Midjourney baut Ganzkörperscanner: Von Katzenbildern zur MRI-Alternative in 60 Sekunden

von Marcel Buchholz 18. Juni 2026 2 Min. Lesezeit News

Wer Midjourney kennt, denkt an KI-generierte Bilder. Jetzt baut das Unternehmen einen Ganzkörperscanner. Der Midjourney Medical Scanner verspricht MRI-Qualität in nur 60 Sekunden und ohne Strahlung. Doch wie realistisch ist dieser Sprung von der Bildgenerierung in die Medizintechnik?

Von der Bildgenerierung zum Medizinprodukt

Midjourney CEO David Holz hat die neue Sparte Midjourney Medical vorgestellt. Das Kernprodukt ist ein Ultraschall-Ganzkörperscanner, der den menschlichen Körper innerhalb von 60 Sekunden abbilden soll. Das Gerät nutzt einen Ring aus knapp 500.000 Unterwassersensoren, die Ultraschallwellen durch den Körper senden. Die Sensoren arbeiten wie die Echolotung eines Delphins, so Holz bei der Präsentation. Jede Sekunde Scan-Daten entspreche dabei etwa 500 Stunden HD-Video.

Zudem entwickelt Midjourney den Scanner gemeinsam mit Butterfly Network. Jedes System nutzt 40 Butterfly Ultrasound-on-Chip-Module und zwei Petaflops Rechenleistung. Die erzeugten Bilder lassen sich laut Midjourney kontinuierlich zwischen Rohdaten und KI-segmentierten Überlagerungen umschalten, die Muskeln, Fett, Knochen und Organe markieren.

MRI-Qualität ohne Strahlung?

Der Scanner nutzt ausschließlich Schallwellen und Wasser, daher gibt es weder ionisierende Strahlung noch starke Magnetfelder. Ein herkömmlicher MRT-Scan dauert zwischen 30 und 90 Minuten. Der Midjourney Scanner soll dies auf eine Minute komprimieren. Zudem bezeichnet Holz die Technologie als in vielerlei Hinsicht überlegen gegenüber herkömmlichen MRT-Geräten.

Allerdings sind diese Behauptungen bisher nicht klinisch validiert. Bisher wurden etwa ein Dutzend Menschen gescannt. Midjourney startet zunächst mit Körperzusammensetzungskarten, die keine FDA-Zulassung erfordern. Diagnostische Anwendungen würden jedoch eine regulatorische Prüfung brauchen.

Midjourney Spa: Wellness trifft Medizintechnik

Der ungewöhnlichste Teil der Ankündigung ist das Konzept des Midjourney Spa. Ende 2027 soll in San Franciscos Union Square eine Einrichtung mit zehn Scannern, Fitnessstudio, Saunen, Kaltwasserbädern und Whirlpools eröffnen. Die Vorstellung: Körperliche Vorsorge so alltäglich wie ein Spabesuch. Langfristig plant Midjourney 50.000 Scanner weltweit, die monatlich eine Milliarde Ganzkörperscans durchführen sollen.

Diese Vision ist ambitioniert. Dennoch bleibt die Frage, wie die KI-Bildgenerierungskompetenz von Midjourney mit medizinischer Diagnostik zusammenhängt. Holz sieht darin eine natürliche Erweiterung der Rechenkapazität, die ohnehin vorhanden sei.

Natur-Studie: KI-Diagnose schlägt Ärzte

Passend zum Thema Medizintechnik veröffentlichte Nature am selben Tag zwei Studien über medizinische KI-Systeme. Das System MIRA erreichte 87,1 Prozent Genauigkeit bei hunderten Notfällen, während menschliche Ärzte auf 78,1 Prozent kamen. Googles AMIE-System erzielte bei der Behandlungsplanung ähnliche Ergebnisse wie Ärzte und war dabei stärker an klinische Leitlinien angelehnt.

Allerdings betonen die Forscher, dass diese Tests unter idealen Bedingungen stattfanden. In der Realität eines Krankenhauses gelten andere Bedingungen. Beide Systeme machten Fehler. Die Forscher empfehlen einen unterstützenden Einsatz, bei dem KI die Arbeit von Fachpersonal erleichtert, aber finale Entscheidungen bei Menschen bleiben.

Fazit: Faszinierende Vision, offene Fragen

Der Midjourney Medical Scanner ist ein gewagter Schritt. Die Idee, Vorsorge-Scans so einfach wie einen Spabesuch zu machen, hat Charme. Dennoch stehen klinische Validierung und FDA-Zulassung noch aus. Bis der Scanner in der Praxis ankommt, vergehen wahrscheinlich Jahre. Bis dahin bleibt es eine beeindruckende Vision mit vielen offenen Fragen zur Sicherheit und Zuverlässigkeit.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.