US-Gesundheitsbehörden testen KI: PULSE-Programm bringt OpenAI und Anthropic in 10 Bundesstaaten
US-Gesundheitsbehörden starten das PULSE-Programm: Zehn Bundesstaaten testen generative KI von OpenAI und Anthropic in der öffentlichen Gesundheitsvorsorge. Die Coalition for Health AI koordiniert das Pilotprojekt, das im Herbst beginnt und Playbooks für die landesweite Einführung erstellen soll.
Was ist PULSE und warum es jetzt startet
Die Coalition for Health AI (CHAI) hat PULSE ins Leben gerufen, ein nationales Programm, das staatliche und lokale Gesundheitsbehörden bei der verantwortungsvollen Nutzung generativer KI unterstützen soll. Der Name steht für Public Health Use Case and Learning Scaling Engine. Zehn ausgewählte Jurisdiktionen erhalten Zugang zu Enterprise-Lizenzen von OpenAI und Anthropic, die zusammen Platz für bis zu 2.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen bieten. Accenture begleitet das Projekt und erstellt Anleitungen für die breitere Anwendung.
Laut der National Association of County and City Health Officials nutzen fast 40 Prozent der lokalen Gesundheitsämter derzeit keine KI, möchten sie aber künftig einsetzen. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie unterfinanziert die digitale Infrastruktur vieler Behörden ist. PULSE soll genau diese Lücke schließen, indem es KI-Tools in echten Arbeitsumgebungen testet.
Fünf Anwendungsfälle für KI im Gesundheitswesen
Das Programm konzentriert sich auf fünf konkrete Einsatzbereiche. Erstens Biosurveillance: KI soll Drogenwellen und Krankheitsausbrüche früher erkennen. Zweitens erfasst die Sozialdeterminanten-Analyse gesundheitliche Ungleichheiten und kartiert sie. Drittens hilft KI bei der Analyse von Bürgerfeedback, um Abläufe effizienter zu gestalten. Viertens bietet eine mehrsprachige Übersetzungsplattform Barrierefreiheit für diverse Bevölkerungsgruppen. Fünftens automatisiert eine FHIR-Abfrage-Engine den Abruf klinischer Daten aus elektronischen Patientenakten.
Allerdings definiert die Ankündigung nicht im Detail, wie generative KI in diesen Workflows eingesetzt wird. Bei der FHIR-Engine bleibt offen, ob Modelle Abfragen generieren, Ergebnisse zusammenfassen oder beides erledigen. Ebenso unklar ist, ob Mitarbeiter alle KI-Ausgaben prüfen müssen, bevor sie in die Praxis einfließen.
Datenschutz und Governance bleiben offen
Kritiker weisen auf erhebliche Lücken in der Programmkonzeption hin. CHAI hat bisher keine eigenen Evaluationskriterien, Datenschutzanforderungen oder menschlichen Kontrollmechanismen für die fünf Anwendungsfälle veröffentlicht. Das NIST AI Risk Management Framework empfiehlt, KI-Systeme nach vorgesehenem Einsatz, Umfeld und potenziellen Folgen zu bewerten. Ob PULSE diese Empfehlungen umsetzt, ist noch nicht abzusehen.
Die Frage nach dem Datenschutz ist besonders brisant. Einige Anwendungen verarbeiten demografische, geografische und klinische Daten. CHAI hat nicht klargestellt, ob die Piloten identifizierbare Gesundheitsdaten, anonymisierte Informationen oder synthetische Datensätze nutzen. HIPAA, das US-Gesetz zum Schutz elektronischer Gesundheitsdaten, gilt nicht für alle teilnehmenden Organisationen gleichermaßen. Zudem fehlen Angaben zu Aufbewahrungsfristen, Zugriffssteuerung und Audit-Protokollen.
OpenAI und Anthropic spendieren Lizenzen
Beide KI-Firmen stellen jeweils fünf Enterprise-Lizenzen zur Verfügung. OpenAI betont, dass Eingaben und Ausgaben aus seinen Geschäftsprodukten standardmäßig nicht für das Modelltraining verwendet werden. Anthropic hat eine ähnliche Standardrichtlinie. Allerdings legen diese Richtlinien nicht fest, wie die PULSE-Einsätze konkret konfiguriert werden. Felipe Millon, OpenAIs Leiter für Regierungsbeziehungen, sagte, die Lizenzen sollen Gesundheitsorganisationen helfen, die Tools in einem strukturierten Prozess zu evaluieren. Elizabeth Kelly, Head of Beneficial Deployments bei Anthropic, betonte, dass Datenschutz und verantwortungsvolle Nutzung von Anfang an eingebaut werden müssen.
Dr. Ashish Jha: KI im Gesundheitswesen braucht Struktur
Dr. Ashish Jha, ehemaliger White House COVID-19-Koordinator, unterstützt das Programm. KI werde die Gesundheitsvorsorge grundlegend verändern, so Jha. Die Frage sei nicht ob, sondern wie. PULSE biete die Chance, KI-Einsatz sorgfältig zu testen und sicherzustellen, dass die Vorteile die Gemeinden erreichen, die sie am dringendsten brauchen. Dr. David Lakey, ehemaliger Gesundheitskommissar von Texas, ergänzt: Jede große technologische Transformation scheitert oder gelingt auf der Grundlage von Vertrauen, Governance und Umsetzung.
Was als Nächstes passiert
CHAI hat einen nationalen Bewerbungsaufruf gestartet. Interessierte Gesundheitsämter können sich ab sofort bewerben. Die ausgewählten zehn Jurisdiktionen starten im Herbst mit den Piloten. Die resultierenden Playbooks sollen 2027 veröffentlicht werden und als Referenz für andere Behörden dienen. Ob das Programm seine Versprechen einlöst, wird sich an der Transparenz der Evaluationskriterien und dem Datenschutz messen lassen.