Auf der GTC Taipei hat NVIDIA gezeigt, wie weit autonome KI-Ingenieure schon kommen. Cadence, Siemens und Synopsys setzen auf NemoClaw, um Engineering-Workflows zu automatisieren, die bisher Wochen dauerten. Die Demo auf der COMPUTEX-Keynote sprach für sich: Was Chipdesigner vorher in Wochen erledigten, schafft ein KI-Agent jetzt in wenigen Stunden.
RTL-Verifikation: Der Flaschenhals der Chipentwicklung
Bei der Entwicklung digitaler Schaltkreise gehört die RTL-Verifikation zu den zeitaufwändigsten Schritten. Dabei wird geprüft, ob der Entwurf auf Register-Transfer-Ebene korrekt funktioniert, bevor er in Silizium gegossen wird. Zudem müssen Fehler gefunden werden, die später Millionen kosten können. Cadence hat nun einen autonomen RTL-Ingenieur vorgestellt, der auf NemoClaw basiert und den Cadence ChipStack orchestriert. Die Keynote-Demo auf der GTC Taipei zeigte live, wie der Agent Verifikationsaufgaben in Stunden erledigt, für die menschliche Ingenieure Wochen brauchten.
Was ist NemoClaw genau?
NemoClaw ist ein offener Bauplan von NVIDIA für spezialisierte, langlebige KI-Agenten. Es kombiniert eine sichere Laufzeitumgebung mit Frontier-Modellen und einem modellbasierten Router. Außerdem lässt es sich in verschiedene Orchestrierungs-Frameworks wie OpenClaw oder Hermes integrieren. Die NeMo-Bibliotheken ermöglichen Anpassungen an domänenspezifische Aufgaben. OpenShell, die Open-Source-Laufzeitumgebung im Kern, kontrolliert dabei den Zugriff auf Dateien, Netzwerke und Werkzeuge. Sicherheit wird also auf jeder Ebene durchgesetzt.
Industriegiganten bauen auf NemoClaw
Die Liste der Partner ist beachtlich. Siemens integriert NemoClaw und OpenShell in seinen Fuse EDA AI Agent für Halbleiter-, 3D-IC- und Leiterplattendesign. Synopsys arbeitet an durchgängigen Engineering-Workflows und demonstriert auf der COMPUTEX einen KI-Ingenieur für GPU-Kühlung mit Ansys Icepak. Darüber hinaus produktisiert Dassault Systèmes seine 3DEXPERIENCE Agentic Platform für Design, Simulation und Fertigung, abgesichert durch NemoClaw und OpenShell.
Startups erweitern das Spektrum
Auch kleinere Unternehmen setzen auf den Bauplan. Flexcompute nutzt OpenShell für Tidy3D und PhotonForge-Agenten, die tausende Designvarianten für optische Komponenten über Nacht durchrechnen. nTop, die Geometrie-Engine hinter JetZeros Blended-Wing-Flugzeug, komprimiert Tage von Geometrie-Iterationen in Stunden. PhysicsX arbeitet mit dem Microsoft Surface-Team an einem thermischen Simulationsagenten für Consumer-Geräte. P-1 AI entwickelt Archie, einen mechanischen und elektrotechnischen KI-Ingenieur, der bereits Rechenzentrums-Kühlsysteme bearbeitet.
Bedeutung für die Industrie
Was hier passiert, ist mehr als nur eine Beschleunigung bestehender Prozesse. Die KI-Agenten planen, führen aus und verifizieren komplexe Engineering-Aufgaben autonom über Stunden hinweg. Deshalb verschiebt sich die Rolle menschlicher Ingenieure: weg von manueller Koordination, hin zur Überwachung und Ergebniskontrolle. Wenn die Verifikation eines Chippdesigns von Wochen auf Stunden schrumpft, verkürzt sich auch die gesamte Entwicklungszykluszeit drastisch. Für Branchen wie Automobilbau, Luftfahrt und Halbleiterfertigung könnte das den Takt neuer Produktgenerationen spürbar erhöhen. Bereits auf der RTX Spark und N1X Ankündigung wurde deutlich, dass NVIDIA die Infrastruktur für agentische KI konsequent ausbaut.