OpenAI-Generalstaatsanwälte: US-Bundesstaaten nehmen ChatGPT-Hersteller ins Visier
Eine Koalition US-amerikanischer Generalstaatsanwälte hat eine weitreichende Untersuchung gegen OpenAI eröffnet. Damit steht der ChatGPT-Hersteller vor der bislang größten koordinierten staatlichen Maßnahme seiner Geschichte. Allerdings kommt der Vorstoß zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Nur Tage zuvor hatte OpenAI vertraulich den Börsengang angemeldet.
Was die Ermittler wissen wollen
Die Generalstaatsanwälte haben OpenAI mit einem umfassenden subpoena beauftragt. Darin fordern sie Dokumente zu Werbestrategien, Nutzerbindung, Umgang mit Konsum- und Gesundheitsdaten sowie zum Schutz von Minderjährigen und älteren Nutzern. Zudem geht es um die sogenannte Modellanpassung, also wie ChatGPT auf Nutzer reagiert und ob das Modell bewusst anschmeichelt.
New Yorks Generalstaatsanwalt hat die Vorladung persönlich zugestellt. Die Initiative umfasst mehrere Bundesstaaten, deren genaue Zahl OpenAI jedoch nicht öffentlich machte. Deshalb bleibt unklar, wie viele Staaten beteiligt sind.
OpenAI reagiert vorsichtig
Ein Sprecher von OpenAI erklärte, man nehme die Bedenken der Generalstaatsanwälte ernst und werde sich konstruktiv einbringen. Zudem betonte das Unternehmen, dass ChatGPT mittlerweile Schutzmechanismen für Minderjährige biete. Dazu zählen Altersvorhersage, Elternwerkzeuge und ein Verbot von Werbung, die sich an Kinder richtet.
Allerdings stehen diese Beteuerungen in einem Spannungsverhältnis zur Realität. Erst kürzlich klagte Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier gegen OpenAI und CEO Sam Altman persönlich. Er wirft dem Unternehmen vor, ein gefährliches Produkt wissentlich auf den Markt gebracht zu haben. Uthmeier kündigte damals bereits an, dass weitere Staaten ähnliche Schritte einleiten werden.
Das Timing ist brisant
Die Ermittlungen treffen OpenAI in einer kritischen Phase. Das Unternehmen hat erst am 8. Juni vertraulich die Börseneinführung bei der SEC eingereicht. Eine Bewertung von 850 Milliarden Dollar macht den IPO zu einem der größten der Tech-Geschichte. Deshalb häufen sich die rechtlichen Belastungen schnell an. Neben den Generalstaatsanwälten laufen Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen, falscher Tatsachenbehauptungen und sogar Verbindungen zu Suizidfällen.
Daher wird der geplante Börsengang zusätzliche regulatorische Risiken bergen. Anleger müssen nun abwägen, ob das Wachstumspotenzial die wachsende Klagegefahr aufwiegt.
Bürgerwehren und Politik verdichten sich
Die staatliche Untersuchung steht nicht isoliert. Sie reiht sich ein in eine wachsende Bewegung gegen KI-Risiken. Sieben Familien der Opfer des Tumbler-Ridge-Anschlags in Kanada verklagen OpenAI, weil der Täter ChatGPT zur Planung genutzt haben soll. Altman entschuldigte sich öffentlich dafür, dass OpenAI nicht rechtzeitig Behörden alarmiert hatte.
Zudem zeigt Florida, dass einzelne Bundesstaaten nicht auf bundesweite Regulierung warten wollen. Die Generalstaatsanwälte-Koalition bestätigt diesen Trend auf breiter Front. Ähnlich wie beim geplanten IPO von OpenAI zeigt sich, dass regulatorischer Druck und wirtschaftliche Ambitionen zunehmend kollidieren.
Was das für den KI-Markt bedeutet
Die Ermittlungen senden ein klares Signal an die gesamte Branche. Wenn OpenAI, das mit über einer Milliarde monatlicher Nutzer das größte KI-Unternehmen der Welt ist, nicht vor staatlicher Aufsicht sicher ist, trifft das jeden Anbieter. Für Anleger bedeutet die Untersuchung ein zusätzliches Risiko beim geplanten IPO. Datenschutz, Jugendschutz und Transparenz bei der Modellsteuerung werden künftig nicht mehr nur als Empfehlung gelten, sondern als regulatorische Pflicht.
Die Frage ist nicht mehr, ob KI reguliert wird. Sondern wie schnell es passiert und wer die Spielregeln bestimmt. Die Generalstaatsanwälte haben gerade gezeigt, dass sie nicht warten wollen.