EU zwingt Google: Android muss KI-Konkurrenten öffnen

von Marcel Buchholz 17. Juli 2026 3 Min. Lesezeit Politik

Die Europäische Kommission hat Google zwei bindende Beschlüsse nach dem Digital Markets Act auferlegt. Ab Juli 2027 muss Android KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude denselben Zugang gewähren wie Googles eigenen Dienst Gemini. Zudem muss Google ab Januar 2027 Suchdaten mit Konkurrenten teilen. Der Beschluss markiert einen Wendepunkt für den europäischen KI-Markt.

Zwei Beschlüsse, ein Ziel: Mehr Wettbewerb

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2026 zwei bindende Spezifikationsmaßnahmen für Google erlassen. Beide basieren auf dem Digital Markets Act und zielen darauf ab, Googles dominante Stellung bei Android-Geräten und in der Websuche aufzubrechen. Konkret geht es um 11 Android-Funktionen, die bisher nur Gemini zur Verfügung stehen.

Der erste Beschluss betrifft KI-Assistenten auf Android. Bisher erhalten Nicht-Google-Assistenten nur eingeschränkten Zugang zu wichtigen Gerätefunktionen. Das benachteiligt Wettbewerber wie OpenAI, Anthropic oder Mistral bei 60 Prozent der EU-Nutzer, die ein Android-Gerät nutzen. Künftig sollen Nutzer ihren bevorzugten KI-Assistenten per Sprachbefehl aktivieren können, ähnlich dem Hey-Google-Kommando. Zudem müssen die Assistenten in Apps handeln dürfen, etwa ein Taxi rufen oder Chat-Antworten vorschlagen.

Suchdaten für alle: Googles Wissen wird geteilt

Der zweite Beschluss verpflichtet Google, Suchdaten mit konkurrierenden Suchmaschinen und KI-Chatbots zu teilen. Bisher sammelt nur Google Suchdaten im großen Maßstab und nutzt sie zur Verbesserung der eigenen Dienste. Das schafft einen Teufelskreis: Mehr Daten führen zu besseren Ergebnissen, was wiederum mehr Nutzer anzieht. Die EU will diesen Kreislauf durchbrechen.

Allerdings gibt es Schutzmaßnahmen. Daten werden anonymisiert, sensible Einträge unterdrückt und Nutzer in Gruppen von mindestens 1.000 zusammengefasst. Nur geprüfte Unternehmen mit nachweisbaren Plänen zur Suchverbesserung erhalten Zugang. Google kann außerdem Unternehmen ablehnen, die Sicherheitsrisiken darstellen. Die Preisformel für die Daten wird von der Kommission vorgegeben.

Google wehrt sich: Datenschutz als Schutzschild

Google zeigt sich unzufrieden. Kent Walker, President of Global Affairs, erklärte, die Beschlüsse gefährdeten lebenswichtige Datenschutz- und Sicherheitsvorkehrungen für Millionen Europäer. Die privaten Suchanfragen würden fremden Unternehmen ohne angemessene Anonymisierung und ohne Wissen der Nutzer ausgeliefert. Zudem argumentiert Google, dass KI-Assistenten bereits Zugang zu Android hätten und Handyhersteller eine wichtige Rolle bei der Prüfung spielen.

Die Kommission hält dem entgegen, dass die Anonymisierungsmaßnahmen robust seien. Google könne zudem Daten jedem Unternehmen verweigern, das ernsthafte Sicherheitsrisiken birgt. Die Datenschutzbedenken seien daher nicht stichhaltig, so der Tenor aus Brüssel.

Zeitplan: Zwei Jahre Umsetzungsfrist

Google hat Zeit, die Vorgaben umzusetzen. Die Suchdaten-Freigabe startet im Januar 2027. Die Android-Änderungen müssen bis Juli 2027 umgesetzt sein. Beide Fristen geben Google Raum, die technischen Details mit den EU-Regulierern abzustimmen.

Falls Google die Vorgaben nicht einhält, drohen Strafen von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Die Kommission hat bereits im Januar 2026 die sogenannten Spezifikationsverfahren eröffnet. Die jetzigen Beschlüsse sind das Ergebnis dieses sechs Monate dauernden Prozesses.

Größerer Kontext: DMA gegen Big Tech

Der Beschluss ist Teil einer breiteren EU-Strategie gegen Marktmacht von Großkonzernen. Die Kommission hat bereits Meta aufgefordert, süchtigmachende Designelemente zu entfernen. Google musste seinen Play Store für Drittanbieter öffnen. Auch die Android-Wahlbildschirme stehen unter Beobachtung. Die Trump-Regierung kritisiert die DMA jedoch als ungerechte Bevorzugung europäischer Firmen zulasten amerikanischer Unternehmen.

Interessant ist auch der Unterschied zu Apple: Der iPhone-Hersteller muss seine Siri-KI bereits vor dem europäischen Launch konform machen. Google bekommt mehr Zeit, weil Android bereits etabliert ist und die Änderungen komplexer ausfallen.

Was das für Nutzer bedeutet

Für europäische Android-Nutzer könnte sich der Alltag spürbar verändern. Statt Gemini als Standard könnten sie ChatGPT, Claude oder andere KI-Assistenten per Sprachbefehl aufrufen. Die Assistenten würden tiefer in Apps integriert und könnten Handlungen direkt ausführen. Bei der Suche könnten alternative Anbieter von Googles Datenmacht profitieren und bessere Ergebnisse liefern.

Die Maßnahme stärkt außerdem europäische KI-Startups, die bisher gegenüber Googles Plattformvorteil benachteiligt waren. Wenn Suchdaten und Android-Zugang fair verteilt werden, entsteht Raum für Innovation jenseits von Google. Ob die Datenschutzeinwände berechtigt sind oder lediglich strategisch motiviert, wird die Praxis zeigen.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.