Nach einem der aufmerksamkeitsreichsten Rechtsstreitigkeiten der KI-Branche hat eine Geschworenenjury in Oakland ein klares Urteil gesprochen: Elon Musk verliert seinen Prozess gegen OpenAI und Sam Altman. Die Entscheidung fiel überraschend schnell. Nach weniger als zwei Stunden Beratung wies die Jury sämtliche Klagepunkte ab.
Verjährung als Stolperstein
Das Urteil beruht nicht auf einer inhaltlichen Bewertung von Musks Vorwürfen. Vielmehr befand die Jury, dass Musk seine Ansprüche nicht rechtzeitig geltend gemacht hatte. Die dreijährige Verjährungsfrist sei abgelaufen, bevor er 2024 Klage einreichte. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers bestätigte das Jury-Urteil umgehend und erklärte, sie wäre bereit gewesen, die Klage sofort abzuweisen. Es gebe erhebliche Beweise, die die Entscheidung der Jury stützten.
Musk spricht von Kalender-Technikalität
Musk reagiert empört auf das Urteil. Auf seiner Plattform X bezeichnete er die Entscheidung als Kalender-Technikalität und kündigte Berufung an. Sein Anwalt Steven Molo behielt sich das Recht auf Berufung vor. Doch die Richterin zeigte sich skeptisch und ließ durchblicken, dass sie eine Berufung sofort abweisen würde. OpenAIs Chefankläger William Savitt nannte das Urteil eine inhaltliche Entscheidung: Musk habe seine Ansprüche zu spät vorgebracht, und zwar als Waffe eines Konkurrenten, der im Markt nicht mithalten könne.
Der Kern der Klage
Musk hatte OpenAI 2024 verklagt und argumentiert, Altman und Brockman hätten eine Wohltätigkeitsorganisation gestohlen. Er selbst habe rund 38 Millionen Dollar als Gründerfinanzierung gegeben unter der Bedingung, dass OpenAI als gemeinnütziges Forschungslabor arbeite. Stattdessen habe OpenAI sich in ein gewinnorientiertes Unternehmen mit einer Bewertung von über 850 Milliarden Dollar verwandelt. Musk forderte bis zu 180 Milliarden Dollar an unrechtmäßigen Gewinnen sowie die Absetzung von Altman und Brockman.
OpenAI kontert mit Musks eigenen E-Mails
Im Kreuzverhör präsentierte OpenAIs Anwalt Savitt brisante E-Mails, in denen Musk selbst eine gewinnorientierte Struktur für OpenAI vorgeschlagen hatte. Zuvor hatte er sogar die Übernahme durch Tesla ins Spiel gebracht, allerdings unter der Bedingung, dass er die Kontrolle behalte. Diese E-Mails schwächten Musks Argumentation erheblich. Zudem gab Musk zu, dass sein eigenes Unternehmen xAI teilweise die Modelle von OpenAI destilliert, also für das eigene KI-Training nutzt.
Was das Urteil für die KI-Branche bedeutet
Das Urteil kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. OpenAI hat im März 2026 eine Finanzierungsrunde von 122 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von über 850 Milliarden Dollar abgeschlossen. Das Unternehmen bereitet sich auf einen Börsengang vor und liefert sich einen intensiven Wettbewerb mit Anthropic im Bereich der Unternehmens-KI. Gleichzeitig plant SpaceX, das kürzlich mit xAI fusionierte, einen eigenen Börsengang. Der Streit zwischen Musk und Altman ist damit juristisch beigelegt, aber der Konkurrenzkampf der beiden Milliardenunternehmen geht weiter.
