Nur wenige Stunden bevor Claude Fable 5 aus den Abo-Plänen verschwinden sollte, lenkt Anthropic ein. Das Top-Modell bleibt bis zum 12. Juli kostenlos für Bezahlabonnenten. Doch danach wird es richtig teuer. Die Geschichte dahinter reicht von US-Exportkontrollen bis zu einer Sammelklage.
Was passiert mit Fable 5?
Anthropic hatte Ende Juni angekündigt, dass Fable 5 ab dem 8. Juli nicht mehr in den normalen Abo-Grenzen von Pro, Max, Team und Enterprise enthalten sei. Stattdessen sollten Nutzer auf Usage-Credits umsteigen. Das bedeutet: Jeder Token kostet extra, zusätzlich zum bestehenden Abo-Preis. Die Preise sind beträchtlich. Fable 5 verlangt 10 Dollar pro Million Input-Token und 50 Dollar pro Million Output-Token. Damit ist es doppelt so teuer wie Opus 4.8, das bisher stärkste Modell.
Warum Anthropic jetzt einlenkt
Doch am 7. Juli, kurz vor Mitternacht pazifischer Zeit, änderte Anthropic den Plan. Die Firma verlängerte das kostenlose Fenster bis zum 12. Juli. Bezahlabonnenten können Fable 5 weiterhin für bis zu 50 Prozent ihres wöchentlichen Nutzungslimits nutzen. Allerdings ohne zusätzliche Kosten. Die Entscheidung kam nach erheblichen Protesten der Nutzer. Viele bezahlen bereits 200 Dollar im Monat für Max und fühlten sich übervorteilt. Eine Sammelklage, die im Juni eingereicht wurde, wirft Anthropic vor, die Max-Pläne mit weniger tatsächlicher Nutzung zu verkaufen als beworben.
Der Weg zur Abrechnungs-Klippe
Die aktuelle Situation hat eine längere Vorgeschichte. Fable 5 startete am 9. Juni als erstes öffentliches Modell aus der Mythos-Klasse. Ursprünglich sollte es bis zum 22. Juni kostenlos bleiben. Doch drei Tage nach dem Launch griff die US-Regierung durch. Das Handelsministerium unter Howard Lutnick verlangte eine Exportlizenz. Der Grund war ein Jailbreak-Verfahren, das Amazon-Forscher entdeckt hatten. Daraufhin suspendierte Anthropic beide Modelle weltweit für 19 Tage. Fable 5 kehrte am 1. Juli zurück, nachdem die Exportkontrollen aufgehoben wurden. Das war das erste Mal, dass die US-Regierung Exportkontrollen auf ein kommerzielles KI-Modell anwandte. Österreich reagierte darauf mit dem Versuch, Anthropic nach Europa zu holen.
Neuer Sicherheitsfilter mit Nebenwirkungen
Nach der Wiederfreigabe am 1. Juli installierte Anthropic einen neuen Klassifikator. Dieser blockiert nun 99 Prozent der Jailbreak-Versuche nach der Amazon-Methode. Allerdings gibt es einen Haken. Unabhängige Tests von BridgeMind zeigen, dass nur 3 von 12 TypeScript-Debugging-Aufgaben Fable 5 tatsächlich erreichten. Die anderen 9 wurden still zum schwächeren Opus 4.8 umgeleitet. Das bedeutet, dass die Sicherheitsmaßnahme legitime Programmieraufgaben blockiert. Nutzer merken davon oft nichts, weil die Anfrage einfach an ein anderes Modell weitergeleitet wird.
Was Nutzer jetzt tun müssen
Nach dem 12. Juli greift die kreditbasierte Abrechnung. Wer Fable 5 weiterhin nutzen möchte, muss Usage-Credits aktivieren und aufladen. Diese gelten sowohl für Chat-Gespräche als auch für Claude-Code-Sitzungen. Für Gelegenheitsnutzer mit etwa 200.000 Input-Token täglich liegen die Kosten bei rund 4,50 Dollar pro Tag oder 135 Dollar monatlich zusätzlich zum Abo. Entwickler, die Fable 5 in agentischen Modi einsetzen, zahlen deutlich mehr. Die Modelle Opus 4.8, Sonnet 5 und Haiku 4.5 bleiben von der Änderung unberührt und funktionieren weiterhin innerhalb der normalen Abo-Grenzen.
Ausblick: Wird Fable 5 wieder kostenlos?
Ein Claude-Code-Ingenieur schrieb auf X, dass Anthropic plane, Fable 5 wieder in die Standard-Pläne aufzunehmen. Allerdings nur, wenn die Kapazität es zulässt. Einen Zeitplan dafür gibt es nicht. Angesichts der Tatsache, dass das kostenlose Fenster von zwei Wochen auf sechs Tage und dann auf knapp zwei Wochen verkürzt wurde, bleibt die Frage, ob und wann Fable 5 dauerhaft in den Abo-Plänen zurückkehrt. Die Nachricht ist klar: Anthropic positioniert Fable 5 als Premium-Produkt, und die Nutzer zahlen die Zeche. Anthropic hat bestätigt, dass Fable 5 bis zum 12. Juli für bezahlte Pläne verfügbar bleibt.