Der KI-Ausbau kostet nicht nur Milliarden, sondern treibt auch die Preise in die Höhe. Goldman Sachs hat berechnet, wie stark die Inflation durch Rechenzentren, Speicherchips und Software steigt, und die USA trifft es am härtesten. Verbraucher zahlen die Zeche, während die Federal Reserve zusieht.
Goldman Sachs: KI hebt US-Inflation um 0,5 Prozentpunkte
Die Wall-Street-Bank Goldman Sachs hat eine Analyse vorgelegt, die die Euphorie um Künstliche Intelligenz in einem anderen Licht zeigt. Laut Ökonomin Megan Peters heizt der KI-Boom die Kerninflation in den Vereinigten Staaten aktuell um etwa 20 Basispunkte pro Jahr an. Bis Jahresende könnte dieser Effekt jedoch auf 50 Basispunkte ansteigen. Das bedeutet: KI kostet Verbraucher nicht nur ihren Job, sondern auch Geld beim Einkaufen.
Dabei fallen die Auswirkungen je nach Land sehr unterschiedlich aus. Kanada, Australien, Europa, Großbritannien und Japan dürften laut Goldman lediglich rund 10 Basispunkte zusätzliche Inflation erleben. Der Grund dafür liegt auf der Hand: In den USA konzentriert sich der Großteil der weltweiten Rechenzentrums-Investitionen, und amerikanische Verbraucher geben einen größeren Anteil ihres Einkommens für Software und Elektronik aus.
Drei Inflationswellen: Speicher, Software, Strom
Goldman Sachs identifiziert drei zentrale Treiber der KI-bedingten Inflation. Die erste Welle betrifft Speicherchips. Die Nachfrage nach Arbeitsspeicher für KI-Rechenzentren hat die Preise für DDR5-Module explodieren lassen. Ein 8-GB-DDR5-Modul kostet mittlerweile rund 148 Dollar, mehr als das Vierfache im Vergleich zum Vorjahr. Diese Preissteigerung wirkt sich direkt auf Laptop- und Desktop-Preise aus.
Die zweite Welle betrifft Softwarepreise. Immer mehr Unternehmen bauen KI-Funktionen in bestehende Produkte ein und erhöhen die Preise entsprechend. Microsoft zum Beispiel hat den Preis für sein 365-Abo nach der Integration von Copilot angehoben. Solche Preissteigerungen fließen direkt in den Verbraucherpreisindex ein, weil Software in den USA einen höheren Anteil an den Konsumausgaben hat als in anderen Industrieländern.
Die dritte Welle betrifft die Stromkosten. KI-Rechenzentren schlucken gigantische Mengen an elektrischer Energie. Goldman schätzt, dass Rechenzentren bis Ende des Jahrzehnts rund 11 Prozent des gesamten US-Strombedarfs ausmachen werden, gegenüber 6 Prozent heute. Die durchschnittlichen Stromkosten sind bereits um 27 Prozent seit 2022 gestiegen. Hinzu kommen Versorgungsängste wegen des Iran-Konflikts, die die Ölpreise weiter in die Höhe treiben.
Verbraucher spüren die Preisspirale
Für amerikanische Haushalte wird der KI-Boom zur finanziellen Belastungsprobe. Laptops werden teurer, weil Speicherchips und Prozessoren knapper werden. Software-Abonnements kosten mehr, weil Anbieter KI-Funktionen als Aufschlag berechnen. Und die Stromrechnung steigt, weil Rechenzentren den Netzstrom abgreifen. Die Federal Reserve hat diese Entwicklung im Blick, bleibt aber bei ihren Zinsentscheidungen zurückhaltend.
Goldman Sachs hatte bereits im Mai darauf hingewiesen, dass KI kurzfristig inflationär wirkt. Die neue Analyse bekräftigt diesen Befund: Die Produktivitätsgewinne, die KI auf lange Sicht bringen könnte, lassen weiter auf sich warten. Bis diese eintreten, zahlen Verbraucher die Zeche der massiven Investitionen. Die Bank geht davon aus, dass KI langfristig eher deflationär wirken dürfte als vergangene Technologiesprünge wie das Internet der 90er Jahre.
Europa und der Rest der Welt kommen glimpflich davon
Die Goldman-Analyse zeigt einen klaren geografischen Unterschied: Die KI-bedingte Inflation trifft die USA fünfmal härter als andere Industrienationen. Der Grund liegt in der Struktur der US-Wirtschaft. Software und Elektronik machen einen größeren Teil der Konsumausgaben aus. Zudem konzentriert sich der Löwenanteil der Rechenzentrums-Investitionen auf amerikanischen Boden. Europa profitiert sogar von niedrigeren Energiepreisen durch den Ausbau erneuerbarer Energien.
Doch auch in Europa machen sich die Folgen bemerkbar. Hohe Strompreise gefährden den europäischen KI-Ausbau, und die Energiekosten für Rechenzentren steigen weltweit. Die Frage bleibt, ob und wann die versprochenen Produktivitätsgewinne die kurzfristigen Preissteigerungen kompensieren werden. Goldman Sachs jedenfalls hält langfristige Entlastung für möglich, aber deutlich geringer als bei früheren Technologie-Revolutionen.
Mehr zum Thema KI und Wirtschaft: Wie ein Startup mit chinesischen Modellen Millionen sparte.