur physischen Infrastruktur.

Was bedeutet das für den europäischen KI-Markt?

Die Ankündigung könnte einen Wendepunkt für Europa bedeuten. Bisher konzentrierte sich der Kontinent vor allem auf Regulierung mit dem AI Act. Gleichzeitig flossen die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren primär in die USA. Mit dem SoftBank-Projekt erhält Frankreich erstmals eine KI-Infrastruktur, die mit amerikanischen und chinesischen Mega-Projekten konkurrieren kann.

Kritiker warnen jedoch, dass 5 Gigawatt Rechenzentrums-Kapazität enorme Mengen an Strom und Kühlung erfordern. Die Region Hauts-de-France verfügt zwar über günstige Atomenergie, dennoch bleiben Fragen zur Netzstabilität und zum Wasserbedarf der Anlagen offen.

SoftBank-Aktie steigt auf Rekordhoch

Die Märkte reagierten enthusiastisch auf die Nachricht. SoftBank-Aktien stiegen um 14 Prozent und legten damit im laufenden Jahr bereits über 70 Prozent zu. Damit wurde SoftBank erstmals wertvoller als Toyota und ist nun das wertvollste Unternehmen Japans. Die Bewertung spiegelt die Erwartung wider, dass SoftBanks KI-Infrastruktur-Investitionen langfristig erhebliche Renditen abwerfen könnten.

Für die europäische KI-Landschaft bedeutet die SoftBank-Investition, dass der Kontinent erstmals über eine konkurrenzfähige Infrastruktur verfügt. Ob dies ausreicht, um den Abstand zu den USA und China zu verringern, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.