Google KI Stromverbrauch: 37 Prozent mehr Strom und das Netz-Zero-Versprechen

von Marcel Buchholz 05. Juli 2026 3 Min. Lesezeit News

Googles Stromverbrauch ist 2025 um 37 Prozent gestiegen, der größte einjährige Anstieg in der Unternehmensgeschichte. Der Treiber ist eindeutig: Künstliche Intelligenz. Der Konzern verbrauchte schätzungsweise 34 Terawattstunden, mehr als ganz Neuseeland in einem Jahr benötigt. Gleichzeitig rückt Googles eigenes Net-Zero-Ziel für 2030 in weite Ferne.

Was die Zahlen wirklich bedeuten

Googles 11. Umweltbericht, veröffentlicht am 30. Juni 2026, offenbart eine unbequeme Wahrheit. Der Konzern senkte zwar seine operativen Emissionen um 2 Prozent, gleichzeitig stieg der Gesamtstromverbrauch jedoch um 37 Prozent. Zudem deckten die erneuerbaren Zertifikate zwar 100 Prozent des gekauften Stroms ab, doch die physischen Elektronen, die in die Rechenzentren fließen, stammen weiterhin zu großen Teilen aus fossilen Quellen. Der Scope-3-Ausstoß, also die Emissionen der Lieferkette, macht mittlerweile rund 80 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks aus und wuchs um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Forschungen in Nature Climate Change haben gezeigt, dass dieser Zertifikats-Ansatz unlikely zu echten Emissionsreduktionen führt. Ein Zertifikat aus Iowa kann nicht die Kohlenstoffemissionen einer Halbleiterfabrik in Taiwan oder Vietnam kompensieren. Genau dort liegt jedoch Googles wachsendes Problem.

Warum Effizienz das Problem nicht löst

Google betont gerne, dass ein einzelner Gemini-Text-Prompt nur 0,24 Wattstunden verbraucht, weniger als neun Sekunden Fernsehen. Die Pro-Prompt-Effizienz verbesserte sich um das 44-fache innerhalb eines Jahres. Doch diese Zahl ist irreführend. Denn wenn KI billiger wird, nutzen mehr Menschen sie häufiger. Die Gesamtnachfrage steigt, selbst wenn der einzelne Aufruf weniger kostet. Dieses Phänomen nennt sich Jevons-Paradoxon, und Googles eigene Zahlen beweisen es eindrucksvoll.

Auch der Wasserverbrauch erzählt dieselbe Geschichte. Der betriebliche Wasserverbrauch kletterte um 34 Prozent auf 10,9 Milliarden Gallonen. In The Dalles, Oregon, verbraucht Google mittlerweile etwa 550 Millionen Gallonen, rund 40 Prozent des gesamten städtischen Jahresbedarfs.

Scope 3: Der blinde Fleck der Klimabilanz

Das Greenhouse Gas Protocol teilt Emissionen in drei Bereiche auf. Scope 1 umfasst direkte Emissionen, Scope 2 den gekauften Strom, und Scope 3 deckt die gesamte Lieferkette ab. Für Google ist Scope 3 mittlerweile der mit Abstand größte Posten. Die Herstellung von Servern und Chips in fossilen Netzen in Taiwan, Japan, Vietnam und Indien treibt diesen Wert. Zudem steuerte der Rechenzentrumsbau allein etwa 2,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent bei.

Google räumt selbst ein, dass der KI-Infrastrukturausbau derzeit schneller wächst als die Dekarbonisierung des Stromnetzes. Sasha Luccioni, Mitgründerin von Sustainable AI Group, formuliert es schärfer: Wir befinden uns in einer Klimakrise und dürften eigentlich gar keine Emissionssteigerungen haben, und doch gehen die Rechenzentren in die entgegengesetzte Richtung.

Netz-Zero 2030: Ein Versprechen auf dem Prüfstand

Googles Net-Zero-Ziel für 2030 ist strukturell gefährdet. Der Anteil an carbonfreier Energie an den Standorten fiel auf 48 Prozent, nachdem er jahrelang gestiegen war. Der Konzern zeichnete zwar 2025 Verträge über 12 Gigawatt netto neue saubere Energie, mehr als in den beiden Vorjahren zusammen. Dazu gehören ein Abkommen mit NextEra zur Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks Duane Arnold in Iowa und ein Fusionsenergie-Deal mit Commonwealth Fusion Systems. Dennoch reicht das Tempo nicht aus.

Amazon meldete im selben Zeitraum einen Emissionsanstieg von 16 Prozent für 2025. Beide Berichte zusammen zeichnen ein klares Bild: Der KI-Wettlauf erzwingt ein Energiewachstum, das erneuerbare Quellen nicht im gleichen Tempo bedienen können.

Was das für die KI-Industrie bedeutet

Googles 37-Prozent-Sprung ist kein Einzelfall, sondern ein Branchensignal. Microsoft verzeichnete seit 2020 einen Emissionsanstieg von 30 Prozent. Die gesamte Hyperscaler-Schicht steht vor demselben strukturellen Konflikt: Der KI-Wettbewerb erfordert Rechenleistung in einem Tempo, das erneuerbare Energiequellen nicht mithalten können. Wer jetzt Energieinfrastruktur aufbaut, baut einen Burggraben. Denn physische Infrastruktur, Stromversorgung und Kühlung lassen sich nicht durch ein Software-Update oder eine Finanzierungsrunde ersetzen.

Die Frage ist nicht mehr, ob KI viel Strom verbraucht. Die Frage ist, ob die Industrie bereit ist, die echte Rechnung zu bezahlen, nicht nur die auf dem Papier.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.