Die weltweiten Ausgaben für Künstliche Intelligenz werden dieses Jahr auf 2,59 Billionen Dollar steigen. Das geht aus einer aktuellen Prognose des Analysehauses Gartner hervor. Damit wächst der KI-Markt um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen sind beeindruckend, jedoch lohnt sich ein genauerer Blick auf die Treiber dieser Entwicklung.
Hyperscaler treiben das Wachstum
Verantwortlich für den Großteil der Investitionen sind nur wenige Technologiekonzerne. Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta haben ihre Kapitalausgaben für 2026 gemeinsam auf rund 725 Milliarden Dollar angehoben. Das sind etwa 100 Milliarden mehr als noch vor wenigen Monaten geplant. Microsoft allein plant 190 Milliarden Dollar auszugeben. Alphabet korrigierte seine Prognose auf bis zu 190 Milliarden Dollar nach oben. Meta zieht mit bis zu 145 Milliarden Dollar nach, während Amazon bei etwa 200 Milliarden Dollar bleibt. Steigende Komponentenkosten spielen dabei eine Rolle, besonders bei Microsoft und Meta.
Infrastruktur frisst das meiste Geld
Mehr als 45 Prozent der KI-Ausgaben fließen in die Infrastruktur. Dazu gehören KI-optimierte Server, Beschleunigerchips, Speichersysteme, Netzwerke und Rechenzentrumsbau. Gartner-Analyst John-David Lovelock geht davon aus, dass die Ausgaben für KI-Server in den nächsten fünf Jahren verdreifacht werden. Cloud-Anbieter bauen massiv Kapazitäten auf, weil sie auf die Arbeitslasten durch große Sprachmodelle und agentische Workflows setzen. Außerdem wächst der Bereich der KI-Software um etwa 60 Prozent jährlich.
Agentische KI wächst am schnellsten
Innerhalb der Software-Kategorie verzeichnet agentische KI das stärkste Wachstum. Gartner prognostiziert einen Anstieg von 141 Prozent auf rund 202 Milliarden Dollar im Jahr 2026. Bereits 2027 sollen die Ausgaben für agentische Systeme die für Chatbots und Assistenten übertreffen. Unternehmen setzen zunehmend auf KI-Agenten, die mehrere Arbeitsschritte selbstständig ausführen und in breitere Software-Suiten eingebunden werden. Zudem wächst der Markt für KI-Modelle um 110 Prozent. Auch der Ausbau agentischer Plattformen beschleunigt diesen Trend.
Unternehmen halten sich noch zurück
Trotz der Rekordzahlen bleibt eine Lücke. Bisher investieren vor allem Technologieunternehmen und Hyperscaler. Normale Unternehmen haben ihr Ausgabenpotenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft. Gartner spricht von einem Wendepunkt: 2026 könnte das Jahr sein, in dem Unternehmen ihre KI-Investitionen spürbar ausweiten. Allerdings bevorzugen CIOs derzeit eher kleine Verbesserungen als disruptive Veränderungen. Der Beweis des konkreten Geschäftswerts bleibt für viele eine Herausforderung. Gartner warnt, dass die aktuellen Bewertungen eher Erwartungen als echte Transformation widerspiegeln.
Freier Cashflow sinkt auf Jahrestief
Die massiven Investitionen haben ihren Preis. Der kombinierte freie Cashflow der vier Tech-Giganten soll im dritten Quartal auf nur noch rund 4 Milliarden Dollar sinken. Das wäre ein Zehnjahrestief. Kapitalausgaben wachsen schneller als die Einnahmen. Amazon allein wird schätzungsweise rund 10 Milliarden Dollar an Cash in diesem Jahr verbrauchen. Die Frage bleibt, ob sich die enormen Summen langfristig rechtfertigen lassen. Wie Alphabets 80-Milliarden-Runde zeigt, geht der Kapitalhunger weiter.
Ausblick bis 2029
Gartner erwartet, dass der gesamte KI-Markt 2027 die Marke von 3,3 Billionen Dollar erreicht. Für 2029 liegen die Prognosen sogar bei 4,7 Billionen Dollar. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate liegt bei 33 Prozent. Allerdings warnt Gartner davor, die aktuellen Bewertungen als Bestätigung einer Transformation der Gesamtwirtschaft zu verstehen. Vielmehr spiegeln sie Erwartungen wider, die noch eingelöst werden müssen. Die nächste Phase wird zeigen, ob Unternehmen den Sprung von Experiment zu Produktivität schaffen.