Humanoide Roboter operieren: Erster Eingriff am lebenden Tier gelingt

von Marcel Buchholz 12. Juli 2026 3 Min. Lesezeit News

Humanoide Roboter im OP: Was der erste Eingriff am lebenden Tier bedeutet

Forscher der University of California San Diego haben einen Meilenstein gesetzt. Zwei humanoide Roboter haben erstmals eine minimalinvasive Operation an einem lebenden Tier durchgeführt. Dabei entfernten sie erfolgreich die Gallenblase. Die Studie erschien am 8. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Nature. Das Besondere: Die Roboter handelten nicht autonom. Chirurgen steuerten jede Bewegung von einer Konsole aus fern.

Surgie heißt der Roboter, der das Skalpell hält

Das Team um Ingenieurprofessor Michael Yip nannte seinen Roboter Surgie. Unter der Hülle steckt ein Unitree G1, ein Allgemein-Roboter aus chinesischer Produktion. Er ist etwa 1,50 Meter groß und wiegt rund 27 Kilogramm. Ursprünglich wurde er nicht für den Operationssaal entwickelt. Deshalb bauten die Forscher spezielle Adapter, damit Surgie laparoskopische Instrumente greifen kann. Außerdem programmierten sie eine Software, die Handbewegungen des Chirurgen flüssig auf die Roboterarme überträgt.

Warum ein Universal-Roboter günstiger ist als Spezialsysteme

Der Preisunterschied ist enorm. Ein Unitree G1 beginnt bei etwa 13.500 Dollar. Mit Greifhänden für chirurgische Eingriffe steigt der Preis auf rund 67.000 Dollar. Zum Vergleich: Das da Vinci System von Intuitive Surgical kostet zwischen 500.000 und mehreren Millionen Dollar. Außerdem wiegt es etwa 820 Kilogramm und benötigt ein großes Team für den Aufbau. Der Unitree G1 passt in jeden Operationssaal und kann sogar dorthin laufen.

Deshalb sieht Shanglei Liu, Chirurg und Mitautor der Studie, großes Potenzial. Er sagte: Es ist ein Bruchteil der Kosten und nimmt einen Bruchteil des Platzes im Operationssaal ein. Deshalb lässt es sich einfach einsetzen, von ländlichen Gebieten bis zum Schlachtfeld und sogar im Weltraum.

Zwei Operationen, zwei Konstellationen

Das Team führte zwei Eingriffe durch. Bei der ersten Operation arbeitete ein Roboter gemeinsam mit einem menschlichen Chirurgen als Assistent. Beim zweiten Eingriff bedienten zwei Roboter die Instrumente gleichzeitig. Beide Gallenblasenentfernungen verliefen erfolgreich. Dennoch gibt es deutliche Einschränkungen. Die Eingriffe dauerten deutlich länger als mit etablierten Systemen, weil das Team die Roboter mehrfach neu kalibrieren musste. Außerdem beträgt die Armspanne des Unitree G1 nur 450 Millimeter. Ein erwachsener Mensch erreicht 1,6 bis 1,8 Meter. Das schränkt die Reichweite der Instrumente ein.

Latenz und Sicherheit: Die offenen Fragen

Ein weiteres Problem ist die Verzögerung. Aktuelle teleoperierte Systeme haben Latenzen von Hunderten Millisekunden. Chirurgen bevorzugen Werte unter 150 Millisekunden. Bei Eingriffen aus der Ferne, etwa von einem anderen Kontinent aus, könnte die Latenz kritisch werden. Zudem sind humanoide Roboter noch nicht für den Einsatz am Menschen zugelassen. Das da Vinci System hat FDA-Zulassung und jahrelange klinische Tests hinter sich. Surgie steht am Anfang dieses Weges.

Dennoch betonen die Forscher das Ziel. Michael Yip beschreibt keinen Roboter-Chirurgen, sondern einen autonomen Assistenten. Dieser könnte Werkzeuge reichen, den Saal vorbereiten und aufräumen. Die Vision ist ein Operationssaal der Zukunft, in dem humanoide Roboter und Menschen Seite an Seite arbeiten, sowohl im Krankenhaus als auch in der Notfallmedizin.

Was das für die Medizin bedeutet

Der eigentliche Durchbruch liegt nicht in der Autonomie, sondern in der Zugänglichkeit. Viele Krankenhäuser weltweit können sich kein da Vinci System leisten oder keine Fachkräfte dafür ausbilden. Ein günstiger, mobiler Roboter könnte chirurgisches Wissen in abgelegene Regionen bringen. Ob in ländlichen Gemeinden, bei Katastrophen oder sogar im Weltraum, die Idee hat Potenzial.

Allerdings warnt das Team vor übertriebener Euphorie. Die Roboter sind noch langsam, müssen oft kalibriert werden und haben eine begrenzte Reichweite. Der Weg vom Tierversuch zum routinemäßigen Einsatz am Menschen ist weit. Dennoch zeigt die Studie, dass Allgemein-Roboter grundsätzlich chirurgische Präzision erreichen können. Das allein ist ein beachtlicher Fortschritt.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.