Der Kampf zwischen Nachrichtenmedien und KI-Firmen erreicht eine neue Eskalationsstufe. CNN hat am Donnerstag eine Urheberrechtsklage gegen Perplexity AI eingereicht und wirft der KI-Suchmaschine vor, mehr als 17.000 Artikel, Videos und Bilder ohne Erlaubnis oder Bezahlung kopiert zu haben. Der Fall könnte die gesamte Branche verändern.
Wortwörtliche Kopien trotz Paywall
Laut der Klage, die vor einem Bundesgericht in New York eingereicht wurde, produziert Perplexitys KI-Suchtool teils wortwörtliche Kopien von CNN-Artikeln. Wenn Nutzer lediglich den Titel eines Artikels eingeben, gibt die KI umfangreiche Passagen des Originals zurück. Zudem soll Perplexity Inhalte zugänglich gemacht haben, die hinter CNNs Paywall gesperrt sind.
Darüber hinaus beschuldigt CNN das Startup, gezielt unbekannte Web-Crawler eingesetzt zu haben, um die Sperrversuche des Senders zu umgehen. Menschliche Journalisten recherchieren, schreiben und erstellen die Inhalte, die Perplexity ohne Genehmigung und ohne Vergütung übernimmt, heißt es in der Klageschrift.
Gescheiterte Verhandlungen und erfundene Partnerschaften
Bereits im Oktober 2025 verhandelte CNN mit Perplexity über eine Lizenzvereinbarung für das Comet-Plus-Abo. Die Gespräche scheiterten jedoch, weil sich beide Seiten nicht über die Nutzungsbedingungen einigen konnten. Insbesondere die Frage, wie umfangreich Perplexity CNN-Inhalte in seinen Antworten verwenden darf, blieb ungeklärt. Daraufhin kündigte CNN die Vereinbarung im November.
Dennoch behauptet Perplexitys Chatbot laut Klage weiterhin, CNN sei Teil des Premium-Nachrichtenpakets von Comet Plus. Nutzer würden fälschlicherweise glauben, eine bezahlte Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen existiere. CNN sieht darin eine bewusste Täuschung der Verbraucher.
Perplexitys Verteidigung: Fakten sind nicht urheberrechtlich geschützt
Ein Sprecher von Perplexity reagierte auf die Vorwürfe mit einem knappen Statement: Fakten lassen sich nicht urheberrechtlich schützen. Diese Argumentation folgt einem Muster, das auch andere KI-Firmen nutzen. OpenAI und Google haben ähnliche Positionen in laufenden Verfahren bezogen. Jedoch geht es bei der Klage nicht um nackte Fakten, sondern um die wortwörtliche Übernahme geschützter journalistischer Arbeit.
Die Frage, wo Fair Use endet und Urheberrechtsverletzung beginnt, entscheidet sich derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig. Die New York Times, die Wall Street Journal, Reddit und Amazon führen ebenfalls Klagen gegen Perplexity. Encyclopaedia Britannica und Merriam-Webster haben bereits früher rechtliche Schritte eingeleitet.
Was bedeutet der Fall für die KI-Branche?
Die CNN-Klage markiert den ersten Rechtsstreit eines großen Senders gegen ein KI-Unternehmen. Das könnte eine Signalwirkung haben. Wenn CNN Erfolg hat, könnten weitere Medienhäuser nachziehen und Lizenzzahlungen erzwingen. Für Perplexity, das mit einer Bewertung von mehreren Milliarden Dollar auf dem Markt steht, wären umfassende Lizenzzahlungen ein erheblicher Belastungstest.
Zugleich betont CNN, dass das Unternehmen KI keineswegs ablehnt. Man sei seit Jahren im KI-Lizenzmarkt aktiv und habe mehrere kommerzielle Partnerschaften. Das Problem sei nicht die Technologie, sondern die Weigerung, für die Nutzung fremder Inhalte zu bezahlen. CNNs Forderung ist klar: Es gibt keine kostenlose Option.
Der Ausgang dieses Verfahrens wird nicht nur über die Zukunft von Perplexity entscheiden. Er könnte den Rahmen dafür setzen, wie KI-Unternehmen grundsätzlich mit urheberrechtlich geschützten Inhalten umgehen müssen. Unternehmen, die KI-Modelle trainieren oder Suchergebnisse aggregieren, beobachten den Fall genau.