Microsoft als Mitbeklagter freigesprochen
Auch die Klage gegen Microsoft, die ebenfalls als Beklagte in dem Verfahren aufgetreten war, wurde abgewiesen. Microsoft hatte seit 2019 in OpenAI investiert und war von Musk als Mitverursacher der angeblichen Vertrauensverletzung benannt worden. Ein Sprecher von Microsoft erklärte, man bleibe der Zusammenarbeit mit OpenAI verpflichtet. Die Anwälte von OpenAI und Microsoft feierten das Urteil mit Umarmungen vor dem Gerichtsgebäude.
Die größeren Fragen bleiben offen
Obwohl das Urteil formal zugunsten OpenAIs ausfiel, bleiben die grundsätzlichen Fragen ungeklärt. Darf ein gemeinnütziges Forschungslabor sich in ein gewinnorientiertes Unternehmen verwandeln? Werden Wohltätigkeitsorganisationen im Technologiesektor ausreichend geschützt? Das Gericht hat diese Fragen nicht beantwortet, sondern lediglich festgestellt, dass Musk sie zu spät aufgeworfen hat. Die Debatte über die Struktur von KI-Unternehmen und die Spannung zwischen Gemeinwohl und Profitmaximierung wird daher weitergehen, auch wenn dieser konkrete Fall beendet ist.
Musks Zeugenaussage im Detail
Der Prozess hatte drei Wochen gedauert und einige der bekanntesten Namen der Technologiebranche auf den Plan gerufen. Musk selbst sagte über drei Tage hinweg mehr als sieben Stunden aus. Er betonte wiederholt, dass es OpenAI ohne ihn nicht geben würde. Er habe die Idee gehabt, den Namen beigesteuert, die wichtigsten Forscher rekrutiert und die gesamte Anfangsfinanzierung bereitgestellt. Besonders brisant: Musk gab zu, dass er den Forscher Ilya Sutskever persönlich von Google abgeworben habe. Dafür habe er einen hohen Preis gezahlt, wie er aussagte. Larry Page habe danach nie wieder mit ihm gesprochen.
Auch Microsoft-Chef Satya Nadella sagte im Verfahren aus. Seine Aussage unterstrich die enge Verflechtung zwischen Microsoft und OpenAI, die seit 2019 besteht und die Grundlage für die Integration von KI in Windows und Office-Produkte bildete. Nadella betonte, dass die Partnerschaft beide Unternehmen gestärkt habe und im Interesse der Kunden sei.
Die Klage und ihre Hintergründe
Musk hatte OpenAI 2015 gemeinsam mit Altman und anderen mitgegründet. Das Ziel war ein gemeinnütziges Forschungslabor, das KI zum Wohl der Menschheit entwickeln sollte. 2018 verließ Musk das Board, drei Jahre später startete er sein eigenes KI-Unternehmen xAI. Als OpenAI 2023 die Umwandlung in ein gewinnorientiertes Unternehmen vorantrieb, klagte Musk. Er warf Altman und Brockman vor, eine Wohltätigkeitsorganisation gestohlen zu haben. Die Klage forderte bis zu 180 Milliarden Dollar an Rückzahlung sowie die Absetzung der Geschäftsführung.
OpenAI konterte mit Musks eigenen Worten. E-Mails zeigten, dass Musk selbst eine gewinnorientierte Struktur vorgeschlagen hatte, allerdings nur unter der Bedingung, dass er die Kontrolle behält. Als das Board seinen Vorschlag ablehnte, verließ Musk das Unternehmen. Die Jury sah darin ein klares Zeichen dafür, dass Musk nicht aus Fürsorge für die Gemeinnützigkeit handelte, sondern aus Frustration über den Verlust von Einfluss.
Für die KI-Branche ist das Urteil ein Befreiungsschlag. OpenAI kann sich nun ohne die Unsicherheit eines laufenden Verfahrens auf seinen Börsengang und den weiteren Ausbau von ChatGPT konzentrieren. Musk hingegen muss sich darauf einstellen, dass seine Angriffe auf OpenAI juristisch nicht durchdringen. Der Markt wird entscheiden, wessen Technologie die Nase vorn hat, nicht das Gericht.