Moonshot AI aus Peking hat Kimi K3 veröffentlicht, ein Modell mit 2,8 Billionen Parametern. Damit stellt das chinesische Startup den größten Open-Weight-Sprachmodell der Welt vor. Die Benchmarks zeigen: Offene Modelle sind nicht mehr zweitklassig, sie ziehen mit den besten geschlossenen Systemen gleich.
2,8 Billionen Parameter und ein Millionen-Token-Fenster
Kimi K3 nutzt eine Mixture-of-Experts-Architektur mit 896 Experten, von denen pro Anfrage nur 16 aktiv sind. Das spart Rechenleistung, ohne die Qualität zu mindern. Ein Kontextfenster von einer Million Token ermöglicht langlaufende Aufgaben, die bisher nur Spezialmodelle bewältigen konnten. Zusätzlich beherrscht K3 native Bild- und Videoverarbeitung in einem einzigen Modell.
Technisch stützt sich das Modell auf zwei Eigenentwicklungen: Kimi Delta Attention verbessert den Informationsfluss über lange Sequenzen, Attention Residuals optimiert die Repräsentationsweitergabe über die Modelltiefe. Laut Moonshot erreicht K3 damit eine 2,5-fach höhere Skalierungseffizienz als der Vorgänger Kimi K2.
Benchmarks: Open Weight schlägt proprietäre Flaggschiffe
Die unabhängige Plattform Artificial Analysis bewertet Kimi K3 mit 57 Punkten im Intelligence Index. Das reicht, um Claude Opus 4.8 und GPT-5.6 Terra zu überholen. Nur Claude Fable 5 und GPT-5.6 Sol bleiben vorn, der Abstand beträgt gerade zwei bis drei Punkte. Auf GDPval-AA v2, einem Benchmark für reale Aufgaben in 44 Berufen, landet K3 auf dem dritten Platz hinter Fable 5 Max und GPT-5.6 Sol Max.
Auf BrowseComp, dem Benchmark für langwierige Informationssuche, erreicht K3 91,2 von 100 Punkten, ein neuer Bestwert. Im Frontend Code Arena von Arena.AI belegt K3 Platz eins und übertrifft Claude Fable 5 sowie GPT-5.6 Sol. Moonshot räumt selbst ein, dass die Gesamtleistung noch hinter Fable 5 und GPT-5.6 Sol liegt. In der eigenen Evaluierungssuite schlägt K3 jedoch alle anderen getesteten Modelle konsistent.
Autonome Agenten: 48 Stunden ohne menschlichen Eingriff
Moonshot zeigt in Fallstudien, was K3 autonom leistet. In einem 48-stündigen Durchlauf entwarf das Modell einen funktionsfähigen Chip auf 4 Quadratmillimetern, erreichte Timing-Konvergenz bei 100 MHz und simulierte über 8.700 Token pro Sekunde. In einem 15-stündigen Lauf optimierte K3 GPU-Kernels und halbierte die Rechenzeit. Für eine astrophysikalische Analyse, die erfahrene Forscher ein bis zwei Wochen beschäftigt, brauchte K3 rund zwei Stunden.
Diese Demonstrationen zielen auf den eigentlichen Wettbewerb: langlaufende agentische Aufgaben. K3 arbeitet im Single-Agent-Setup ohne Kontextkompression, was die schiere Leistungsfähigkeit des Millionen-Token-Fensters unterstreicht. Moonshot sieht darin die nächste Wettbewerbsarena.
Open-Weight-Veröffentlichung ab 27. Juli
Die vollständigen Modellgewichte werden am 27. Juli 2026 freigegeben. Die API kostet 3 Dollar pro Million Input-Token und 15 Dollar pro Million Output-Token, gecachte Eingaben liegen bei 0,30 Dollar. Das positioniert K3 im mittleren Preissegment, bei einer Leistung, die Spitzenmodelle herausfordert. Bis zum 12. August gibt es einen Promotionsrabatt von 30 Prozent auf API-Guthaben ab 1.000 Dollar.
Der Launch erfolgt bewusst kurz vor der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai. Moonshot, von Alibaba unterstützt, positioniert sich damit als ernstzunehmender Konkurrent zu DeepSeek, Zhipu AI und den US-Laboren. Vor 18 Monaten galt Moonshot als Marktverlierer. Der Aufstieg von DeepSeek hatte das Unternehmen marginalisiert. Kimi K3 ist das Comeback.
Was das für die KI-Landschaft bedeutet
Noch vor einem Jahr galt die Faustregel: Offene Modelle hinken Frontier-KI sechs bis zwölf Monate hinterher. Kimi K3 widerlegt diese Regel. Ein frei verfügbares Modell überholt mehrere proprietäre Flaggschiffe und liegt nur noch knapp hinter den absoluten Top-Modellen. Das verschärft den Preisdruck auf Anthropic, OpenAI und Google erheblich.
Gleichzeitig stellt es die Dominanz der USA bei KI infrage. Wenn ein chinesisches Open-Weight-Modell fast gleichzieht, verliert die Exklusivität proprietärer Modelle an Wert. Auch die Exportkontroll-Diskussion bekommt neuen Zündstoff: Wenn die besten offenen Modelle aus China kommen, nützen US-Beschränkungen weniger, als gedacht. Die EU AI Act Kennzeichnungspflicht trifft ab August auch auf importierte Modelle zu, was Moonshot vor regulatorische Hürden in Europa stellt.