Kasachstan baut Data Center Valley: 10 Milliarden Deal mit Nvidia und Firebird

von Marcel Buchholz 18. Juni 2026 3 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Kasachstan schließt einen gigantischen Vertrag mit dem US-Startup Firebird und Nvidia über KI-Rechenzentren. Der Deal umfasst bis zu 10 Milliarden Dollar und soll das zentralasiatische Land zum KI-Hub der Region machen. Allerdings bleiben erhebliche Fragen offen.

Was der Deal beinhaltet

Ministerpräsident Olzhas Bektenov unterzeichnete am 15. Juni in Astana eine Reihe von Vereinbarungen mit Firebird und Nvidia. Das Herzstück ist das sogenannte Data Center Valley in Ekibastuz, einer Industriestadt im nordostkasachischen Pavlodar-Gebiet. Die erste Phase umfasst 5 Milliarden Dollar, davon eine Milliarde vom staatlichen Telekommunikationsanbieter Kazakhtelecom. Geplant ist ein 125-Megawatt-Rechenzentrum, das 2027 kommerziell in Betrieb gehen soll.

Allerdings ist die Zahl von 10 Milliarden Dollar ein Potenzialwert über mehrere Vereinbarungen hinweg, kein einzelner Scheck. Das Kernstück bildet ein bindendes Term Sheet zwischen Kazakhtelecom und Firebird. Die erste Phase von 5 Milliarden Dollar hängt jedoch davon ab, ob Finanzierung, Strom und Chips wie geplant eintreffen.

100.000 GPUs und ein Gigawatt Ausbauziel

Die Ambitionen sind beträchtlich. Offizielle Stellen sprechen davon, bis zu 100.000 Nvidia-Grafikkarten zu installieren, darunter die neuesten GB300 und Vera Rubin Chips. Das Rechenzentrum soll auf 300 Megawatt hochskalieren, mit einem Fernziel von einem Gigawatt. Zudem erhofft sich die Regierung jährliche Exporteinnahmen von 3 Milliarden Dollar.

Nvidias Rolle ist dabei die eines Lieferanten und Unterstützers, nicht die eines Finanziers. Dass ein Vizepräsident von Nvidia zur Unterzeichnung anreist, zeigt jedoch, dass das Unternehmen den Markt ernst nimmt. Firebird wiederum verweist auf sein bestehendes Projekt in Armenien, wo ein AI Factory genanntes Rechenzentrum in nur sechs Monaten errichtet worden sein soll und im Juli online gehen dürfte.

Stromvorteil und Kohle-Problem

Kasachstan hat einen echten Vorteil gegenüber vielen KI-Standorten: günstiger Strom Ekibastuz beherbergt das Kohlekraftwerk GRES-1, eines der größten des Landes. Allerdings liegt hier auch das Problem. Kohlestrom macht den Standort auf dem Papier günstig, jedoch dürften westliche Investoren und Technologieunternehmen den CO2-Fußabdruck kritisch prüfen. ESG-Richtlinien stehen bei vielen Firmen hoch im Kurs, und ein Rechenzentrum auf Kohlebasis passt nicht in jedes Nachhaltigkeitskonzept.

Dazu kommt ein landesweiter Strommangel. Kasachstan kämpft derzeit mit Stromengpässen, was die Frage aufwirft, ob genug Kapazität für ein Rechenzentrum dieser Größenordnung zur Verfügung steht. Die Regierung betont, dass die Region um Ekibastuz über ausreichend Leistung verfügt, zunächst 300 Megawatt mit Ausbauoption auf ein Gigawatt.

Geopolitischer Balanceakt

Die geografische Lage Kasachstans zwischen Russland, China und Europa ist zugleich Chance und Risiko. Einerseits positioniert sich das Land als neutraler KI-Standort außerhalb der direkten Supermacht-Konflikte. Andererseits grenzt es an zwei der drei großen Technologie-Rivalen. Exportkontrollen, Sanktionen und Chips-Beschränkungen könnten die Lieferketten jederzeit beeinträchtigen.

Zudem ist Kasachstan Teil der Strategie KI-Rechenzentrum-Boom, die das Land bis 2029 in eine kognitive Wirtschaft transformieren soll. Der Deal mit Firebird und Nvidia ist das sichtbarste Zeichen dieses Plans. Ob die angekündigten Investitionen jedoch tatsächlich in Maschinen und Megawatt umgesetzt werden, muss sich erst noch zeigen.

Was bleibt vom Data Center Valley?

Die Geschichte von KI-Rechenzentren weltweit ist voll von großen Ankündigungen, die nie Realität wurden. Memoranden sind einfach zu unterschreiben. Finanzierte, mit Strom versorgte und mit Chips ausgestattete Rechenzentren sind hingegen schwer zu bauen. Das gilt besonders für einen Standort, der weder über etablierte Cloud-Infrastruktur noch über einen bestehenden Technologie-Cluster verfügt.

Dennoch hat Kasachstan echte Trümpfe: günstiger Strom, eine Regierung, die Digitalisierung zur Chefsache gemacht hat, und eine geopolitische Nische zwischen den Großmächten. Wenn das Data Center Valley Realität wird, könnte es die KI-Landschaft Zentralasiens grundlegend verändern. Bis dahin gilt: Megawatt zählen, nicht Pressemitteilungen.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.