OpenAI-Mitgründer kehrt nicht mehr zurück
Andrej Karpathy, einer der bekanntesten KI-Forscher weltweit, wechselt zu Anthropic. Der Mitgründer von OpenAI und ehemalige Tesla-KI-Chef gab den Schritt am 19. Mai 2026 auf X bekannt. Für die Branche ist das ein massiver Personalwechsel mit weitreichenden Folgen. Karpathy wird bei Anthropic das Pre-Training-Team verstärken, jene Abteilung, die für die groß angelegten Trainingsläufe der Claude-Modelle zuständig ist.
Was Karpathy bei Anthropic tun wird
Anthropic bestätigte, dass Karpathy ein neues Team aufbaut. Die Aufgabe: Claude nutzen, um die Pre-Training-Forschung zu beschleunigen. Pre-Training ist die teuerste und rechenintensivste Phase der Modellentwicklung. Dabei lernt das Sprachmodell sein Grundwissen aus riesigen Datenmengen. Karpathy arbeitet unter Teamleiter Nick Joseph an diesem zentralen Bereich. Die Strategie dahinter ist klar: Anthropic setzt auf KI-gestützte Forschung statt auf reine Rechenleistung, um im Wettlauf mit OpenAI und Google konkurrenzfähig zu bleiben.
Stationen eines KI-Pioniers
Karpathys Karriere liest sich wie ein Who-is-Who der KI-Branche. 2015 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern von OpenAI. Dort forschte er bis 2017 im Bereich Deep Learning und Computer Vision. Anschließend wechselte er zu Tesla und leitete die Entwicklung von Autopilot und Full Self-Driving. 2022 verließ er den Autobauer. Ein Jahr später kehrte er zu OpenAI zurück und übernahm ein Team für Mid-Training und synthetische Datengenerierung. 2024 verließ er OpenAI erneut, um sein Bildungsstartup Eureka Labs zu gründen. Zudem prägte er den Begriff Vibe Coding, der in der Tech-Welt weite Verbreitung fand.
Warum dieser Wechsel die Branche bewegt
Karpathy ist einer der wenigen Forscher, die Theorie und groß angelegte Modellierung praktisch verbinden können. Sein Wechsel zu Anthropic signalisiert, dass das Unternehmen den Schwerpunkt auf KI-gestützte Forschung legt. Denn statt einfach mehr Rechenleistung einzukaufen, will Anthropic die Effizienz des Trainingsprozesses selbst verbessern. Zuvor hatte Anthropic bereits die SDK-Firma Stainless übernommen und eine Bewertung von 61,5 Milliarden Dollar erreicht. Damit liegt das Unternehmen nun über der Bewertung von OpenAI.
Zudem verstärkt Anthropic parallel sein Sicherheitsteam: Chris Rohlf, ein Cybersecurity-Veteran mit über 20 Jahren Erfahrung, darunter sechs Jahre bei Meta und eine Position bei Yahoos Paranoids-Team, trat dem Frontier Red Team bei. Rohlf wird fortgeschrittene KI-Modelle gegen ernsthafte Bedrohungen testen. Die gleichzeitige Verpflichtung von Karpathy und Rohlf zeigt, dass Anthropic sowohl die Leistung als auch die Sicherheit seiner Modelle massiv vorantreibt.
Was das für die KI-Landschaft bedeutet
Der Talentwettbewerb in der KI-Branche erreicht neue Höhen. Karpathys Wechsel ist nicht nur ein personeller Gewinn für Anthropic, sondern auch ein symbolischer. Der Forscher verlässt das Unternehmen, das er selbst mitgegründet hat, um bei einem Konkurrenten anzutreten. Das Vertrauen in Anthropic ist offensichtlich groß. Zudem bleibt die Frage, was mit Eureka Labs passiert. Karpathy betonte zwar, dass er Bildung weiter verfolge, jedoch ohne konkrete Zeitpläne. Die KI-Gemeinschaft wird aufmerksam beobachten, wie sich Claudes Trainingsprozess unter Karpathys Einfluss verändert. Erst kürzlich hatte Anthropic kauft Stainless, und auch bei der Anthropic überholt OpenAI bei KI-Unternehmensnutzung zeichnet sich ein Machtwechsel ab.