104 Milliarden Dollar Auftragsbestand und trotzdem Verlust
CoreWeave hat am 11. August seine Quartalszahlen vorgelegt, und eine Zahl springt sofort ins Auge: 104,2 Milliarden Dollar beträgt der Auftragsbestand. Das sind vertraglich gesicherte künftige Umsätze, die das Unternehmen noch nicht einmal geliefert hat. Dazu kommen weitere 25 Milliarden Dollar an neuen Verpflichtungen, die im aktuellen dritten Quartal bereits unterzeichnet wurden. Der Pipeline beträgt also de facto rund 130 Milliarden Dollar.
Zum Vergleich: Im Vorjahr lag der Backlog bei 30,1 Milliarden Dollar. Das ist ein Wachstum von mehr als 240 Prozent innerhalb von zwölf Monaten. Allerdings steht diesem enormen Auftragsbestand ein Nettoverlust von 626 Millionen Dollar im Quartal gegenüber. Vorjahresvergleich: 290 Millionen Dollar. Die Schuldenlast beträgt 35 Milliarden Dollar. CoreWeave verdoppelt seinen Umsatz, aber die Zinslast überholt den operativen Gewinn bei weitem.
Was steckt hinter den Zahlen
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf 2,58 Milliarden Dollar, ein Plus von 112 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die angepasste EBITDA-Marge liegt bei 59 Prozent, was auf den ersten Blick gesund wirkt. Doch die angepasste operative Marge schrumpfte von 16 auf 5 Prozent, weil die Abschreibungen auf die teure Nvidia-Ausrüstung immer größer werden. Die Nettozinsausgaben stiegen von 267 Millionen auf 640 Millionen Dollar im Quartal. Jedes Quartal zahlt CoreWeave also fast so viel an Zinsen wie es über das ganze Jahr an operativem Gewinn erwartet.
CEO Michael Intrator sprach von einem Wendepunkt, an dem Skalierung in Hebelwirkung umschlägt. Die Kapitalausgaben beliefen sich auf 9,4 Milliarden Dollar im Quartal allein. Die Prognose für das gesamte Jahr 2026 wurde auf 35 bis 39 Milliarden Dollar angehoben, vorher waren es 31 bis 35 Milliarden.
Meta, Anthropic und Jane Street treiben das Wachstum
Die Großkunden heißen Meta, Anthropic und Jane Street. Meta allein hat seine Ausgabenverpflichtungen gegenüber CoreWeave um 21 Milliarden Dollar erweitert. Anthropic schloss einen mehrjährigen Vertrag, und der quantitativ handelnde Jane Street steuerte eine Milliarde Dollar Verpflichtung bei. Zudem hat CoreWeave in diesem Quartal mehr als 10 Milliarden Dollar an unbesicherten Schulden und Wandelanleihen aufgenommen.
Das Geschäftsmodell ist einfach: CoreWeave kauft Nvidia-GPUs auf Kredit, baut Rechenzentren drum herum und vermietet die Kapazität an KI-Unternehmen. Der Engpass ist nicht die Nachfrage, sondern die Infrastruktur. CoreWeave betreibt 51 aktive Rechenzentren mit 1,5 Gigawatt Leistung. Weitere 4,2 Gigawatt sind vertraglich gesichert, aber nur 36 Prozent davon sind aktuell aktiv.
Politischer Gegenwind und Konkurrenz
Dabei wächst der Widerstand gegen den Bau von Rechenzentren in den USA. Im Juli unterzeichnete New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul ein Moratorium gegen große Rechenzentren. Insgesamt blockieren mittlerweile über 500 US-Gemeinden neue KI-Rechenzentren, wie wir bereits berichteten. Intrator betonte zwar, dass die aktuellen Zahlen davon nicht betroffen seien, räumte aber ein, dass Widerstand die Expansion erschwere.
Zudem wächst die Konkurrenz. SpaceX begann, überschüssige Rechenkapazität zu verkaufen. Meta erwäge laut CNBC, selbst einen Cloud-Service zu starten. Und Amazon, Google sowie Microsoft bauen ihre eigenen KI-Infrastruktur massiv aus. CoreWeave muss sich also nicht nur gegenüber der Nachfrage behaupten, sondern auch gegenüber Anbietern, die dieselben Kunden umkreisen.
Ein riskantes Geschäftsmodell mit astronomischem Einsatz
Die Bewertung von CoreWeave nach dem Quartalsergebnis lag bei rund 59 Milliarden Dollar. Bei 104 Milliarden Dollar Auftragsbestand bedeutet das: Anleger zahlen 56 Cent pro Dollar vertraglich gesicherter künftiger Umsätze. Der Discount reflektiert das Risiko zwischen unterschriebenem Vertrag und tatsächlich gelieferter Leistung.
Denn zwischen Vertrag und Umsatz liegt eine gewaltige Kapitalinvestition. CoreWeave gibt das Dreifache seines Jahresumsatzes in einem einzigen Jahr für Infrastruktur aus. Die 35 Milliarden Dollar Schulden auf der Bilanz finanzieren Nvidia-Chips und Rechenzentren. Wenn die KI-Nachfrage auch nur verlangsamt, könnte der Schuldenberg zur Falle werden. Andererseits: Solange Unternehmen wie Meta 21 Milliarden Dollar zusagen, scheint die Nachfrage ungebremst.
CoreWeave zeigt, wo die KI-Branche gerade steht: Die Nachfrage explodiert, die Kapitalausgaben wachsen noch schneller, und die Frage ist nicht, ob genug Kunden kommen, sondern ob die Infrastruktur schnell genug aufgebaut werden kann. Der KI-Boom wird von Wall Street finanziert, und CoreWeave ist der Beweis dafür, dass dieser Boom seinen Preis hat.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und von einem Menschen redaktionell geprüft.