OpenAI hat am 8. Juni 2026 einen vertraulichen S-1-Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Damit reiht sich das Unternehmen hinter Anthropic und SpaceX in die größte IPO-Welle der Technologieszene ein. Die Bewertung liegt bei 852 Milliarden Dollar. Doch OpenAI verbrennt Milliarden und steht unter Druck.
Was der S-1-Antrag bedeutet
Ein vertraulicher S-1-Antrag erlaubt es einem Unternehmen, seine Finanzdaten der SEC vorzulegen, ohne sie sofort öffentlich zu machen. OpenAI erklärte dazu lapidar: Wir rechnen damit, dass es durchsickert, also verkünden wir es lieber selbst. Der Zeitpunkt stehe noch nicht fest, hieß es. Allerdings räumt der Schritt die Option ein, früher an die Börse zu gehen, falls das vorteilhaft ist.
Zudem plant OpenAI ein Tenderangebot für Mitarbeiter. Diese sollen Anteile zur letzten Bewertung von 852 Milliarden Dollar verkaufen können. Das nimmt den Liquiditätsdruck heraus und gibt dem Unternehmen Zeit für den Börsengang.
Drei Giganten im Rennen um Wall Street
OpenAI ist das dritte Schwergewicht innerhalb weniger Wochen, das den Gang an die Börse vorbereitet. Zuvor hatte Anthropic am 1. Juni seinen eigenen S-1-Antrag eingereicht. SpaceX befindet sich bereits mitten in der Roadshow und wird voraussichtlich am 12. Juni unter dem Tickersymbol SPCX an der Nasdaq debütieren.
Die drei Unternehmen könnten zusammen mehr als 240 Milliarden Dollar Kapital aufnehmen. SpaceX zielt auf 1,77 Billionen Dollar Bewertung ab. Anthropic wird auf 965 Milliarden Dollar bewertet. OpenAI liegt bei 852 Milliarden. Das Ausmaß ist seit dem Dotcom-Boom nicht mehr gesehen worden.
852 Milliarden Bewertung bei gigantischem Burn
OpenAI hat bisher über 180 Milliarden Dollar an Finanzierung eingesammelt. Dennoch verbrennt das Unternehmen enorme Summen. Laut Wall Street Journal erwartet OpenAI, im Jahr 2028 allein 85 Milliarden Dollar zu verbrennen, selbst wenn sich der Umsatz verdoppelt. Die Infrastrukturkosten für Rechenleistung und Rechenzentren steigen rasant.
Im März 2026 sicherte sich OpenAI 122 Milliarden Dollar in der größten Finanzierungsrunde der Silicon-Valley-Geschichte. Davon kamen 3 Milliarden direkt von Kleinanlegern über Bankkanäle. CFO Sarah Friar hatte bereits im April Bedenken geäußert, ob das Unternehmen seine massiven Rechenzentrums-Ausgaben tragen kann.
Altman definiert die dritte Phase
Zum Zeitpunkt des S-1-Antrags veröffentlichte Sam Altman einen Blogpost über die dritte Phase von OpenAI. Phase eins war die Forschung auf dem Weg zu AGI. Phase zwei bestand darin, ein Produktunternehmen zu werden. Jetzt komme Phase drei: Die Wirtschaft formiere sich um KI herum. Die zentrale Frage lautet Altman: Wie macht man fortschrittliche KI ausreichend, bezahlbar, sicher und nützlich für jeden?
Gleichzeitig strafft das Unternehmen intern. Das Kurzvideo-Tool Sora wurde eingestellt. Der Fokus liegt auf dem Enterprise-Geschäft und dem Coding-Assistenten Codex, der direkt mit Claude Code von Anthropic konkurriert.
Wettlauf gegen Anthropic und den Markt
Experten warnen: Wer zuerst an die Börse geht, sichert sich das meiste Kapital. Nachdem SpaceX voraussichtlich Milliarden absorbiert hat, wird für OpenAI und Anthropic weniger frisches Geld verfügbar sein. Zudem setzt Anthropic die Messlatte für die Bewertung. Falls Anthropic konservativ preist, wird es für OpenAI schwieriger, seine Zielbewertung zu rechtfertigen.
Anthropic verzeichnete auf dem Sekundärmarkt Forge Global kürzlich einen Bewertungssprung auf 1 Billion Dollar und überholte OpenAI dort. Der OpenVC 500 Index zeigt Anthropic mit 123 Prozent Jahressteigerung gegenüber OpenAIs 11,3 Prozent. Allerdings stabilisiert sich OpenAI auf hohem Niveau.
900 Millionen Nutzer und wachsender Konkurrenzdruck
ChatGPT verzeichnet mittlerweile 900 Millionen wöchentliche aktive Nutzer. Dennoch verliert OpenAI laut Emarketer-Analyst Nate Elliott Marktanteile an Google und Anthropic. Besonders im Unternehmenssegment und bei Coding-Tools macht Claude Boden gut.
OpenAI sieht sich zudem mit dem Musk-Prozess konfrontiert. Eine Jury entschied kürzlich, dass Musks Klage verjährt sei. Musk nannte das Urteil eine rein kalendertechnische Entscheidung ohne inhaltliche Prüfung.
Was jetzt passiert
Der S-1-Antrag startet einen Prozess, der mehrere Monate dauern kann. OpenAI wird voraussichtlich im vierten Quartal 2026 an die Börse gehen. Goldman Sachs und Morgan Stanley leiten das Konsortium. Bis dahin wird der Markt genau beobachten, wie die SpaceX-Emission aufgenommen wird und welche Zahlen Anthropic offenlegt.
Für Anleger stellt sich die zentrale Frage: Lohnt sich ein Investment in ein Unternehmen, das nach eigenen Prognosen noch Jahre in den roten Zahlen operiert? OpenAI wetted darauf, dass die Massennutzung von KI die Ausgaben langfristig rechtfertigt. Der Börsengang wird zeigen, ob die Wall Street dieser Wette folgt.