SambaNova KI-Chip: 1 Milliarde Dollar gegen Nvidias Monopol

von Marcel Buchholz 09. Juli 2026 2 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Das KI-Chip-Startup SambaNova hat eine Milliarde Dollar frisches Kapital eingesammelt und beweist damit, dass der Markt nach Alternativen zu Nvidia verlangt. Die Series-F-Finanzierungsrunde unter Führung von General Atlantic bewertet das Unternehmen auf 11 Milliarden Dollar. Nur fünf Monate zuvor hatte SambaNova noch 350 Millionen Dollar eingesammelt. Der Wendepunkt: JPMorgan Chase setzt nun auf SambaNova-Technologie für seine hauseigene KI-Infrastruktur.

JPMorgan setzt auf SambaNova statt Cloud

Dass eine Großbank wie JPMorgan Chase einen KI-Chip-Hersteller für ihre On-Premises-Infrastruktur wählt, ist ein starkes Signal. Banken verarbeiten hochsensible Finanzdaten. Deshalb suchen sie nach Lösungen, die innerhalb der eigenen Firewall laufen, anstatt auf Cloud-Servern Dritter. SambaNova-Chef Rodrigo Liang betont, dass Unternehmen und Regierungen gerade erst am Anfang ihrer KI-Reise stehen. JPMorgan nutzt künftig die SN40L- und SN50-Systeme von SambaNova für sichere Inferenz im eigenen Rechenzentrum.

SN50: Inferenz-Chip mit dreifacher Nvidia-Leistung

Im Februar 2026 stellte SambaNova den SN50 vor, einen Chip, der speziell für die Inferenz großer KI-Modelle entwickelt wurde. Laut Unternehmensangaben bietet der SN50 mehr als dreimal den Durchsatz von Nvidias B200-Grafikkarte. Zudem soll die Spitzenleistung fünffach schneller sein. Das Geheimnis liegt in der Architektur: Dutzende Tiles kombinieren Verarbeitungsschaltkreise direkt mit SRAM-Speicher auf dem Chip. Dadurch wird der Datenweg zwischen Rechen- und Speichereinheiten drastisch verkürzt. Außerdem verfügt der SN50 über HBM-Speicher für aktive Modellgewichte und einen DRAM-Bereich, der den Wechsel zwischen verschiedenen neuronalen Netzen in Millisekunden ermöglicht. Die 16-Chip-Einheit SambaRack SN50 benötigt nur etwa 20 Watt und kommt mit Standardluftkühlung aus.

Von der Intel-Übernahme zum Börsengang

Noch im Dezember 2025 verhandelte Intel über eine Übernahme von SambaNova für rund 1,6 Milliarden Dollar. Diese Gespräche scheiterten. Stattdessen vertiefte Intel die Partnerschaft und beteiligte sich an der Series F. Die Bewertung kletterte von 1,6 Milliarden auf 11 Milliarden Dollar innerhalb weniger Monate. Liang hält einen Börsengang für 2027 für wahrscheinlich, allerdings in den USA. Zu den Investoren der aktuellen Runde gehören BlackRock, Qatar Investment Authority, Vista Equity Partners und T. Rowe Price.

Inferenz wird zum neuen Schlachtfeld

Der KI-Markt verschiebt sich. Lange dominierte das Training großer Modelle die Nachfrage nach Chips. Jetzt wächst der Inferenz-Markt rasant, weil Unternehmen KI-Modelle produktiv einsetzen. SambaNova positioniert sich als Premium-Anbieter für genau diesen Bereich. Multi-Billionen-Parameter-Modelle passen auf einen einzigen Rack, was Latenzen minimiert. Neben Banken wie JPMorgan zählt SambaNova auch Saudi Aramco und japanische Firmen zu seinen Kunden. Der PHLX-Halbleiterindex ist in diesem Jahr um rund 80 Prozent gestiegen. Gleichzeitig bereitet sich das südkoreanische Startup Rebellions auf einen IPO vor. Nvidia lizenziert mittlerweile Technologie von Groq. Der Markt für KI-Inferenz-Chips wird heiß umkämpft.

Die Frage bleibt, ob SambaNova das Tempo halten kann. Konkurrenten wie Qualcomm mit Modular und OpenAI mit dem eigenen Jalapeño-Chip drängen ebenfalls in den Markt. Jedoch setzt SambaNova als eines der wenigen Startups auf vollständige On-Premises-Lösungen für sicherheitskritische Branchen. Falls JPMorgan als Referenzkunde weitere Banken anzieht, könnte der 2027er-Börsengang zu einem der größten Tech-IPOs werden.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.