KI-Musik auf Deezer: 44 Prozent aller Uploads sind maschinell erzeugt

von Marcel Buchholz 22. April 2026 2 Min. Lesezeit News

KI-Musik auf Deezer: 44 Prozent aller Uploads sind maschinell erzeugt

Künstliche Intelligenz durchdringt die Musikindustrie in einem Ausmaß, das selbst Branchenexperten überrascht. Aktuelle Zahlen von Deezer zeigen: Fast jeder zweite Track, der täglich auf die Plattform gelangt, stammt vollständig aus KI-generierten Systemen. Die Flut wirft jedoch Fragen auf, die weit über kreative Debatten hinausreichen.

44 Prozent KI: Die Flut beginnt

Deezer meldet, dass täglich knapp 75.000 vollständig KI-generierte Tracks auf die Plattform gelangen. Das entspricht rund 44 Prozent aller täglichen Uploads. Und einem Anstieg von 10.000 auf 75.000 binnen eines Jahres. Mehr als zwei Millionen KI-Tracks pro Monat, allein auf einer Plattform.

Seit Januar 2025 setzt Deezer nämlich ein patentiertes Erkennungstool ein. Es identifiziert nämlich Outputs gängiger Modelle wie Suno und Udio. Mehr als 13,4 Millionen KI-Tracks wurden 2025 allein auf dieser Plattform erkannt und getaggt. Die Technologie zur Erkennung lizenziert Deezer inzwischen an andere Unternehmen der Musikbranche. Allerdings ist das ein Geschäftsfeld, das es vor einem Jahr noch nicht gab.

Das Tabu: Jeder nutzt es, niemand redet darüber

Was auf der Ebene der Plattformen sichtbar wird, existiert in der Profi-Produktion bereits als offenes Geheimnis. Suno-CEO Mikey Shulman beschrieb sein eigenes Tool jedoch als Ozempic der Musikbranche. Jeder nutze es, niemand spreche darüber. Der Vergleich ist treffend. Die Wirkung ist verführerisch, die Konsequenzen werden jedoch verdrängt.

Eine Recherche des Rolling Stone zeigt das Ausmaß. Top-Produzenten und Songwriter setzen KI-Generatoren massiv ein, schweigen aber öffentlich aus Angst vor einem Shitstorm. Der Fall des Sängers Teddy Swims dient als Warnung. Nach einem offenen Bekenntnis zur KI-Nutzung musste er nämlich heftige Kritik einstecken. Produzent David Baron ist überzeugt, dass KI-generierte Musik bereits in den Billboard-Charts gelandet ist.

Die Schattenseite: Stream-Betrug im großen Stil

Die Geschichte von Michael Smith aus North Carolina macht deutlich, welches Missbrauchspotenzial in der KI-gestützten Musik liegt. Smith generierte nämlich Hunderttausende KI-Songs und spielte sie in Schleifen ab. Daher erzeugte er künstliche Streaming-Einnahmen von über 10 Millionen Dollar. Ein Fall, der zeigt, dass die Technologie nicht nur kreative Potenziale birgt, sondern auch systematische Betrugsmöglichkeiten eröffnet.

Besonders im Hip-Hop zeigt sich der Wandel dramatisch. Statt Soul-Platten aus den 60er-Jahren zu lizenzieren, lassen Producer KI nämlich fiktive Retro-Samples generieren. Young Guru, langjähriger Toningenieur von Jay-Z, schätzt, dass mittlerweile mehr als die Hälfte des sample-basierten Hip-Hops auf diese Weise entsteht. Auch unser früherer Bericht zu KI-Musik dokumentiert diesen Trend.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.