Der südkoreanische Leitindex KOSPI hat am Dienstag seinen achten Circuit Breaker des Jahres ausgelöst. Samsung Electronics stürzte um 12 Prozent, SK Hynix verlor über 13 Prozent. Der Auslöser: wachsende Zweifel an den astronomischen KI-Investitionen und aufkommende Konkurrenz aus China.
KI-Ausgaben unter Verdacht
Die Panikverkäufe in Asien setzen sich fort. Nach einem schwachen Handelstag an der Wall Street, an dem der VanEck Semiconductor ETF mehr als 2 Prozent verlor, griff die Verunsicherung auf Asien über. SK Hynix fiel um bis zu 13,1 Prozent, Samsung Electronics um 12 Prozent. Zudem crashte der KOSPI um fast 9,5 Prozent und löste damit die achte Handelssperre in diesem Jahr aus. Acadian Asset Management nannte die Situation treffend: Niemand weiß, wie KI die Wirtschaft beeinflussen wird, und genau diese Ungewissheit treibt die Volatilität.
Auch andere KI-Werte brachen ein. Samsung SDI verlor über 10 Prozent, LG Innotek stürzte um fast 18 Prozent. In Japan fielen Tokyo Electron um 11 und Advantest um 10 Prozent. SoftBank, das über seine Arm-Beteiligung stark im KI-Sektor positioniert ist, gab 6,3 Prozent ab. Der Speicherchip-Hersteller Kioxia erlitt mit minus 18 Prozent den schwersten Verlust.
China drängt auf den Speicherchip-Markt
Hinter dem Sell-off steckt mehr als nur die allgemeine KI-Skepsis. Broker-Berichte warnen, dass die Speicherchip-Preise 2027 ihren Höhepunkt erreichen könnten. Gleichzeitig rückt CXMT, Chinas aufstrebender Speicherchip-Hersteller, auf den Markt vor. Der Börsengang von CXMT brachte 472 Prozent Kursgewinn und zeigt, dass Peking entschlossen ist, das HBM-Monopol von Samsung und SK Hynix anzugreifen.
Standard Chartered sieht die Lage differenziert. Zwar könnten Speicherpreise 2027 ihren Höhepunkt erreichen, aber der KI-Investitionszyklus unterstütze weiterhin die führenden Technologieunternehmen. Das Risiko-Rendite-Verhältnis habe sich bei aktuellen Bewertungen jedoch verbessert, so der CIO für Aktien Sundeep Gantori.
Hebelprodukte verstärken den Absturz
Eine unsichtbare Kraft treibt die Verluste zusätzlich: gehebelte ETFs. Acadian Asset Management warnt, dass der gesamte Komplex aus gehebelten Börsenprodukten in Südkorea, Hongkong und den USA die Marktschwankungen verstärkt. Wenn der Markt fällt, zwingen diese Produkte zu automatischen Verkäufen, die den Absturz beschleunigen. Gerade bei SK Hynix, das stark von ausländischen Investoren gehalten wird, entfaltet dieser Mechanismus eine besonders zerstörerische Wirkung.
Der KOSPI hat im Juli 2026 mittlerweile 27 Prozent verloren, den schlechtesten Monat seit der Asienkrise. Rund 250 Billionen Won an Marktkapitalisierung wurden vernichtet. Der Fear-and-Greed-Index signalisiert extreme Panik.
Was der Crash bedeutet
Der KOSPI fungiert als Frühwarnsystem für den globalen KI-Handel. Südkoreas Index ist stark von Halbleiterwerten abhängig, deshalb reagiert er sensibler als andere Märkte auf Veränderungen in der KI-Investitionsdynamik. Zudem belasten Berichte über unklare KI-Finanzierungspfade und die Ankündigung des OpenAI-IPO die Stimmung zusätzlich.
Für Investoren heißt es jetzt: zwischen kurzfristiger Panik und langfristigem Trend unterscheiden. Die Fundamentaldaten der KI-Revolution sind intakt, jedoch sind die Bewertungen vieler Halbleiteraktien überhitzt. Der achte Circuit Breaker in diesem Jahr zeigt: Der Markt sucht nach einem neuen Gleichgewicht zwischen Hype und Realität.