EU DMA: 890 Millionen Euro Strafe gegen Google

von Marcel Buchholz 23. Juli 2026 3 Min. Lesezeit Politik

Die Europäische Kommission hat Google mit einer Rekordstrafe von 890 Millionen Euro belegt. Es ist die erste Geldbuße unter dem Digital Markets Act, und sie trifft den Konzern genau dort, wo es wehtut: bei der Suchmaschine und dem App-Store. Zwei Verstöße hat Brüssel festgestellt, und beide haben weitreichende Folgen für die digitale Wettbewerbspolitik in Europa.

Was ist passiert?

Am 23. Juli 2026 verkündete die EU-Kommission zwei Entscheidungen gegen Google. Die erste Strafe über 460 Millionen Euro betrifft die Selbstbevorzugung eigener Dienste in der Google-Suche. Die zweite über 430 Millionen Euro geht auf Verstöße gegen die sogenannten Anti-Steering-Regeln im Google Play Store. Insgesamt also 890 Millionen Euro, knapp eine Milliarde US-Dollar.

Damit handelt es sich um die bislang höchste Strafe unter dem DMA, der 2024 in Kraft getretenen EU-Verordnung, die große Tech-Plattformen zu fairem Wettbewerb zwingen soll. Betroffen sind sogenannte Gatekeeper, also Unternehmen mit besonders großer Marktmacht. Neben Google gehören auch Apple, Meta und Microsoft zu dieser Gruppe.

Selbstbevorzugung in der Google-Suche

Der erste Vorwurf lautet: Google positioniert eigene Dienste in den Suchergebnissen bevorzugt. Konkret geht es um Shopping-Ergebnisse, Hotels, Transport und Sportergebnisse. Die Kommission stellte fest, dass Google diese eigenen Angebote prominent oben platziert, mit erweiterten visuellen Elementen und Filtern, die Drittanbieter nicht bekommen.

Das ist ein klassischer Wettbewerbsverstoß. Wenn das mächtigste Suchunternehmen der Welt eigene Produkte sichtbarer macht als Konkurrenzangebote, entsteht ein unfairer Marktvorteil. Zudem kündigte die Kommission an, die DMA-Regeln auch auf Googles KI-Überblick und den KI-Modus anzuwenden, was die Dimension des Problems deutlich erweitert.

Anti-Steering: Google Play blockiert günstigere Alternativen

Der zweite Vorwurf betrifft den Google Play Store. Nach dem DMA müssen App-Entwickler Kunden über günstigere Angebote außerhalb des Stores informieren dürfen. Google hat genau das verhindert. Entwickler durften nicht frei kommunizieren, welche Alternativen es gab, und konnten Nutzer nicht auf andere Kanäle lenken.

Außerdem kritisierte die Kommission die Höhe und Dauer der Vermittlungsgebühren, die Google erhob. Diese gingen weit über das hinaus, was der DMA für vertretbar hält. Entwickler, die eine App über Google Play vertreiben, wurden also doppelt benachteiligt: Sie durften keine Alternativen bewerben und zahlten übermäßig hohe Provisionen.

Googles Gegenreaktion

Google-Justizchef Kent Walker reagierte prompt und scharf. Die DMA-Umsetzung zwinge das Unternehmen, Funktionen abzubauen, die europäische Nutzer schätzten. Dazu gehörten Echtzeit-Preise für Hotels und Flüge sowie Sicherheitsfunktionen im Play Store. Walker sprach von Produktverschlechterung durch eine kleine Gruppe eigennütziger Beschwerdeführer. Google prüft laut eigener Aussage, ob es gegen die Entscheidung Berufung einlegt.

Allerdings hatte Google bereits begonnen, Änderungen umzusetzen. Die Kommission erklärte, dass diese einen wesentlichen Fortschritt Richtung Compliance darstellten. Google hat nun 60 Tage Zeit, die Verstöße vollständig zu beheben, andernfalls drohen Strafzahlungen von bis zu 5 Prozent des weltweiten Umsatzes.

Was bedeutet das für den KI-Markt?

Die Strafe ist nicht nur ein Wettbewerbsthema. Sie hat direkte Auswirkungen auf den KI-Sektor. Die Kommission signalisierte ausdrücklich, dass die gleichen DMA-Prinzipien auf Googles KI-Überblick und den neuen KI-Modus angewendet werden. Wenn Google also eigene KI-Antworten in der Suche bevorzugt, könnte das der nächste Fall werden.

Damit wird der DMA zu einem zentralen Instrument für die Regulierung von KI-Plattformen. Die Botschaft an alle Gatekeeper ist klar: Selbstbevorzugung wird bestraft, egal ob es sich um klassische Suchergebnisse oder KI-generierte Antworten handelt. Das ist besonders relevant, da Google mit Gemini zunehmend KI-Antworten direkt in die Suche integriert.

Historischer Kontext und Einordnung

Diese Strafe steht nicht isoliert. Die EU hat Google bereits in früheren Verfahren mit Milliardenstrafen belegt, etwa wegen kartellrechtlicher Verstöße bei Android und Shopping. Der DMA-Ansatz geht jedoch einen Schritt weiter: Statt langwieriger Kartellverfahren setzt Brüssel auf präventive Regulierung. Unternehmen müssen sich proaktiv an Regeln halten, nicht erst nachdem ein Verstoß bewiesen wurde.

Für Nutzer bedeutet die Entscheidung, dass Google künftig fairere Suchergebnisse zeigen muss und App-Entwickler mehr Freiheiten bei der Vermarktung bekommen. Ob das die Nutzererfahrung tatsächlich verbessert, wie Google bezweifelt, oder den Wettbewerb stärkt, wie die Kommission argumentiert, wird sich in der Praxis zeigen.

Die Strafe von 890 Millionen Euro markiert einen Wendepunkt. Der DMA ist kein Papiertiger mehr. Und mit Blick auf die wachsende Rolle von KI in Regulierung und Wettbewerb dürfte dies erst der Anfang sein.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.