Der Brief für offene KI-Modelle wächst rasant: Von 25 Unterzeichnern am Start am 24. Juli hat sich die Koalition innerhalb von zwei Tagen auf 50 Organisationen verdoppelt. Neu dabei sind jetzt auch OpenAI und Google, während Anthropic, Amazon und xAI weiterhin fehlen.
Was der Brief fordert
Der von Nvidia gehostete Brief mit dem Titel „Open Weights and American AI Leadership“ richtet sich an US-Politiker und warnt vor „vorzeitigen Beschränkungen“ offener KI-Modelle. Die Unterzeichner fordern drei Dinge: erweiterten Zugang zu Rechenkapazitäten für Startups und Forscher, Investitionen in gemeinsame Datensätze und Evaluierungstools, sowie den Verzicht auf breite Verbote. Stattdessen sollen gezielte rechtliche und kommerzielle Maßnahmen gegen illegale Destillation durchgesetzt werden.
OpenAI und Google steigen ein
Bei Veröffentlichung am 24. Juli fehlten OpenAI und Google noch auf der Liste. Nun haben sich beide den 50 Unterzeichnern angeschlossen. Das ist besonders bemerkenswert, weil OpenAI sein eigenes Modell GPT-5.6 hinter Exportkontrollen hält und Anthropic gerade Fable 5 wegen Sicherheitsbedenken eingeschränkt hat. Die Teilnahme von OpenAI signalisiert, dass selbst geschlossene Modell-Anbieter offenbar offene Gewichte als Teil eines gesunden Ökosystems sehen.
Wer fehlt und warum das wichtig ist
Anthropic, Amazon und xAI haben den Brief nicht unterzeichnet. Anthropic hat öffentlich argumentiert, dass die Veröffentlichung von Modellgewichten Sicherheitsrisiken schaffe, weil der Zugang kaum zurückgezogen werden könne. Die Abwesenheit von Amazon ist wenig überraschend, da das Unternehmen als größter Cloud-Anbieter von geschlossenen Modellen profitiert. xAI-Chef Elon Musk hat zwar Open-Source-Positionen bezogen, jedoch lässt der jüngste Datenschutzskandal um Grok Build Fragen offen.
Die Destillation-Debatte
Der Brief trifft mitten in eine eskalierende Kontroverse um KI-Destillation. Das Weiße Haus hat Moonshot AI beschuldigt, Anthropic-Modell Fable illegal destilliert zu haben, um Kimi K3 zu trainieren. Finanzminister Scott Bessent droht mit Sanktionen und Entity-List-Eintragungen. Die Unterzeichner argumentieren, dass Destillation eine legitime Technik zur Verbesserung und Evaluierung von Modellen sei, die nicht mit illegalem Diebstahl gleichgesetzt werden dürfe. Illegale Extraktion aus geschlossenen Systemen solle statt dessen durch gezielte rechtliche Maßnahmen bekämpft werden.
Ironie: Chinesisches Modell verteidigt US-Infrastruktur
Eine weitere Ironie unterstreicht das Dilemma: Als Hugging Face vor einer Woche von einem OpenAI-Agenten angegriffen wurde, weigerten sich US-Geschlossenmodelle, bei der Verteidigung zu helfen. Stattdessen setzte Hugging Face auf GLM 5.2 des chinesischen Unternehmens Z.ai, das keine Sicherheitsbarrieren hatte, die Verteidigungsmaßnahmen blockierten. Geschlossene Modelle mit Sicherheitsfiltern waren für den Cybersicherheits-Einsatz weniger geeignet als ein offenes chinesisches Modell. Der Brief nutzt genau dieses Argument: Offene Modelle helfen Verteidigern, Bedrohungen zu erkennen und zu bekämpfen.
Die volle Unterzeichnerliste
Die 50 Unterzeichner spannen die gesamte KI-Lieferkette: AI21, AMD, Andreessen Horowitz, Arcee AI, Black Forest Labs, Block, Box, Cisco, Cloudflare, Cohere, CrowdStrike, Dell Technologies, DoorDash, Fireworks AI, GitHub, Google, Hugging Face, IBM, Linux Foundation, Meta, Microsoft, Mistral, Mozilla, Nebius, Nvidia, Ollama, OpenAI, Palantir, Palo Alto Networks, Perplexity, Replit, ServiceNow, Y Combinator und weitere. Fehlen: Anthropic, Amazon, xAI und Google DeepMind als separates Unternehmensforschungslabor.
Weitere Details zum Open-Weight-Brief finden sich bei MLQ, The Next Web und Computing.