Was vor drei Jahren als Open-Source-Projekt auf GitHub begann, ist jetzt Europas am schnellsten wachsendes KI-Unternehmen. Lovable, das schwedische Startup für vibe-basierte Programmierung, verhandelt laut Sifted eine Finanzierungsrunde von 300 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 13,2 Milliarden Dollar. Damit hätte sich die Bewertung seit Dezember 2025 verdoppelt.
Von CERN zum Milliarden-Startup
Die Geschichte von Lovable liest sich wie ein Silicon-Valley-Drehbuch. Gründer Anton Osika arbeitete als Teilchenphysiker am CERN, bevor er GPT Engineer entwickelte, eines der am schnellsten wachsenden Repositories auf GitHub. Zusammen mit Fabian Hedin, der einst Assistenztechnologie für Stephen Hawking entwickelte, gründete er das Unternehmen im November 2023. Beide halten jeweils etwa 24 Prozent der Anteile und haben versprochen, die Hälfte ihrer künftigen Gewinne zu spenden.
500 Millionen Umsatz in Rekordzeit
Die Zahlen sprechen für sich. Lovable verzeichnet einen annualisierten Umsatz von 500 Millionen Dollar. Jede Woche entstehen über eine Million neue Projekte auf der Plattform, insgesamt mehr als 50 Millionen seit dem Launch. Im Februar hatte das Unternehmen erst 400 Millionen Dollar Umsatz erreicht. Das Wachstum beschleunigt sich also weiter.
Dabei richtet sich Lovable bewusst an Nicht-Programmierer. Wer eine interne CRM-Lösung, eine E-Commerce-Plattform oder ein HR-Tool benötigt, beschreibt es einfach in natürlicher Sprache. Die KI generiert Frontend, Backend, Datenbank und Deployment in einem Schritt. Die Konkurrenz wie Cursor, Replit oder Cognition bedient hingegen vorrangig professionelle Entwickler.
Ein Markt im Umbruch
Der globale Low-Code- und No-Code-Markt wächst laut Fortune Business Insights von 48,91 Milliarden Dollar im Jahr 2026 auf voraussichtlich 376,92 Milliarden bis 2034. Lovable positioniert sich genau an diesem Schnittpunkt zwischen KI und Softwareentwicklung. Die Frage bleibt jedoch, ob vibe-codierte Anwendungen langfristig wartbar bleiben. Software lebt von Updates, Sicherheits-Patches und sich ändernden Abhängigkeiten. Ob Lovable und seine Nutzer dieses Problem lösen können, wird sich erst mit der Zeit zeigen.
Die Konkurrenz schläft nicht
Der Vibe-Coding-Markt ist hart umkämpft und extrem kapitalintensiv. SpaceX hat Cursor für 60 Milliarden Dollar übernommen. Replit ist mit 9 Milliarden bewertet und strebt über 1 Milliarde Jahresumsatz an. Cognition erreicht 26 Milliarden bei geschätzten 490 Millionen Umsatz. Google Cloud hat seine Partnerschaft mit Lovable ausgebaut und stellt Gemini-Modelle sowie Infrastruktur für Enterprise-Kunden zur Verfügung.
Lovable hat bisher 653 Millionen Dollar in vier Runden eingesammelt. Die Series A im Juli 2025 brachte 200 Millionen bei 1,8 Milliarden Bewertung, die Series B im Dezember 330 Millionen bei 6,6 Milliarden. Wenn die neue Runde bei 13,2 Milliarden geschlossen wird, hat Lovable in sechs Monaten mehr Wert geschaffen als die meisten Startups in zehn Jahren.
Die SaaS-Apokalypse naht
Vibe-Coding-Plattformen stellen traditionelle SaaS-Unternehmen vor eine existenzielle Frage. Warum teure Jahresverträge abschließen, wenn man die Software selbst generieren kann? Lovable nennt es SaaSpocalypse. Doch die echte Bewährungsprobe steht noch aus. Denn nicht das Erstellen ist das Problem, sondern das langfristige Betreiben von Software. Wenn die Abbruchraten niedrig bleiben, könnte die SaaS-Branche tatsächlich vor einer Revolution stehen.