Google KI Cashflow kollabiert: 44,9 Milliarden verbrennen den Rekordgewinn

von Marcel Buchholz 28. Juli 2026 3 Min. Lesezeit News

Alphabet hat im zweiten Quartal 2026 eine historische Marke geknackt. Allerdings die falsche. Zum ersten Mal seit dem Börsengang vor 22 Jahren verzeichnet Google einen negativen Cashflow. Die Ursache? KI-Infrastruktur, die mehr verschlingt, als das Unternehmen erwirtschaftet.

119,8 Milliarden Einnahmen reichen nicht

Die Zahlen lesen sich wie ein Widerspruch. Alphabet verbuchte im Q2 2026 einen Umsatz von 119,8 Milliarden Dollar, 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Google Cloud allein brachte 24,8 Milliarden Dollar ein, ein Plus von 82 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Suchsparte generierte 63,3 Milliarden Dollar. YouTube wuchs um 12,2 Prozent auf 11,1 Milliarden Dollar.

Doch der operative Cashflow von 39,1 Milliarden Dollar reicht nicht aus. Alphabet gab 44,9 Milliarden Dollar für Immobilien und Ausrüstung aus. Das Ergebnis: ein negativer freier Cashflow von minus 5,85 Milliarden Dollar. Im Vorquartal lag der Wert noch bei plus 10,1 Milliarden Dollar.

60 Prozent Server, 40 Prozent Rechenzentren

Finanzvorstand Anat Ashkanazi erklärte den Analysten die Aufteilung. Rund 60 Prozent der 44,9 Milliarden Dollar flossen in Server, die restlichen 40 Prozent in Rechenzentren. Nahezu die gesamte Summe hängt mit KI zusammen. Das Investitionsvolumen hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Im Q2 2025 lag es noch bei 22,4 Milliarden Dollar.

Alphabet erhöhte die Kapitalausgaben-Prognose für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Dollar. Zuvor waren es 180 bis 190 Milliarden. Für 2027 erwartet das Unternehmen einen noch höheren Wert. Die Ausgaben wachsen sechsmal schneller als 2022, als Alphabet nur 31 Milliarden Dollar für Infrastruktur ausgab.

Schulden statt Rückkäufe

Um die KI-Offensive zu finanzieren, geht Alphabet neue Wege. Im Juni 2026 gab das Unternehmen Aktien und Pflichtwandelanleihen im Wert von 49,6 Milliarden Dollar aus. Die Erlöse sind ausdrücklich für KI-Infrastruktur bestimmt. Zusätzlich wurden 20,3 Milliarden Dollar an Anleihen begeben. Die langfristigen Schulden stiegen von 46,5 auf 98,2 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig setzte Alphabet seine Aktienrückkäufe komplett aus. Im Vergleichsquartal 2025 hatte das Unternehmen noch 13,2 Milliarden Dollar für Rückkäufe ausgegeben. Kein einziges Dollar floss in diesem Quartal in die eigenen Aktien.

Gewinnzahl trügt

Der ausgewiesene Nettogewinn von 112,1 Milliarden Dollar wirkt beeindruckend. Doch fast der gesamte Betrag stammt aus nicht realisierten Gewinnen von Beteiligungen. Allein der SpaceX- und Anthropic-Aktienbestand brachte 99 Milliarden Dollar Buchgewinn. Der operative Gewinn lag bei 40,8 Milliarden Dollar, ein solides Plus von 30 Prozent. Dennoch reicht er nicht, um die Kapitalausgaben zu decken.

Google Cloud als Hoffnungsträger

Es gibt jedoch auch positive Signale. Der operative Gewinn von Google Cloud verdreifachte sich auf 8,8 Milliarden Dollar, verglichen mit 2,8 Milliarden im Vorjahr. Das zeigt, dass die investierte Rechenkapazität sich tatsächlich vermieten lässt. CEO Sundar Pichai betonte, dass fast 90 Prozent der Fortune-500-Unternehmen die Gemini-Enterprise-Plattform nutzen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, so Pichai.

Gemini-Modelle verarbeiten mittlerweile 22 Milliarden API-Tokens pro Minute. Die Gemini-App erreicht 950 Millionen monatliche Nutzer. Google beginnt zudem, eigene TPU-Chips an Kunden zu verkaufen, was einen neuen Markt eröffnet.

Was der negative Cashflow bedeutet

Die Frage, die Investoren beschäftigt, lautet: Kann Google die Lücke zwischen Ausgaben und Einnahmen schließen, bevor die Abschreibungen die Margen drücken? Das Anlagevermögen ist auf 321 Milliarden Dollar angestiegen. Die steigende Abschreibung dieser Werte wird als Belastung für künftige Gewinne genannt.

Zudem verschärft sich der Wettbewerb um knappe Ressourcen. Strom, Grundstücke und Chips werden zum Flaschenhals der KI-Industrie. Neue Rechenzentren brauchen enorm viel Energie. Googles eigenes Tensor-8i- und Tensor-8t-Chip-Design soll effizienter sein, aber die Skalierung bleibt eine Herausforderung.

Der Aktienkurs fiel nach der Veröffentlichung um 4,5 Prozent. Zusätzlich belastet die verzögerte Veröffentlichung von Gemini 3.5 Pro die Stimmung. Berichte über Abgänge von KI-Forschern und interne Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber GPT-5.6 und Claude Mythos tragen zum Druck bei.

KI-Branche steht vor derselben Rechnung

Google ist nicht allein. Die gesamte KI-Industrie rechnet mit Investitionen von über 700 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Meta stockt ebenfalls auf und kauft Rechenkapazität bei Anthropic. Der Unterschied: Google hat mit Search, YouTube und Cloud diversifizierte Einnahmequellen. Andere Unternehmen stehen auf wackeligeren Beinen.

Der negative Cashflow zeigt einen Branchentrend. KI-Giganten setzen alles auf eine Karte. Die Frage bleibt, ob die Nachfrage nach KI-Diensten die Investitionen jemals einspielen wird. Google hat den ersten Beweis geliefert, dass sogar 119,8 Milliarden Dollar Umsatz nicht ausreichen, um das Tempo der KI-Aufrüstung mitzuhalten.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.