Chevron beliefert Microsoft: Erdgas-Kraftwerk für KI-Rechenzentrum in Texas

von Marcel Buchholz 22. Juni 2026 2 Min. Lesezeit KI & Wirtschaft

Chevron und Microsoft haben einen der bemerkenswertesten Energie-Deals des Jahrzehnts geschlossen. Ein 20-jähriger Vertrag sichert Microsoft rund 2,67 Gigawatt Erdgas-Strom für ein gewaltiges KI-Rechenzentrum in West-Texas. Das Projekt namens Kilby zeigt, wie Big Tech fossile Brennstoffe umarmt, um seinen KI-Hunger zu stillen.

Project Kilby: 7 Milliarden Dollar für Strom und Server

Das Herzstück der Vereinbarung ist ein riesiger Komplex nahe Pecos im Reeves County, Texas. Chevron baut, besitzt und betreibt das Kraftwerk über seine Tochtergesellschaft Energy Forge One LLC. Die Anlage wird schrittweise ausgebaut und soll bis in die 2030er Jahre volle 2,67 Gigawatt liefern. Zum Vergleich: Das reicht, um etwa zwei Millionen amerikanische Haushalte mit Strom zu versorgen.

Die meisten Turbinen kommen von GE Vernova, ergänzt durch Anlagen von Solar Turbines, einer Caterpillar-Tochter. Die Investitionskosten für das gesamte Datenzentrum werden auf rund 7 Milliarden Dollar geschätzt. Eine finale Investitionsentscheidung von Chevron wird noch in diesem Jahr erwartet, erste Stromlieferungen sind für 2028 geplant.

Warum Microsoft auf Erdgas setzt

Microsoft plant in diesem Jahr allein 190 Milliarden Dollar für Kapitalaufwendungen, 61 Prozent mehr als 2025. Die KI-Rechenzentren brauchen Strom rund um die Uhr, ohne Unterbrechung. Solarenergie und Windkraft allein können diese Grundlast nicht garantieren. Deshalb wendet sich Microsoft fossilen Energieträgern zu.

Die Strategie ist nicht neu. Bereits 2024 investierte Microsoft in den Neustart des Kernkraftwerks Three Mile Island in Pennsylvania. Jetzt ergänzt das Unternehmen mit Erdgas eine weitere Zuverlässigkeitsstufe. Noelle Walsh, Präsidentin von Microsoft Cloud Operations, betont: Das rasante Wachstum von KI und Cloud brauche Energie-Infrastruktur, die schnell und verlässlich skaliert.

Off-Grid: Das Kraftwerk umgeht das öffentliche Netz

Projekt Kilby hat eine Besonderheit: Es ist vollständig vom öffentlichen Stromnetz entkoppelt. Das Kraftwerk steht direkt neben den Serverhallen und speist keinen einzigen Watt ins regionale Netz ein. Damit umgeht Microsoft die mehrjährigen Warteschlangen bei Netzbetreibern, die den Ausbau von Rechenzentren bisher bremsen.

Gleichzeitig nutzt Chevron die geografische Nähe zum Permian Basin, einer der produktivsten Erdgas-Regionen der USA. Jeff Gustavson, Chef von Chevrons New-Energies-Sparte, sieht darin einen strategischen Vorteil: günstiges, zuverlässiges Erdgas direkt an der Quelle.

Umwelt und Kritik

Das Projekt verspricht immerhin 10 Milliarden Dollar an Steuererlösen für die Region sowie fast 2.000 Arbeitsplätze. Statt Süßwasser will die Anlage salzhaltiges Grundwasser nutzen. Außerdem werden Selektive Katalytische Reduktionssysteme den Stickoxid-Ausstoß reduzieren.

Kritiker monieren dennoch den grundlegenden Konflikt: Ein Technologieunternehmen, das sich zu Klimazielen bekennt, sichert sich für zwei Jahrzehnte fossilen Strom. Microsoft hat bisher primär in erneuerbare Energien investiert, um den CO2-Ausstoß seiner Rechenzentren zu kompensieren. Der Kilby-Deal zeigt jedoch, dass bei KI-Infrastruktur Verlässlichkeit über Nachhaltigkeit siegt.

Die Nachricht ist eindeutig: Wenn der Stromhunger der KI-Industrie steigt, reichen erneuerbare Energien allein nicht aus. Fossile Kraftwerke werden gebraucht, und zwar genau dort, wo die Server stehen. Project Kilby könnte der Anfang einer ganzen Welle von Off-Grid-Kraftwerken sein, die Big Tech direkt neben seinen Rechenzentren baut.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.