Getty Images OpenAI Deal: KI zeigt lizenzierte Fotos in ChatGPT

von Marcel Buchholz 24. Juni 2026 3 Min. Lesezeit News

Getty Images und OpenAI haben eine Partnerschaft geschlossen, die die Branche aufhorchen lässt. Lizenzierte Fotos von Getty erscheinen künftig in ChatGPT. Die Aktie explodierte daraufhin um bis zu 200 Prozent. Der Deal markiert einen Wendepunkt im Konflikt zwischen Urheberrecht und KI.

Was der Getty-OpenAI-Deal beinhaltet

Am 21. Juni 2026 gab Getty Images eine mehrjährige Display-Partnerschaft mit OpenAI bekannt. Die Vereinbarung bringt die lizenzierte Bildbibliothek von Getty direkt in die Such- und Entdeckungsfunktionen von ChatGPT. Nutzer, die Fragen zu Nachrichtenereignissen, Reisezielen oder Produkten stellen, sehen künftig echte Fotos mit Quellennachweis anstelle von KI-generierten Platzhaltern.

Getty-CEO Craig Peters betonte, dass hochwertige lizenzierte Inhalte KI-gestützte Suchen nützlicher und vertrauenswürdiger machen. Die Partnerschaft mit OpenAI spiegele diese gemeinsame Überzeugung wider.

Von der Klage zur Zusammenarbeit

Der Kurswechsel ist dramatisch. Im September 2022 verbot Getty alle KI-generierten Bilder in seiner Bibliothek. Wenig später verklagte das Unternehmen Stability AI wegen Urheberrechtsverletzung. Die Klage behauptete, dass rund 12 Millionen Getty-Bilder ohne Erlaubnis zum Training von Stable Diffusion verwendet worden waren. Ein britisches Gericht wies die zentrale Urheberrechtsklage jedoch im November 2025 weitgehend ab.

Im Oktober 2025 schloss Getty einen ähnlichen Deal mit Perplexity AI. Auch dort wurden die Bilder nur angezeigt und nicht fürs Training genutzt. Das OpenAI-Abkommen folgt demselben Muster, jedoch mit einer deutlich größeren Reichweite. ChatGPT erreicht hunderte Millionen Nutzer weltweit.

Aktie explodiert um 145 bis 200 Prozent

Die Marktreaktion war massiv. Getty-Aktien schnellten im Premarket-Handel um bis zu 200 Prozent in die Höhe und notierten im regulären Handel noch bei einem Plus von rund 145 Prozent. Getty war zuvor eine der am meisten leerverkauften Aktien am Markt gewesen. Das traditionelle Stockfoto-Geschäft stand unter Druck, weil KI-generierte Bilder die Nachfrage nach lizenziertem Material erodierten.

Der Deal positioniert Getty nun als Infrastruktur-Anbieter für KI-Suche statt als deren Opfer. Der Aktienanstieg reflektiert sowohl Short-Covering als auch eine echte Neubewertung des Geschäftsmodells.

Warum nur Display und kein Training

Bemerkenswerterweise enthält die Vereinbarung keine Bestimmungen über die Nutzung von Getty-Bildern für das Training zukünftiger KI-Modelle. Das Perplexity-Abkommen erlaubt ebenfalls kein Training. Die Unterscheidung zwischen Display und Training ist entscheidend. OpenAI erhält Zugang zur Getty-Bibliothek für die Anzeige in Suchergebnissen, nicht aber für die Weiterverarbeitung in Trainingsdaten.

OpenAI hatte bereits einen ähnlichen Deal mit Shutterstock für das Training von DALL-E geschlossen. Das Getty-Abkommen erschließt nun einen separaten Kanal für die Anzeige redaktioneller Fotografie in sachlichen Suchkontexten.

Was das für die Branche bedeutet

Die Partnerschaft signalisiert einen Strategiewechsel in der Urheberrechtsdebatte. Anstatt KI-Unternehmen nur zu bekämpfen, entscheiden sich zunehmend Rechteinhaber für Lizenzierungsabkommen. OpenAI hat in den letzten zwei Jahren Content-Vereinbarungen mit News Corp, Financial Times und Axel Springer geschlossen. Getty ist nun der erste große visuelle Content-Anbieter auf dieser Skala.

Allerdings bleibt die Frage, ob die Lizenzierung allein ausreicht, um den strukturellen Druck durch KI-generierte Bilder aufzufangen. Fotografen und Bildagenturen erhalten zwar einen neuen Vertriebskanal über ChatGPT. Doch die Vergütungsstruktur wurde nicht öffentlich gemacht.

OpenAI baut das Werbe-Imperium aus

Der Deal passt in eine größere Strategie von OpenAI. Das Unternehmen hat auf der Cannes Lions einen Sieben-Markt-Werbeplan für ChatGPT präsentiert. Lizenzierte Bilder mit klarer Herkunft machen ChatGPT als Such- und Entdeckungsplattform attraktiver für Werbetreibende. Die 852-Milliarden-Dollar-Bewertung von OpenAI erfordert zunehmende Umsatzquellen über einfache Abos hinaus.

Gleichzeitig signalisiert die Getty-Partnerschaft, dass KI-Unternehmen bereit sind, für lizenzierte Inhalte zu bezahlen. Das könnte ein Präzedenzfall für die gesamte Branche werden. Wer künftig als KI-Firma lizenzierte Bilder zeigen will, braucht einen Vertrag mit den Rechteinhabern.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.