Die amerikanische Regierung hat am 22. Juli 2026 mehr als 5 Milliarden Dollar für die sogenannte Genesis Mission zugesagt. Damit rückt Künstliche Intelligenz in das Zentrum der staatlichen Forschungsförderung. 278 Projekte aus über 5.000 Bewerbungen wurden ausgewählt. Mehr als 15 Bundesbehörden beteiligen sich an dem Programm, das als größte Mobilisierung staatlicher Wissenschaftsressourcen seit dem Apollo-Programm gilt.
Was ist die Genesis Mission?
Die Genesis Mission wurde im November 2025 per Exekutivverordnung von Präsident Trump ins Leben gerufen. Geleitet wird sie vom Energieministerium (DOE) unter der Leitung von Under Secretary Darío Gil. Ziel ist es, Künstliche Intelligenz systematisch in die wissenschaftliche Forschung zu integrieren. Die DOE erhielt die größte Bewerbungsflut in der Geschichte des Ministeriums. Ausgewählt wurden 278 Projekte, die sich auf Bereiche wie Kernenergie, biomedizinische Forschung, Quantencomputer, Mikroelektronik und nationale Sicherheit konzentrieren.
Allerdings gibt es einen Haken: Die Gesamtfinanzierung für wissenschaftliche Forschung soll 2027 tatsächlich sinken. Das erklärte Michael Kratsios, der wissenschaftliche Berater des Weißen Hauses, vor dem Kongress. Die 5 Milliarden Dollar stammen aus bestehenden Haushalten der NSF, NASA und anderer Bundesbehörden. Es handelt sich also eher um eine Umschichtung als um zusätzliches Geld.
Prometheus: Das größte Einzelprojekt
Die größte Einzelförderung geht an Project Prometheus mit 60 Millionen Dollar. Dieses dreijährige Vorhaben nutzt KI, um Kernreaktoren zu entwerfen, zu lizenzieren, herzustellen und zu betreiben. Das Projektteam hat zusätzlich über 200 Millionen Dollar an Industrieanteilen und 30 Millionen Dollar an privatem Kapital eingeworben. Damit ist Prometheus ein Beispiel für die öffentlich-private Partnerschaft, die die Genesis Mission vorantreiben will.
Google DeepMind steuert 40 Millionen bei
Google DeepMind beteiligt sich mit 40 Millionen Dollar an KI-Tokens und Cloud-Credits an der Genesis Mission. Das Unternehmen stellt damit Rechenleistung und Zugriff auf seine Modelle für Forscher zur Verfügung. Microsoft steuert weitere 60 Millionen Dollar bei. Die Beteiligung von Big Tech zeigt, dass die Initiative nicht nur staatlich getragen wird, sondern auch die großen KI-Firmen an Bord holt.
Paradigmenwechsel in der Forschungsförderung
Parallel zur Genesis Mission veröffentlichte Kratsios den Bericht “Science: A New Golden Age”. Darin fordert die Regierung eine grundlegende Neuausrichtung der Forschungsförderung. Statt Universitäten sollen künftig einzelne Wissenschaftler und KI-gestützte Forschungssysteme im Mittelpunkt stehen. Als Vorbild dient der NIH Director’s Pioneer Award, der Forschern bis zu 700.000 Dollar jährlich für fünf Jahre gibt, ohne dass ein detaillierter Versuchsplan nötig ist.
Diese Neuorientierung ist umstritten. Tausende Wissenschaftler, darunter mehrere Nobelpreisträger, kritisieren eine geplante Änderung der Finanzierungsregeln. Diese würde politischen Beamten statt Gutachtern die Entscheidung über Forschungsgelder übertragen. Kratsios verteidigt den Ansatz: Es gebe einen “realen Rückgang an bahnbrechenden Ideen” bei herkömmlichen Förderverfahren.
KI-Wettlauf mit China
Die Genesis Mission steht im Kontext des verschärften KI-Wettlaufs zwischen den USA und China. Laut dem Stanford AI Index 2026 ist der Leistungsvorsprung amerikanischer KI-Modelle auf unter drei Prozent geschrumpft, obwohl die USA 23-mal mehr privates KI-Kapital investieren. Die Initiative soll helfen, den technologischen Vorsprung durch öffentliche Förderung statt nur durch Exportkontrollen zu sichern. Neben der Genesis Mission gehören auch Milliarden an EXIM-Exportfinanzierung für KI-Infrastruktur und Exekutivverordnungen zu Quantencomputern zu dieser Strategie.
15 Bundesbehörden arbeiten zusammen
Die Genesis Mission ist keine reine DOE-Initiative mehr. NASA, Verteidigungsministerium, Gesundheitsministerium (HHS), Verkehrsministerium, Landwirtschaftsministerium und das National Institute of Standards and Technology (NIST) gehören zu den teilnehmenden Behörden. HHS-Secretary Robert Kennedy betonte, KI solle helfen, “die Ursachen chronischer Krankheiten aufzudecken und lebensrettende Durchbrüche zu beschleunigen”. NASA-Administrator Jared Isaacman sah in der Mission eine Chance, “KI-Werkzeuge zu entwickeln, die Erkundung beschleunigen und Amerikas Führung im Weltraum stärken”.
Die American Science and Security Platform, die vom DOE gebaut wird, stellt dabei die gemeinsame Infrastruktur. Sie verbindet Forscher mit Daten, Rechenleistung und KI-Werkzeugen. Alle Behörden mit mindestens 3 Milliarden Dollar Forschungsetat müssen innerhalb von 90 Tagen Umsetzungspläne vorlegen.