KI-Arbeitsmarkt: MIT-Studie zeigt, wer wirklich von neuen Jobs profitiert

von Marcel Buchholz 21. Mai 2026 3 Min. Lesezeit News, KI & Wirtschaft

Wer bekommt eigentlich die neuen Jobs, die Technologie schafft? Diese Frage hat der MIT-Arbeitsökonom David Autor nun erstmals mit historischen Daten beantwortet. Das Ergebnis überrascht: Junge, gut ausgebildete Menschen profitieren am meisten. Doch was bedeutet das für die KI-Revolution?

MIT-Studie untersucht 80 Jahre Arbeitsmarktdaten

David Autor und sein Team haben US-Volkszählungsdaten von 1940 bis 2023 ausgewertet. Dabei analysierten sie erstmals individuell, wer tatsächlich neue Berufe ausfüllt. Die Studie mit dem Titel “What Makes New Work Different from More Work” erscheint im Annual Review of Economics. Dafür nutzten die Forscher sowohl historische Census-Daten als auch aktuelle American Community Survey-Erhebungen. Außerdem konnten sie dank einer Kooperation mit dem US Census Bureau personenbezogene Daten auswerten und so Gehälter, Bildung und Demografie von Arbeitnehmern in neuen Berufsfeldern vergleichen.

Junge Akademiker profitieren am meisten

Die Kernbotschaft lautet: Neue Berufe entstehen bevorzugt in städtischen Räumen. Zudem profitieren Menschen unter 30 stärker als jede andere Altersgruppe. College-Absolventen sind 2,9 Prozentpunkte eher in neuen Berufsfeldern tätig als Menschen mit nur einem High-School-Abschluss. Wer 1940 einen neuen Beruf ausübte, war 1950 mit 2,5-facher Wahrscheinlichkeit weiterhin in einem neuen Feld tätig. Das zeigt: Neue Berufe können Karrieren prägen und langfristig stabilisieren.

Neue Berufe zahlen besser, doch der Vorteil schwindet

Neue Berufsfelder bieten laut der Studie einen Gehaltsaufschlag gegenüber etablierten Tätigkeiten. Allerdings verblasst dieser Bonus mit der Zeit. Wie eine Bitkom-Studie zeigt, entlässt bereits jeder fünfte KI-Nutzer Mitarbeiter. Sobald das Wissen allgemein verfügbar wird, sinkt der Seltenheitswert. “Wenn jeder Experte ist, ist niemand mehr Experte”, formuliert Autor diesen Effekt treffend. Schließlich war auch das Autofahren einmal eine seltene Fähigkeit. Ebenso galt das Beherrschen von Textverarbeitungsprogrammen bis in die 1990er Jahre als Spezialwissen. Heute gehört beides zur Grundausstattung.

Nachfrage treibt Innovation, nicht nur Angebot

Ein weiterer zentraler Befund der Studie: Zwischen 85 und 90 Prozent der neuen Berufe zwischen 1940 und 1950 entstanden durch Technologiewandel. Dabei spielte die Nachfrageseite eine entscheidende Rolle. Die staatlich geförderte Rüstungsproduktion während des Zweiten Weltkriegs schaffte enorme Mengen an neuer Arbeit. Landkreise mit neuen Fabriken verzeichneten deutlich mehr neue Berufsfelder. “Technologie ist kein Aha-Moment”, betont Autor. “Innovation ist eine zielgerichtete, kumulative Aktivität. Wenn man weit genug kommt, gewinnt sie eigenen Schwung.”

Was bedeutet das für KI und den Arbeitsmarkt?

Autor warnt davor, Aufgabenersatz mit Stellenverlust gleichzusetzen. “Aufgaben zu ersetzen ist nicht dasselbe wie Jobs zu ersetzen, denn viele Jobs umfassen viele Aufgaben”, erklärt er. Dennoch bleibt die große Frage unbeantwortet: Woher kommen die neuen Berufe im Zeitalter von KI? Autor sieht besonders im Gesundheitswesen Potenzial. Dort fließen in den USA mehr als die Hälfte der Ausgaben aus öffentlichen Kassen. “Es gibt verschiedene Wege, KI im Gesundheitswesen einzusetzen”, so Autor. “Der eine ist, einfach Stellen wegzurationalisieren. Der andere ist, Menschen mit unterschiedlichen Expertisen neue Aufgaben zu übertragen.” Letzteres sei gesellschaftlich deutlich wertvoller. Ob der Markt jedoch in diese Richtung geht, bleibt ungewiss.

Fazit: Die Vergangenheit zeigt Chancen, aber keine Garantien

Die MIT-Studie liefert wertvolle historische Einordnungen. Dennoch warnt Autor vor voreiligen Schlüssen für die KI-Ära. Historisch betrachtet hat Technologie stets neue Berufe geschaffen. Ob Künstliche Intelligenz diesem Muster folgt, hängt davon ab, wie Gesellschaften sie einsetzen. Investitionen in neue Technologien allein reichen nicht aus. Es braucht auch eine Nachfrage nach neuen Tätigkeiten. Die Studie zeigt: Wer die Rahmenbedingungen gestaltet. Auch die EU-Regulierung spielt dabei eine Rolle, entscheidet mit darüber, ob KI Arbeitsplätze vernichtet oder neue schafft.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.