DeepMind ohne CEO: Hassabis übergibt an Kavukcuoglu und Jeff Dean startet Discovery Loop

von Marcel Buchholz 05. August 2026 3 Min. Lesezeit News

Hassabis wechselt vom operativen Geschäft in die Strategie

Demis Hassabis, Mitgründer und bislang CEO von Google DeepMind, gibt die Tagesführung ab. Sundar Pichai verkündete am 5. August 2026 eine umfassende Umstrukturierung der KI-Sparte. Hassabis wird künftig als Chair von Google DeepMind und Chief Scientist von Alphabet fungieren. Sein Fokus liegt fortan auf der langfristigen AGI-Strategie und wissenschaftlicher Entdeckung.

Hassabis selbst schrieb dazu: „Ich habe mein ganzes Leben auf AGI hingearbeitet, und nun, da es näher rückt, ist es entscheidend, die nächsten Schritte richtig zu machen.“ Die operative Verantwortung übernimmt Koray Kavukcuoglu, der bisherige CTO von DeepMind. Er wird zum Senior Vice President befördert und berichtet direkt an Pichai. Kavukcuoglu ist seit 13 Jahren bei DeepMind und war maßgeblich an Durchbrüchen wie WaveNet und DQN beteiligt.

Jeff Dean verlässt Google nach 27 Jahren

Der zweite Schock trifft die Entwicklergemeinde: Jeff Dean, Googles Chief Scientist und einer der einflussreichsten Ingenieure der Firmengeschichte, verlässt das Unternehmen nach 27 Jahren. Gemeinsam mit drei langjährigen Kollegen gründet er Discovery Loop, eine Public Benefit Corporation, die wissenschaftliche Entdeckungen durch automatisierte KI-Forschung beschleunigen will.

Die Mitgründer sind Sanjay Ghemawat, Oriol Vinyals und Quoc Le. Zusammen haben sie Systeme wie Google Search, TensorFlow, AlphaFold und Gemini entwickelt. Discovery Loop will den wissenschaftlichen Zyklus automatisieren: Statt ein Experiment nach dem anderen laufen zu lassen, sollen KI-Systeme Tausende Iterationen parallel ausführen. Google ist als Gründungsinvestor und Cloud-Partner beteiligt.

Talentabfluss bei DeepMind beschleunigt sich

Die Umbesetzung kommt zu einem delikaten Zeitpunkt. Bereits im Juni 2026 verließen Transformer-Co-Autor Noam Shazeer und AlphaFold-Schöpfer John Jumper das Unternehmen, beide Richtung Anthropic. Deans Abgang ist jedoch eine andere Kategorie: Er gehörte zu den ersten 20 Google-Mitarbeitern und prägte die technische Kultur des gesamten Konzerns.

Hassabis wird außerdem CEO von Isomorphic Labs bleiben, dem DeepMind-Spin-off für medizinische KI. Dort sieht er das größte Potenzial: „Die wichtigste Anwendung von KI sollte sein, die menschliche Gesundheit zu verbessern. Es ist Zeit, dass KI ihren unmissverständlichen Wert für die Welt beweist.“ Er sprach davon, Krankheiten wie Krebs endlich heilbar zu machen.

Kavukcuoglu übernimmt das Ruder

Der neue SVP bringt umfassende Erfahrung mit. Koray Kavukcuoglu startete DeepMinds Deep-Learning-Team und leitete die Entwicklung von Gemini-Modellen. Pichai betonte, dass die Gemini-Modelle unter Kavukcuoglu bereits seit einiger Zeit in guten Händen seien. Der Gemini-App verzeichnet über 950 Millionen monatliche Nutzer, und die Flash-Modelle sind stark nachgefragt.

Doch der Druck ist enorm. Google kämpft mit Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic um die KI-Führerschaft. Die jüngsten Gemini-3.5-Pro-Verzögerungen und ein negativer Cashflow von 5,85 Milliarden Dollar im zweiten Quartal zeigen, dass die Situation ernst ist. Kavukcuoglu muss beweisen, dass er die Modellentwicklung beschleunigen kann.

Discovery Loop: KI für die Wissenschaft

Das neue Startup von Jeff Dean positioniert sich nicht als Konkurrent zu OpenAI oder Anthropic, sondern als Beschleuniger für die Grundlagenforschung. Die Gründer argumentieren, dass wissenschaftlicher Fortschritt seit Jahrzehnten auf demselben manuellen Zyklus basiert: Hypothese, Experiment, Analyse, Wiederholung. Discovery Loop will diesen Zyklus durch KI automatisieren und dabei tausendfache Parallelität erreichen.

Der Fokus liegt zunächst auf der Maschinenlernforschung selbst, bevor das Unternehmen sich auf die Grand Challenges der National Academy of Engineering richtet: bessere Medikamente, sauberes Wasser, bezahlbare Solarenergie und sichere Cybersicherheit. Die Gründer gehören zu den meistzitierten Forschern in KI und verteilten Systemen.

Was bedeutet das für Google?

Die gleichzeitigen Abgänge von Hassabis als CEO und Dean als Chief Scientist markieren den tiefsten Einschnitt in Googles KI-Führung seit der DeepMind-Akquisition 2014. Googles Aktie fiel nach der Nachricht um 5 Prozent. Die Frage ist, ob die Umstrukturierung die Entwicklung beschleunigt oder weiter bremst. Hassabis bleibt in einer strategischen Rolle, aber die Tagesführung liegt jetzt bei einem Mann, der bisher im Hintergrund arbeitete.

Für die KI-Branche insgesamt sendet das Signal: Selbst Google, das 44,9 Milliarden Dollar im letzten Quartal für KI-Infrastruktur ausgab, kämpft darum, seine Spitzenkräfte zu halten. Discovery Loop ist nur das jüngste Beispiel für den Talentabfluss hin zu spezialisierten Startups. Die Frage ist nicht mehr, ob die besten Köpfe gehen, sondern wie schnell sie gehen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und von einem Menschen redaktionell geprüft.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.