KI löscht 11.000 Jobs pro Monat: Goldman Sachs zeigt, wer wirklich bezahlt

von Marcel Buchholz 28. Juni 2026 2 Min. Lesezeit News, KI & Wirtschaft

Künstliche Intelligenz vernichtet derzeit 11.000 US-Arbeitsplätze pro Monat. Das ist die nüchterne Zahl aus Goldman Sachs‘ aktuellem KI-Adoption-Tracker. Doch hinter dieser Kennzahl verbirgt sich ein Generationenkonflikt, der die Arbeitswelt nachhaltig verändern wird. Zudem fällt die Gegenrechnung schwerer aus als gedacht.

Die Zahl, die alle irritiert

Im April 2026 bezifferte Goldman Sachs die monatlichen KI-bedingten Stellenverluste noch auf 16.000. Seither ist die Rate gesunken, auf 11.000 Netto-Jobs pro Monat. Das klingt nach Fortschritt. Allerdings hat diese Verbesserung einen Haken: Die Gegenrechnung stammt fast ausschließlich aus dem Rechenzentrumsbau. Konkret haben Data-Center-Baustellen seit 2022 rund 212.000 Arbeitsplätze geschaffen und bringen aktuell etwa 9.000 neue Stellen pro Monat. Das sind Elektriker, HVAC-Fachkräfte und Bauarbeiter.

Temporäre Baustellen statt dauerhafter Jobs

Experten warnen jedoch: Diese Jobs sind temporär. Das American Edge Project schätzt, dass der Rechenzentrums-Boom rund 4,7 Millionen vorübergehende Baustellen-Jobs generiert, aber nur 697.000 dauerhafte Betriebsstellen. Sobald die Gebäude stehen, schrumpft die Belegschaft auf ein Minimum aus Technikern und Facility-Managern. Die eigentlichen Verlierer sitzen jedoch woanders.

Gen Z trifft es am härtesten

Goldman Sachs‘ Daten zeigen eine besorgniserregende Korrelation: Branchen mit höherer KI-Adoption verzeichnen steigende Arbeitslosigkeit unter Beschäftigten unter 30 Jahren. Akademische Studien belegen einen durchschnittlichen Produktivitätsgewinn von 23 Prozent durch generative KI. Dieser Gewinn fließt jedoch disproportioniert an erfahrene Mitarbeiter, die KI als Werkzeug nutzen, nicht an Berufsanfänger, deren Kernkompetenz gerade die Ausführung solcher Aufgaben war.

Die Zahlen untermauern das: Die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen stieg von 3,6 Prozent im Jahr 2019 auf 5,6 Prozent im Jahr 2026. 35 Prozent aller Einstiegsstellen fordern mittlerweile mindestens drei Jahre Berufserfahrung. 45 Prozent der Unternehmen setzen automatisierte Aussortierungssysteme in der frühen Bewerbungsphase ein.

Reid Hoffman sieht eine Chance

LinkedIn-Mitgründer und Anthropic-Investor Reid Hoffman betrachtet die Lage aus einem anderen Winkel. In einem Interview mit der Zeitschrift Fortune rief er die junge Generation auf, KI nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug zu begreifen. Ihre Generation habe die Möglichkeit, als KI-native Arbeitskräfte in Unternehmen zu gehen und diese bei der Transformation zu unterstützen.

Hoffman spielte gleichzeitig die Dimension des Problems herunter. Die Einstiegskrise habe mehr mit Überbesetzung während der Pandemie, globaler Unsicherheit und den Schwierigkeiten des Remote-Arbeitens zu tun als mit KI allein. Dennoch räumt er ein, dass der Wandel erhebliche berufliche Umbrüche mit sich bringt.

Was die Daten wirklich sagen

Zieht man die Rechenzentrums-Baujobs ab, sieht die Lage in den Branchen, in denen KI tatsächlich Fuß gefasst hat, deutlich schlechter aus. Im Marketing, Grafikdesign, Kundenservice und in der Dokumentenverarbeitung fielen im April 2026 allein 21.900 Stellen explizit wegen KI weg. Das ist der höchste Monatswert seit Beginn der Goldman-Zählung im Jahr 2023. Insgesamt belaufen sich die KI-bedingten Entlassungen auf 136.000 über drei Jahre.

Zudem erwähnen mittlerweile 24 Prozent der Russell-3000-Unternehmen KI und Arbeit gemeinsam in ihren Quartalsanrufen. Dieser Wert steigt kontinuierlich und zeigt kein Anzeichen eines Plateaus. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob KI Jobs vernichtet, sondern was passiert, wenn die Betonmischer verstummen und die Rechenzentren fertig sind.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.