Mastercard Agent Pay: Wenn KI-Agenten eigenes Geld ausgeben

von Marcel Buchholz 11. Juni 2026 3 Min. Lesezeit News, KI & Wirtschaft

Wenn ein KI-Agent Buchungen vornimmt, Dienstleistungen einkauft oder Daten von einer Website bezieht, braucht er eine Zahlungsmethode. Genau dieses Problem löst Mastercard mit einer neuen Plattform. Agent Pay for Machines (AP4M) ermöglicht KI-Agenten, autonom Transaktionen durchzuführen. Dabei nutzt das System Karten, Bankkonten und Stablecoins gleichermaßen.

Wie Agent Pay for Machines funktioniert

Das Kernkonzept von AP4M ist simpel, jedoch weitreichend. KI-Agenten erhalten menschliche Erlaubnis, bestimmte Ausgaben zu tätigen. Diese Berechtigungen werden auf öffentlichen Blockchains gespeichert, darunter Polygon, Solana und Base. Dadurch können mehrere Parteien unabhängig voneinander prüfen, ob ein Agent tatsächlich innerhalb seiner Grenzen handelt. Zudem garantiert Mastercards globales Netzwerk die Abwicklung der Zahlung.

Raj Dhamodharan, Executive Vice President bei Mastercard für Blockchain und Digital Assets, betont, dass Vertrauen zwischen Systemen die zentrale Herausforderung sei. Unternehmen und Verbraucher müssten sicher sein, dass Agenten mit legitimen Gegenparteien interagieren. Dienstleister wiederum brauchten Gewissheit, dass sie auch bezahlt werden.

31 Partner von Coinbase bis Cloudflare

Über 30 Unternehmen unterstützen den Start von AP4M. Dazu gehören Krypto-Börse Coinbase, Zahlungsdienstleister Stripe und Adyen, Webhosting-Anbieter Cloudflare sowie RippleX, Polygon Labs, Solana Foundation und OKX. Die breite Partnerschaft zeigt, dass sowohl traditionelle Finanzakteure als auch Krypto-Unternehmen an agentischer Wirtschaft interessiert sind. Auch Perplexity Computer Cloud verfolgt einen ähnlichen Ansatz für agentische KI-Systeme.

Jorn Lambert, Chief Product Officer bei Mastercard, stuft den kurzfristigen Umsatzbeitrag als gering ein. Mittelfristig jedoch sieht er einen bedeutenden neuen adressierbaren Markt. Innerhalb von fünf Jahren könne AP4M zu einem wesentlichen Umsatztreiber werden.

Mikrozahlungen und HTTP 402

Besonders interessant ist die Fähigkeit von AP4M, Mikrozahlungen im Bereich von Bruchteilen eines Cents zu verarbeiten. Das eröffnet neue Geschäftsmodelle: KI-Agenten können Daten stückweise von Websites beziehen und jeden Abruf einzeln bezahlen. Dhamodharan verweist auf wachsende Aktivität rund um den HTTP-402-Standard, der Zahlungen im Internet automatisieren soll. Viele dieser automatisierten Transaktionen scheitern derzeit, weil keine Zahlungsmethode verfügbar ist. Das ist für Mastercard ein Frühindikator für kommenden Bedarf.

Wettlauf um agentische Zahlungen

Mastercard ist nicht allein in diesem Feld. Visa und Stripe haben ebenfalls Protokolle für KI-gestützte Zahlungen vorgestellt. Coinbase treibt das x402-Protokoll voran, Stripe arbeitet mit Tempo am Machine Payments Protocol. Google veröffentlichte bereits im September 2025 einen eigenen Standard. Der Wettlauf zeigt, dass die Finanzbranche die agentische Wirtschaft als kommenden Massenmarkt begreift. Ähnlich wie bei den KI-Kosten bei Uber wird auch hier die Infrastruktur den Anwendungen vorausgehen.

Prognosen zufolge könnten KI-Agenten bis Ende des Jahrzehnts Transaktionen im Wert von Billionen Dollar verarbeiten. Ob das tatsächlich eintritt, hängt davon ab, wie schnell sich autonome KI-Systeme im Alltag etablieren. Fest steht jedoch: Die Zahlungsinfrastruktur dafür wird jetzt gebaut.

Sicherheit und Kontrolle im Fokus

Die Speicherung von Agent-Berechtigungen auf Blockchain statt in privaten Datenbanken ist eine bewusste Entscheidung. Mehrere Parteien können die Einhaltung von Ausgabelimits unabhängig überprüfen. Das reduziert das Risiko unbefugter Transaktionen deutlich. Gleichzeitig warnt der Ansatz vor neuen Fragen: Wer haftet, wenn ein KI-Agent fehlerhaft agiert? Wie werden Ausgabenlimits in Echtzeit durchgesetzt? Mastercard verspricht, diese Fragen durch bestehende Kontrollmechanismen seines Netzwerks zu adressieren.

Die schrittweise Erweiterung von AP4M ist für später in diesem Jahr geplant. Bis dahin wird sich zeigen, ob die Partnerschaften und die Blockchain-Infrastruktur den Erwartungen im echten Einsatz gerecht werden.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.