New York hat mit einem Paukenschlag die legislative Sitzung 2026 beendet. Fünf KI-Gesetze auf einen Streich, darunter das bundesweit erste Chatbot-Sicherheitsgesetz für Minderjährige, eine Pflicht zur Trainingsdaten-Offenlegung und das FAIR News Act. Der Bundesstaat positioniert sich damit als Vorreiter der KI-Regulierung in den USA.
New York verabschiedet fünf KI-Gesetze gleichzeitig
In der letzten Juni-Woche hat der Bundesstaat New York ein beispielloses Gesetzespaket verabschiedet. Fünf Gesetze treffen den Kern der Debatte um Künstliche Intelligenz: Sicherheit für Kinder, Transparenz bei Trainingsdaten, Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Nachrichten, ein Moratorium für Rechenzentren und ein Verbot von überwachungsbasierter Preisgestaltung. Gouverneurin Kathy Hochul hat nun bis zum 31. Dezember Zeit, die Gesetze zu unterzeichnen oder abzulehnen.
Chatbot-Sicherheit für Minderjährige: S 9051
Das Herzstück des Pakets ist der Kids Chatbot Safety Act. Das Gesetz verbietet KI-Unternehmen, Companion-Chatbots an Minderjährige anzubieten. Konkret untersagt S 9051 Features wie die Vorspiegelung menschlicher Emotionen, Schmeichelei, die Ermutigung zu Heimlichkeit oder die Generierung sexuell expliziter Inhalte. Chatbots dürfen außerdem keine Suizid- oder Selbstverletzungsförderung produzieren. Die Durchsetzung liegt bei der Generalstaatsanwältin, mit Strafen bis zu 25.000 Dollar pro Verstoß. Eindeutig stellt das Gesetz klar: Kinder brauchen keine künstlichen Freunde, die Abhängigkeit erzeugen.
Trainingsdaten-Transparenz: A 6578
Der AI Training Data Transparency Act zwingt KI-Entwickler erstmals gesetzlich, eine Zusammenfassung der Trainingsdaten zu veröffentlichen. Bisher war das, was Modelle wie GPT oder Claude gelernt haben, ein gut gehütetes Geheimnis. Das Gesetz schafft erstmals Transparenz und ermöglicht es Forschern, Marken und Verbrauchern zu verstehen, welche Quellen in die Modelle eingeflossen sind. Ein ähnliches Gesetz ist in Kalifornien bereits in Kraft und hat seine erste gerichtliche Herausforderung im März 2026 überstanden.
FAIR News Act: Kennzeichnungspflicht für KI-Nachrichten
Das FAIR News Act verpflichtet Nachrichtenorganisationen, KI-generierte Inhalte deutlich zu kennzeichnen. Wer in New York Inhalte veröffentlicht, die maßgeblich von KI erstellt wurden, muss dies oben auf der Seite, im Video oder zu Beginn eines Audiobeitrags sichtbar machen. Verstöße kosten bis zu 5.000 Dollar pro Vorfall. Das Gesetz schützt zudem Journalisten vor stiller Ersetzung durch Automatisierung. Damit etabliert New York einen Standard, der über die Anforderungen des EU AI Act hinausgeht.
KI-Nachweispflicht und weitere Gesetze
Ergänzend verlangt S 6954, dass KI-generierte Inhalte mit Herkunftsnachweisen versehen werden müssen. Jedes synthetische Bild, jedes Video und jede Audioaufnahme muss Metadaten enthalten, die Erstellungsdatum, verwendeten Service und Art der Erstellung dokumentieren. Zusätzlich verabschiedete New York ein Rechenzentrum-Moratorium und ein Verbot von KI-gestützter Überwachungspreisgestaltung, bei der Unternehmen individuelle Preise auf Basis persönlicher Daten durchsetzen.
Was das für Deutschland und die EU bedeutet
Das New Yorker Gesetzespaket ist nicht nur für die USA relevant. Es übertrifft in einigen Bereichen sogar die Anforderungen des EU AI Act. Während Brüssel Kennzeichnungspflichten erst ab August 2026 schrittweise einführt, hat New York bereits konkrete Strafmaßnahmen definiert. Die Trainingsdaten-Transparenz geht ebenfalls weiter als die europäischen Vorgaben. Für deutsche Unternehmen, die in den US-Markt exportieren, bedeutet das: Wer KI-Inhalte oder Chatbot-Dienste in New York anbietet, muss diese Gesetze beachten. Zudem beeinflussen solche Vorreitergesetze die europäische Debatte und könnten den Druck auf strengere EU-Regeln erhöhen, ähnlich wie bereits beim US-Senatsgesetz über KI-Accountability.