Chinas KI-Videobranche erlebt den größten Finanzierungsschlag ihrer Geschichte. Kling AI, die Video-Generierungs-Sparte des Tech-Unternehmens Kuaishou, hat rund 2,8 Milliarden Dollar von Investoren eingesammelt. Alibaba, Tencent und Baidu gehören zu den Unterstützern. Die Bewertung liegt bei 18 Milliarden Dollar nach der Finanzierungsrunde. Damit positioniert sich Kling AI als einer der wertvollsten KI-Startups weltweit und gleichzeitig als chinesische Antwort auf das gescheiterte OpenAI-Projekt Sora.
Kling AI wird selbstständig: Kuaishou gliedert Videosparte aus
Kuaishou hatte im Mai 2026 angekündigt, eine Restrukturierung von Kling AI zu prüfen. Jetzt ist es offiziell: Das Unternehmen wird seine KI-Videosparte ausgliedern. Nach der Finanzierungsrunde hält Kuaishou noch rund 68 Prozent an Kling AI. Zuvor besaß das Unternehmen 100 Prozent. Die Ausgründung ist der erste Schritt Richtung Börsengang, der laut Berichten für 2027 geplant ist. Kling AI soll an der Hongkonger Börse notiert werden.
Die Finanzierungsrunde wurde von CPE, Guofang Venture Capital und BlueFive Capital angeführt. Weitere Investoren sind CITIC Securities, Zhongguancun Science City Fund und CAS Investment. Lighthouse Capital fungierte als exklusiver Finanzberater und investierte über seinen Lighthouse Founders Fund ebenfalls. Die Beteiligung staatlicher und halbstaatlicher Investoren zeigt, wie ernst China den Aufbau heimischer KI-Champions nimmt.
Alibaba und Tencent steigen ein: Big Tech setzt auf Videogenerierung
Bemerkenswert ist die Investorenliste: Alibaba Cloud, Tencent und Baidu investieren gemeinsam in Kling AI. Damit stehen drei der größten chinesischen Tech-Giganten hinter dem KI-Video-Start-up. Das ist kein Zufall. Videogenerierung gilt als einer der lukrativsten KI-Märkte der nächsten Jahre. Professionelle Filmemacher, Werbetreibende und Kreativstudios brauchen zunehmend KI-gestützte Videoproduktion.
Die Marktdynamik hat sich deutlich verschoben, nachdem OpenAI im März 2026 sein Video-Tool Sora eingestellt hat. Sora konnte Nutzer nicht halten und verbrannte schätzungsweise eine Million Dollar pro Tag an Rechenkosten. Kling AI füllt nun genau diese Lücke. Das Unternehmen konkurriert mit ByteDances Seedance und dem Start-up Shengshu um die Vorherrschaft im chinesischen und internationalen Markt für KI-Videogenerierung.
Umsatz explodiert: Kling AI verdient mehr als das Vierfache
Die Zahlen sprechen für sich. Kling AI verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 650 Millionen Yuan, umgerechnet rund 96 Millionen Dollar. Das entspricht einem Wachstum von über 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der jährlich wiederkehrende Umsatz erreichte im März 2026 rund 500 Millionen Dollar, nachdem er im Januar noch bei 300 Millionen Dollar lag. Dieser Anstieg ist maßgeblich auf den Start der dritten Kling-Generation zurückzuführen.
Diese Wachstumsraten erklären, warum Investoren eine Bewertung von 15 Milliarden Dollar vor Geldfluss akzeptieren. Zuvor waren sogar 20 Milliarden Dollar im Gespräch gewesen. Dass die Bewertung auf 15 Milliarden Dollar vor Finanzierung gekürzt wurde, zeigt allerdings auch, dass der Markt die euphorischen Prognosen inzwischen kritischer sieht.
Warum Sora scheiterte und Kling AI überlebt
Der Vergleich mit Sora ist aufschlussreich. OpenAI hat sein Video-Modell im März 2026 stillgelegt, weil die Nutzerbindung zu gering war und die Kosten explodierten. Kling AI geht einen anderen Weg. Statt ein Konsum-Tool für die breite Masse zu sein, konzentriert sich das Unternehmen auf professionelle Anwender. Filmemacher, Werbeagenturen und Content-Studios nutzen Kling AI als Produktionswerkzeug. Dieser B2B-Fokus sorgt für stabilere Einnahmen und höhere Kundenbindung.
Zudem profitiert Kling AI vom Heimatmarkt. Chinas Tech-Ökosystem pumpt Milliarden in heimische KI-Unternehmen. Peking drängt darauf, eigene Champions aufzubauen und die Abhängigkeit von US-Modellen zu verringern. Die Finanzierungsrunde von Kling AI ist Teil einer breiteren Welle. Chinesische KI-Unternehmen haben in diesem Jahr bereits über 3,1 Milliarden Dollar über Börsengänge eingesammelt, das Fünffache des Vorjahres.
Was der Börsengang 2027 bedeutet
Ein erfolgreicher Börsengang an der Hongkonger Börse würde Kling AI Zugang zu erheblichem Kapital verschaffen. Die Einnahmen sollen in den Ausbau von Rechenzentren, die Ausbildung von Talenten und die Entwicklung neuer Modelle fließen. Die Frage ist jedoch, ob Kling AI sein Wachstumstempo halten kann, wenn die Konkurrenz durch ByteDances Seedance wächst.
Auch das Risiko einer Blase ist nicht von der Hand zu weisen. Eine Bewertung von 18 Milliarden Dollar für ein Unternehmen mit knapp 100 Millionen Dollar Quartalsumsatz bedeutet ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von fast 50. Solche Bewertungen haben sich in der Vergangenheit oft als überzogen erwiesen. Dennoch signalisieren die Investoren mit ihrem Geld, dass sie an die Langfristigkeit des KI-Videomarkts glauben.
Kling AI hat bewiesen, dass KI-Videogenerierung ein tragfähiges Geschäftsmodell sein kann. Die Frage ist nun, ob das Unternehmen die Lücke füllen kann, die Sora hinterlassen hat, oder ob das gleiche Schicksal droht: anfängliche Euphorie, gefolgt von Nutzerabwanderung und Kostenexplosion. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die 2,8 Milliarden Dollar Weitsicht oder Risiko darstellen.