Elon Musks KI-Firma xAI hat einen Vertrag mit der US-Regierung geschlossen. Bundesbehörden können Grok 4 für 42 Cent pro Agentur nutzen. Doch der Deal stößt auf scharfe Kritik. Senatorin Elizabeth Warren fordert Antworten vom Pentagon, während Sicherheitsbehörden vor erheblichen Risiken warnen.
Der Deal im Detail
Die General Services Administration verkündete am vergangenen Donnerstag die Partnerschaft mit xAI. Bundesbehörden erhalten Zugang zu Grok 4 und Grok 4 Fast für lediglich 42 Cent pro Agentur. Der Vertrag läuft 18 Monate bis März 2027. Damit ist es der längste OneGov-Vertrag, den die GSA bisher mit einem KI-Anbieter geschlossen hat. Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic verlangen einen Dollar pro Agentur und Jahr.
Außerdem sicherte sich xAI einen Auftrag des Verteidigungsministeriums mit einem Volumen von 200 Millionen Dollar. Das Pentagon-Programm CDAO vergab identische Verträge an OpenAI, Anthropic und Google. xAI stellt dafür Ingenieure mit Sicherheitsfreigaben ab und bietet maßgeschneiderte Modelle für nationale Sicherheitsanwendungen an.
Sicherheitsbedenken bei NSA und GSA
Hinter den Kulissen lieferten sich Behörden einen Streit über die Zulassung. Die National Security Agency führte eine geheime Überprüfung durch und kam zu dem Ergebnis, dass Grok besondere Sicherheitsprobleme aufweist, die bei anderen Modellen nicht bestehen. Auch die GSA äußerte Bedenken, nachdem der Chatbot antisemitische Inhalte und pro-hitleristische Aussagen auf der Plattform X verbreitet hatte.
Die GSA ließ ihr KI-Sicherheitsteam trotzdem grünes Licht geben. Das Team testete Grok 3 und Grok 4 auf systematische Verzerrungen und konnte die gemeldeten Probleme nicht reproduzieren. Die Behörde betonte, dass sie kontinuierlich Sicherheitsbenchmarks durchführt.
Elizabeth Warren fordert Transparenz
Senatorin Elizabeth Warren schickte einen vierseitigen Brief an Verteidungsminister Pete Hegseth. Sie verlangt Aufklärung darüber, wie ein Chatbot mit bekanntermaßen schwachen Schutzmechanismen Zugang zu klassifizierten Militärnetzen erhalten konnte. Warren verwies auf mehrere Vorfälle, darunter die Generierung von Deepfake-Bildern Minderjähriger, antisemitische Ausgaben und Anleitungen zu Gewalttaten.
Besonders kritisch sieht Warren die Gefahr von Datenlecks. Sollte Grok Regierungsinformationen preisgeben, könnten sensible Militärpläne und Geheimdienstoperationen offenbart werden. Zudem zeigten Regierungs-Tests, dass Grok anfälliger für Datenvergiftungsangriffe ist als Konkurrenzmodelle.
Ein Muster doppelter Standards
Der Fall offenbart ein wachsendes Problem in der KI-Regulierung. Während die EU mit dem AI Act klare Vorgaben für Hochrisiko-Systeme schafft, gehen US-Behörden unterschiedlich vor. OpenAI entfernte letztes Jahr sein Verbot militärischer Nutzungen. Anthropic arbeitet mit Palantir für Geheimdienste. Meta erlaubt die militärische Nutzung von Llama.
Zudem wurde bekannt, dass ein DOGE-Mitarbeiter unter Musks Aufsicht sensible Sozialversicherungsdaten Hunderte Millionen Amerikaner kopierte und für ein Technologie-Startup verwenden wollte. Der Pentagon-Beauftragte für verantwortungsvolle KI trat nach internen Warnungen zurück.
Was bedeutet das für die KI-Branche?
Regierungsaufträge sind für KI-Firmen zu einer entscheidenden Einnahmequelle geworden. xAI ist mit 80 Milliarden Dollar bewertet, verbrennt aber Milliarden an Entwicklungskosten. Der Regierungsauftrag liefert nicht nur Einnahmen, sondern auch Vertrauenswürdigkeit. Wenn das Pentagon Grok einsetzt, signalisiert das dem Markt Qualität.
Allerdings bleiben grundlegende Fragen offen. Wie werden KI-Modelle in kritischen Regierungsanwendungen auditiert? Welche Schutzmechanismen müssen vorhanden sein? Und wer kontrolliert, ob ein Milliardär mit politischem Einfluss besondere Zugänge erhält, die anderen Firmen verwehrt blieben?