Ab dem 2. August 2026 verlangt Kalifornien von großen KI-Anbietern nachvollziehbare Kennzeichnung synthetischer Inhalte. Das Gesetz SB 942, ergänzt durch AB 853, zwingt Unternehmen zur Transparenz. Wer mehr als eine Million monatliche Nutzer in Kalifornien erreicht, muss ein kostenloses Tool bereitstellen. Damit kann jedermann prüfen, ob ein Bild, ein Video oder ein Audioausschnitt von einem KI-System erzeugt oder verändert wurde. Gleichzeitig tritt an diesem Datum auch Artikel 50 des EU AI Act in Kraft. Zwei große Regulierungsräume fordern am selben Tag maschinenlesbare Herkunftsnachweise für KI-generierte Medien.
Was SB 942 genau verlangt
Das Gesetz definiert drei Pflichten für betroffene Anbieter. Erstens muss ein kostenloses, öffentlich zugängliches Erkennungstool angeboten werden. Zweitens sind latente Kennzeichnungen in den Dateien selbst erforderlich. Diese unsichtbaren Markierungen sollen maschinenlesbar sein und sich an branchenübliche Standards wie C2PA anlehnen. Drittens erhalten Nutzer die Möglichkeit, eine sichtbare Kennzeichnung in ihren Inhalten einzubetten.
Der Schwellenwert liegt bei mehr als einer Million monatlicher Besucher in Kalifornien. Betroffen sind damit Unternehmen wie OpenAI, Google, Meta, Midjourney, xAI, ElevenLabs und Suno. Der Gesetzestext macht keine Ausnahmen für ausländische Anbieter. Jedes Unternehmen, dessen System kalifornische Nutzer erreicht, fällt unter die Regelung.
5.000 Dollar Strafe pro Tag
Die Strafandrohung ist ungewöhnlich konkret. SB 942 sieht eine Geldbuße von 5.000 Dollar pro Verstoß vor. Jeder Tag ohne Compliance gilt als separater Verstoß. Bei mehreren Pflichtverletzungen über Wochen hinweg addieren sich die Beträge schnell zu Millionen. Zuständig für die Durchsetzung sind der kalifornische Generalstaatsanwalt, Stadtanwälte und Bezirksanwälte.
Das ursprüngliche Inkrafttretensdatum war der 1. Januar 2026. AB 853 verschob es auf den 2. August 2026, um Unternehmen mehr Vorlaufzeit zu geben. Interessanterweise fiel die Verschiebung genau auf den Tag, an dem die EU ihre eigenen Transparenzpflichten aus Artikel 50 des AI Act aktiviert.
C2PA als technischer Standard
Kalifornien nennt keinen konkreten technischen Standard im Gesetzestext. Allerdings verweist der Text auf „weit verbreitete Branchenstandards“. C2PA, die Coalition for Content Provenance and Authenticity, ist der offensichtlichste Kandidat. Unterstützt von Adobe, Microsoft, der BBC und weiteren Akteuren, bietet C2PA ein System zur Inhaltsauthentifizierung, das Metadaten in Dateien einbettet.
Allerdings hat die Praxis gezeigt, dass Wasserzeichen allein nicht ausreichen. Google musste Ende Juli eine neue KI-Bearbeitungsfunktion in Google Earth innerhalb von 24 Stunden deaktivieren. Nutzer hatten realistische Fake-Bilder von Flüchtlingslagern und angeblichen Atomschlägen erstellt. Zwar enthielten die Bilder das SynthID-Wasserzeichen von Google. Tests zeigten jedoch, dass gängige KI-Detektoren die manipulierten Bilder trotzdem nicht zuverlässig erkannten.
Plattformen ab 2027 in der Pflicht
SB 942 richtet sich zunächst an die Anbieter von KI-Systemen. Ab dem 1. Januar 2027 kommen große Online-Plattformen mit mehr als zwei Millionen monatlichen kalifornischen Nutzern hinzu. Social-Media-Dienste, Dateiplattformen, Messenger und Suchmaschinen müssen dann Herkunftsdaten erkennen und sichtbar machen.
Diese Zweiteilung ist konsequent. Der KI-Anbieter markiert die Datei. Die Plattform entscheidet jedoch, was der Nutzer sieht, wenn die Datei durch einen Feed, ein Suchergebnis oder eine Nachricht wandert. Wenn die Plattform das Signal verschluckt, nützt die beste Kennzeichnung nichts.
EU AI Act Artikel 50: Parallelen und Unterschiede
Am selben Tag wie Kalifornien beginnt die EU mit der Durchsetzung von Artikel 50 des AI Act. Die europäische Regelung verlangt ebenfalls Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte. Allerdings geht der EU AI Act weiter: Deepfakes müssen als solche gekennzeichnet werden, und auch KI-Systeme, die menschliches Verhalten nachahmen, fallen unter die Pflicht.
Die Überschneidung ist kein Zufall. Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Google bauen Compliance-Systeme nicht pro Staat. Wer C2PA für Kalifornien implementiert, wird denselben Standard auch für Europa nutzen. Die parallelen Inkraftsetzungstermine erhöhen den Druck auf Anbieter, einmal implementierte Systeme global anzubieten.
xAI verklagt den Generalstaatsanwalt
Nicht alle Unternehmen kooperieren reibungslos. xAI, das Unternehmen von Elon Musk, hat den kalifornischen Generalstaatsanwalt Rob Bonta vor einem Bundesgericht verklagt. Der Streit dreht sich um ein anderes Gesetz, AB 2013, das Offenlegung von Trainingsdaten verlangt. xAI veröffentlichte Ende Dezember 2025 eine Erklärung, die nach Ansicht von Beobachtern unvollständig ist.
OpenAI, Anthropic und Google hingegen haben ihre AB 2013-Disclosures fristgerecht veröffentlicht. Der Kontrast zeigt, wie unterschiedlich die Branche auf regulatorischen Druck reagiert. Manche Unternehmen sehen Compliance als Wettbewerbsvorteil. Andere ziehen vor Gericht.
Was bedeutet das für Nutzer
Für Verbraucher ändert sich zunächst wenig. Die Tools zur Erkennung synthetischer Inhalte müssen von den Anbietern erst bereitgestellt werden. Ob sie in der Praxis zuverlässig funktionieren, hängt davon ab, ob Wasserzeichen Kompression, Bildbearbeitung und Weiterverbreitung überstehen. Kaliforniens Gesetz setzt darauf, dass Transparenz durchsetzbar ist. Wenn nicht, drohen Strafen, die sich täglich addieren.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und von einem Menschen redaktionell geprüft.