Google sichert sich 110.000 NVIDIA-GPUs von SpaceX und zahlt dafür fast eine Milliarde Dollar jeden Monat. Der Deal zeigt, wie verzweifelt Big Tech nach Rechenleistung greift.
Google hat einen der größten Cloud-Infrastrukturverträge der Technologiegeschichte geschlossen. Laut einer SEC-Einreichung vom Freitag zahlt die Alphabet-Tochter SpaceX 920 Millionen Dollar pro Monat für den Zugriff auf rund 110.000 NVIDIA-Grafikprozessoren sowie zugehörige CPUs, Speicher und Netzwerkkomponenten. Der Vertrag läuft von Oktober 2026 bis Juni 2029 und umfasst damit eine Gesamtlaufzeit von 32 Monaten. Das entspricht einem Gesamtvolumen von fast 30 Milliarden Dollar.
Was der Deal im Detail bedeutet
Die Hardware steht in SpaceX-Rechenzentren, die ursprünglich für xAI-Workloads gebaut wurden. Nach der Fusion von SpaceX mit Elon Musks KI-Unternehmen xAI im Februar dieses Jahres entstand ein Konzern mit einer Bewertung von 1,25 Billionen Dollar. Die Rechenzentren rund um Memphis, Tennessee, sollten eigentlich Musks KI-Modell Grok antreiben. Allerdings hat Grok bislang kaum Marktanteile gegen Konkurrenten wie Anthropic oder OpenAI gewinnen können.
Deshalb monetarisiert SpaceX nun die freie Kapazität. Im Mai hatte bereits Anthropic einen ähnlichen Vertrag geschlossen, der dem Claude-Hersteller Zugriff auf die gesamte Rechenleistung des Colossus-1-Standorts in Memphis gibt. Google ist nun der zweite Großkunde.
Warum Google so tief in die Tasche greift
Ein Google-Cloud-Sprecher erklärte gegenüber CNBC, der Deal sichere Brückenkapazität für die stark wachsende Nachfrage nach der agentischen KI-Plattform Gemini Enterprise. Die Nachfrage sei noch höher als erwartet. Google hatte Gemini Enterprise im Oktober 2025 als Abo-Modell für Großunternehmen eingeführt.
Allerdings zeigt der Deal auch eine grundlegendere Problematik. Google stockt seine Kapazitätsplanung massiv auf und Alphabet plant 85 Milliarden Dollar durch Aktienverkäufe einzusammeln, darunter eine 10-Milliarden-Investition von Berkshire Hathaway. Die aktualisierte Prognose für Kapitalausgaben liegt bei 180 bis 190 Milliarden Dollar allein für dieses Jahr.
SpaceX nutzt GPU-Geschäft als IPO-Schuber
Der Deal kommt exakt rechtzeitig vor dem geplanten Börsengang von SpaceX nächste Woche. Das Unternehmen will 75 Milliarden Dollar einnehmen und an der Nasdaq notiert werden. Allerdings sind die KI-Geschäfte von SpaceX bisher tief in den roten Zahlen: Im ersten Quartal 2026 belief sich der Betriebsverlust des KI-Segments auf 2,5 Milliarden Dollar bei lediglich 818 Millionen Dollar Umsatz.
Die Kapitalausgaben im gleichen Zeitraum verdoppelten sich auf 10,1 Milliarden Dollar, wovon 7,7 Milliarden allein in die KI-Infrastruktur flossen. Die Verträge mit Google und Anthropic sollen Investoren zeigen, dass sich diese Investitionen langfristig auszahlen. Zudem konkurriert SpaceX mit sogenannten Neoclouds wie CoreWeave und Nebius, die ebenfalls GPU-Mietkapazitäten anbieten.
Sicherheitsklauseln schützen Google
Der Vertrag enthält strenge Schutzmechanismen für Google. Falls SpaceX bis zum 30. September 2026 nicht die zugesagte Anzahl an funktionierenden GPUs bereitstellt, kann Google den Vertrag sofort kündigen. Alternativ kann Google eine reduzierte GPU-Anzahl zu einem entsprechend niedrigeren Monatspreis akzeptieren, nachdem eine einmonatige Kulanzfrist abgelaufen ist.
Nach dem 31. Dezember 2026 kann jede Seite den Vertrag mit einer Frist von 90 Tagen kündigen. Zudem behält Google die vollständigen Eigentums- und Urheberrechte an allen Daten, proprietären Informationen und KI-Modellen, die über die Infrastruktur verarbeitet werden. Diese Klausel verhindert, dass SpaceX Zugang zu sensiblen Trainingsdaten oder Modellen von Google erhält.
Die Umkehrung einer alten Partnerschaft
Interessant ist auch die historische Dimension. Vor fünf Jahren schlossen Google und SpaceX bereits einen Cloud-Deal, allerdings mit umgekehrten Rollen. Damals lieferte Google die Rechen- und Netzwerkinfrastruktur, während SpaceX seine Starlink-Satelliten in Google-Rechenzentren installierte. Nun mietet Google die Infrastruktur von SpaceX. Die Rollen haben sich komplett gedreht.
Der Deal verdeutlicht den immensen Hunger nach KI-Rechenleistung. Wenn Google fast eine Milliarde Dollar pro Monat für GPU-Zeit ausgibt, zeigt das, wie knapp die Ressource geworden ist. Unternehmen sichern sich Kapazitäten, wo immer sie verfügbar sind, sogar bei einem Konkurrenten.