ChatGPT hat die Unternehmenssprache infiltriert

von Marcel Buchholz 21. April 2026 2 Min. Lesezeit News

ChatGPT hat die Unternehmenssprache infiltriert

Wenn heute ein Fortune-500-Unternehmen eine Pressemitteilung veröffentlicht, steigt die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Wortkonstruktionen, die es vor drei Jahren noch nicht gab. Die KI-typische Formulierung „nicht nur X, sondern Y” hat sich seit 2024 explosionsartig in der Wirtschaftskommunikation verbreitet. Was jedoch nach einem sprachlichen Detail klingt, ist ein Alarmzeichen für die Authentizität von Unternehmensmitteilungen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Eine Analyse des Wall Street Journals und Barron’s zeigt, dass sich die Nutzung dieser Formulierung zwischen 2024 und 2025 mehr als verdoppelt hat. Waren es 2022 noch rund 46 Dokumente, stieg die Zahl 2024 auf etwa 100. Bis Ende 2025 erreichte der Wert 208 Dokumente. Eine erneute Verdopplung innerhalb eines Jahres. Die Datenbasis umfasste Pressemitteilungen, SEC-Einreichungen sowie Transkripte von Analystenkonferenzen.

Diese Entwicklung fällt zeitlich exakt mit der breiten Verfügbarkeit von ChatGPT zusammen. Unternehmen setzen die Werkzeuge zunehmend ein, um Inhalte zu verfassen und zu überarbeiten. Mit messbaren Folgen für die sprachliche Landschaft der Wirtschaftskommunikation.

Drei Viertel aller PR-Fachleute nutzen KI

Eine Umfrage des Medienanalyse-Unternehmens Muck Rack ergab: Drei Viertel aller PR-Fachleute greifen bei ihrer Arbeit auf KI zurück. Die primären Einsatzbereiche sind nämlich das Schreiben und Bearbeiten von Texten. Außerdem entstehen formelhafte Konstruktionen wie „nicht nur X, sondern Y” genau hier besonders leicht.

KI-Systeme neigen nämlich dazu, konsistente und als professionell wahrgenommene Formulierungen zu bevorzugen. Daher entsteht ein Kreislauf. Je mehr Unternehmen KI nutzen, desto einheitlicher wird die Sprache. Je einheitlicher die Sprache, desto schwerer fällt es einzelnen Unternehmen, sich sprachlich abzuheben. Die vormals individuelle Stimme verschmilzt zunehmend zu einem kollektiven KI-Konsens.

Warum diese Entwicklung problematisch ist

Der Barron’s-Artikel bezeichnet die Ergebnisse als Weckruf für die Unternehmenskommunikation. KI-Formulierungen untergraben das, was erfolgreiche Wirtschaftskommunikation ausmacht. Glaubwürdigkeit, Klarheit und eine erkennbare Unternehmensstimme.

Analysten und Investoren entwickeln zunehmend ein Gespür dafür, welche Texte von KI-Systemen generiert wurden. Allerdings birgt das Risiken für Unternehmen, deren Kommunikation als generisch wahrgenommen wird. Besonders in Zeiten, in denen Vertrauen in Wirtschaftsinstitutionen ohnehin erodiert.

Die Herausforderung für Kommunikationsabteilungen

Die Lösung liegt jedoch nicht darin, KI vollständig aus der Unternehmenskommunikation zu verbannen. Das wäre weder praktikabel noch sinnvoll. Vielmehr geht es darum, die Werkzeuge bewusster einzusetzen und die Ergebnisse kritisch zu prüfen, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen.

Kommunikationsabteilungen stehen vor der Aufgabe, ihre KI-Kompetenz gezielt aufzubauen. Ein KI-generierter Erstentwurf kann ein effektiver Ausgangspunkt sein. Die finale Fassung sollte jedoch von Menschen stammen, die verstehen, was das Unternehmen wirklich von anderen unterscheidet. Auch die Automatisierung von Arbeit zeigt, wie KI bestehende Strukturen verändert.

Fazit

Die sprachliche Homogenisierung durch KI ist ein Symptom, kein Einzelfall. Wenn alle Unternehmen ähnliche Formulierungen verwenden, verliert die Sprache ihre Funktion als Differenzierungsmerkmal. Authentizität wird folglich zu einem rarer werdenden Gut. Das macht sie folglich wertvoller. Unternehmen, die jetzt ihre Kommunikationsprozesse robuster gegen generische Formulierungen machen, werden langfristig einen Vorteil haben.

MB

Marcel Buchholz

Autor bei AIWavez. Die Zukunft von heute: Alles über Künstliche Intelligenz.