Senator Bernie Sanders hat am 1. Juni 2026 ein Gesetz vorgeschlagen, das die Besitzverhältnisse in der KI-Branche auf den Kopf stellen würde. Der American AI Sovereign Wealth Fund Act sieht vor, dass große KI-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und xAI die Hälfte ihrer Anteile an einen staatlichen Fonds übertragen müssen. Die Erträge daraus sollen direkt an amerikanische Bürger ausgezahlt werden. Zudem erhält der Fonds Stimmrechte und gleichberechtigte Vertretung in den Aufsichtsräten der Unternehmen. Sanders argumentiert, dass KI auf dem kollektiven Wissen, der Kreativität und der Arbeit der Menschheit aufbaut. Deshalb müssten die Gewinne auch der Allgemeinheit zugutekommen und nicht nur einer kleinen Gruppe von Milliardären.
Altman sucht gemeinsame Basis
Überraschend kam die Reaktion von OpenAI-CEO Sam Altman. Er bat um ein Treffen mit Sanders in dessen Büro im Senat. Das fast einstündige Gespräch fand auf Altmans Wunsch statt. Zwar lehnt Altman die 50-Prozent-Schwelle ab, dennoch erklärte er sich grundsätzlich bereit, über eine öffentliche Beteiligung an KI-Unternehmen zu diskutieren. Sanders‘ Sprecher Jeremy Slevin betonte anschließend, dass Altman sich zu keinen der zentralen Forderungen verpflichtet habe. Dennoch signalisierte der CEO eine Bereitschaft, die über das übliche Lobby-Spektrum hinausgeht.
Trump überrascht mit Zustimmung
Noch ungewöhnlicher fiel die Reaktion von US-Präsident Donald Trump aus. Auf Air Force One beschrieb er eine mögliche Partnerschaft, bei der das amerikanische Volk vom Erfolg der KI profitieren könnte. Trump kündigte an, dass Führungskräfte führender KI-Unternehmen wahrscheinlich nächste Woche ins Weiße Haus kommen werden, um diese Idee zu besprechen. Dabei betonte er die Parallelen zwischen seinen Wählern und denen von Sanders. Die wirtschaftlichen Ansichten lägen gar nicht so weit auseinander, meinte Trump. Seine Regierung hat bereits 2025 einen Executive Order zur Gründung eines amerikanischen Souveränitätsfonds unterzeichnet. Außerdem sicherte sich die US-Regierung bereits Anteile an Intel, MP Materials, Lithium Americas und Trilogy Metals.
Alaska als Vorbild
Sanders vergleicht seinen Vorschlag mit dem Alaska Permanent Fund Dividend. Dort erhält jeder Einwohner jährlich eine Dividende aus den Öleinnahmen des Bundesstaates. Die Zahlung für 2025 betrug 1.000 Dollar pro Person. KI solle das neue Öl sein, so Sanders‘ Argument. Wenn ein öffentliches Gut Reichtum erzeugt, dann müsse die Öffentlichkeit daran teilhaben. Neben den direkten Zahlungen an Bürger könnten die Erträge des Fonds langfristig auch Gesundheitsversorgung, Bildung und Wohnraum finanzieren. Norwegens Staatsfonds dient als weiteres erfolgreiches Beispiel für dieses Modell.
Wachsender Widerstand gegen Rechenzentren
Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der öffentliche Druck auf die KI-Branche wächst. In Michigan kritisierten Demokraten den Auftritt von Gouverneurin Gretchen Whitmer mit Altman bei der Eröffnung eines 1,65 Millionen Quadratfuß großen Rechenzentrums. Abgeordnete Rashida Tlaib nannte das Projekt widerlich. Republikaner wie Senator Josh Hawley fordern einen Baustopp für Rechenzentren, bis die Unternehmen ihre eigenen Strom- und Wasserkosten tragen. Mindestens 14 Bundesstaaten haben Pausen für den Bau von Rechenzentren vorgeschlagen. In New York verabschiedete die Legislature ein einjähriges Moratorium, das nun auf der Unterschrift von Gouverneurin Kathy Hochul wartet. Auf College-Campus werden Abschlussredner ausgebuht, wenn sie über KI sprechen. Eine Umfrage der Harvard Kennedy School zeigt, dass 70 Prozent der Studierenden KI als Bedrohung für ihre Berufsaussichten sehen.
Hemmnisse und Gegenwind
Trotz der ungewöhnlichen parteiübergreifenden Unterstützung stehen die Chancen für den Gesetzentwurf schlecht. Brad Gastwirth von Circular Technology bewertet den Vorschlag als weit über das hinaus, was bisher diskutiert wurde. Eine verpflichtende Übertragung von 50 Prozent der Anteile würde auf erbitterten Widerstand von Industrie, Investoren und vielen Abgeordneten stoßen. Die Verabschiedung in der jetzigen Form hält er für unwahrscheinlich. Allerdings bringt der Entwurf eine Debatte voran, die an Bedeutung gewinnen wird. OpenAI hat bereits ein Konzept für öffentliche KI-Beteiligung vorgelegt. Auch Anthropic hat sich für Souveränitätsfonds ausgesprochen, die KI-Aktien halten sollen. Elon Musk forderte im April 2026 ein universelles hohes Einkommen als Antwort auf KI-bedingte Arbeitslosigkeit.
Was bedeutet das für Europa
Der amerikanische Diskurs um öffentliche KI-Beteiligung könnte auch die europäische Debatte beeinflussen. Die EU hat mit dem AI Act bereits ein regulatorisches Gerüst geschaffen. Ein europäischer Souveränitätsfonds für KI-Gewinne steht dort jedoch noch nicht auf der Agenda. Sollte sich die amerikanische Idee durchsetzen, dürfte der Druck auf europäische Regierungen wachsen, ähnliche Modelle zu entwickeln. Denn die Grundfrage stellt sich weltweit: Wer profitiert von den Gewinnen der Künstlichen Intelligenz und wer trägt die Kosten?