Siri wird erwacht: Apple plant radikalen KI-Umbau auf der WWDC 2026

von Marcel Buchholz 20. Mai 2026 3 Min. Lesezeit News

Apples Sprachassistentin Siri steht vor der größten Transformation ihrer Geschichte. Auf der WWDC 2026 am 8. Juni wird das Unternehmen eine komplett überarbeitete Version vorstellen, die den bisherigen Helfer in einen vollwertigen KI-Agenten verwandelt. Die Änderungen sind so weitreichend, dass Siri damit erstmals mit ChatGPT, Claude und Gemini konkurrieren kann.

Siri bekommt eine eigene App und Chat-Interface

Bisher war Siri unsichtbar, eine Stimme im Hintergrund, die auf Kommandos wartet. Das ändert sich radikal. Apple entwickelt eine eigenständige Siri-App, die Nutzer wie einen Messenger nutzen können. Das Design erinnert an iMessage: Chats mit der KI, Verlauf früherer Gespräche, eine Suchleiste für alte Konversationen und ein Plus-Button für neue Chats. Nutzer können Dokumente und Bilder hochladen und zwischen Spracheingabe und Textmodus wechseln.

Zudem wird Siri erstmals in der Dynamic Island erscheinen. Ein Wischer von oben löst die neue Funktion „Search or Ask“ aus. Diese ersetzt im Grunde die bisherige Spotlight-Suche, liefert aber deutlich fortgeschrittenere Ergebnisse mit Zugriff auf Daten aus installierten Apps. Eine durchscheinende Ergebniskarte zeigt Antworten, die sich per Swipe in einen vollständigen Chat-Modus überführen lassen.

Google Gemini als Motor hinter dem neuen Siri

Eine der wichtigsten Entscheidungen: Der neue Siri wird von Google Gemini angetrieben. Google Cloud-Chef Thomas Kurian bestätigte auf der Google Cloud Next 2026 die Partnerschaft. Gemini versorgt Siri mit leistungsfähigen Sprachmodellen, die deutlich über die bisherigen Fähigkeiten von Apples hauseigener KI hinausgehen. Siri wird dadurch in die Lage versetzt, auf Webquellen zuzugreifen, Zusammenfassungen mit Stichpunkten und Bildern zu erstellen und komplexe Aufgaben über mehrere Apps hinweg auszuführen.

Apple öffnet sich zudem Drittanbietern. Nutzer können im Suchfeld zwischen Siri, ChatGPT oder Gemini wählen. Auch in den Writing Tools und dem Image Playground wird künftig die Auswahl verschiedener KI-Modelle möglich sein. Das ist ein deutlicher Richtungswechsel für ein Unternehmen, das bisher auf geschlossene Systeme setzte.

Agenten-Fähigkeiten und systemweite Integration

Der neue Siri agiert nicht mehr nur als passiver Beantworter von Fragen. Apple beschreibt ihn als „always-on agent“, der auf persönliche Daten aus E-Mails, Nachrichten und Notizen zugreift und Handlungen über App-Grenzen hinweg ausführt. Eine Siri-Taste in der Kamera-App soll etwa Ernährungsetiketten scannen und auswerten können. In anderen Apps erscheint ein „Ask Siri“-Schalter in Menüs, der Informationen zu markiertem Text liefert oder verwandte E-Mails heraussucht.

Diese agentenbasierte Architektur ist Apples Antwort auf den KI-Wettlauf. Konkurrenten wie Google mit Gemini Intelligence und OpenAI mit ChatGPT Workspace Agents haben ähnliche Konzepte vorgestellt. Apple zieht nun nach, allerdings mit dem Unterschied, dass Siri direkt in das Betriebssystem eingebettet wird und Milliarden von Geräten erreicht.

250 Millionen Dollar Klage und der Druck zu liefern

Apples KI-Strategie steht unter enormem Druck. Das Unternehmen muss 250 Millionen Dollar zahlen, um eine Sammelklage beizulegen, die Apple fahrlässige Werbung vorwarf. Die versprochenen personalisierten Siri-Funktionen, die mit dem iPhone 16 beworben wurden, hatte Apple um Monate verschoben. Nun steht Apple unter dem Zwang, endlich zu liefern.

Dabei geht es um mehr als nur Reputation. Die Konkurrenz durch Android hat mit Gemini Intelligence bereits gezeigt, wie ein Betriebssystem als KI-Agent funktionieren kann. Apple riskiert, den Anschluss zu verlieren, wenn der neue Siri nicht überzeugt. Die WWDC 2026 wird entscheiden, ob Apple den KI-Vorsprung der Konkurrenz aufholen kann oder weiter hinterherrennt.

Was Nutzer von iOS 27 erwarten können

Neben dem Siri-Umbau stehen weitere Neuerungen auf dem Programm. Die Kamera-App wird vollständig anpassbar, das Design-System Liquid Glass erhält Optimierungen, und Apple arbeitet an verbesserten Bildgenerierungsmodellen für den Image Playground. Die Änderungen an Siri sind jedoch das Herzstück von iOS 27 und könnten die Art verändern, wie hundert Millionen Menschen täglich mit ihren Geräten interagieren.

Die Grundidee ist ambitioniert: Siri soll nicht länger ein Sprachassistent sein, den man gelegentlich nach dem Wetter fragt. Stattdessen wird Siri zum zentralen Hub für Informationen, Aufgaben und Kommunikation auf dem iPhone. Ob Apple dieses Versprechen dieses Mal einlösen kann, wird sich ab dem 8. Juni zeigen.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.