KI-Reisebeschränkungen: Peking kontrolliert Forscher von Alibaba und DeepSeek

von Marcel Buchholz 27. Mai 2026 2 Min. Lesezeit Politik

Peking kontrolliert KI-Forscher: Neue Reisegenehmigungspflicht trifft Alibaba und DeepSeek

Die chinesische Regierung verschärft ihre Kontrolle über den KI-Sektor deutlich. Top-Forscher und Führungskräfte bei Alibaba und DeepSeek benötigen ab sofort eine staatliche Genehmigung, bevor sie ins Ausland reisen dürfen. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Zuvor mussten Betroffene ihre Reisepläne lediglich melden. Nun ist eine formelle Freigabe zwingend.

Von Nuklearwissenschaftlern zu KI-Entwicklern

Bislang galten vergleichbare Reisebeschränkungen in China vor allem für Atomforscher, Führungskräfte staatlicher Unternehmen sowie Hochschulforscher mit Militärverbindungen. Die Ausweitung auf Privatunternehmen wie Alibaba und DeepSeek markiert einen Wendepunkt. Peking stuft KI-Entwicklung offenbar auf dieselbe sicherheitspolitische Ebene ein wie kerntechnische Forschung. Weder Alibaba noch DeepSeek haben sich gegenüber Medien geäußert.

Warum Peking die Zügel anzieht

Hintergrund der Maßnahmen ist die Sorge vor Technologieabfluss. Erst kürzlich sorgte der Fall des KI-Startups Manus für Aufsehen. Das Unternehmen entstand in China, verlegte seinen Sitz später nach Singapur und wurde anschließend für rund zwei Milliarden Dollar von Meta übernommen. Zwei Mitgründer von Manus wurden laut Financial Times an der Ausreise gehindert, während Peking den Deal prüfte. Obwohl die neuen Reisebeschränkungen nicht direkt mit dem Manus-Fall zusammenhängen, zeigt das Beispiel, welchen Druck die Regierung ausübt, um heimische KI-Fähigkeiten im Land zu behalten.

Brain-Drain-Gefahr wächst

KI-Forschung lebt von internationalem Austausch. Konferenzen, gemeinsame Projekte und offene Quellen erfordern Mobilität. Wenn Spitzenforscher eine Ausreisegenehmigung beantragen müssen, könnte das die Attraktivität chinesischer KI-Unternehmen als Arbeitgeber deutlich senken. Analysten warnen: Die besten Köpfe könnten Unternehmen verlassen, bevor die Beschränkungen noch weiter ausgeweitet werden. Gerade im globalen Wettlauf um KI-Talente ist China bereits im Nachteil gegenüber den Vereinigten Staaten und Europa.

Strategische Einordnung: KI als nationale Sicherheit

Die Reisebeschränkungen sind nicht isoliert zu sehen. Sie passen in eine Reihe von Maßnahmen, mit denen Peking die Kontrolle über strategische Technologien ausbaut. Bereits im Dezember 2025 berichtete Bloomberg über erste Reiseauflagen für DeepSeek-Führungskräfte. Die jetzige Ausweitung auf Alibaba zeigt, dass die Regierung den Kreis der als sicherheitsrelevant eingestuften Personen konsequent vergrößert. Der Konflikt mit den USA um Technologietransfer und Spionage treibt diese Entwicklung zusätzlich an. Für die globale KI-Community bedeutet dies eine weitere Fragmentierung. Offene Zusammenarbeit wird schwieriger, nationale Grenzen werden schärfer gezogen.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.