Australien schlägt einen neuen Kurs in der Australien KI-Regulierung ein. Premierminister Anthony Albanese hat am 15. Juli 2026 ein umfassendes Regelwerk angekündigt, das Künstliche Intelligenz in Regierungsbehörden strenger kontrolliert. Ein neues Amt soll künftig dafür sorgen, dass Maschinen nicht allein über Menschenleben bestimmen.
Neues KI-Amt direkt beim Premierminister
Das wichtigste Element der Reform ist die Gründung eines Office of AI innerhalb der Premierminister-Abteilung. Dieses Amt koordiniert künftig alle KI-Politik quer durch die Ministerien. Zuvor hatten einzelne Behörden eigene KI-Strategien verfolgt. Der Ansatz erinnert an die EU, die bereits 2024 ihren AI Act verabschiedete. Allerdings verzichtet Australien auf ein eigenes KI-Gesetz im europäischen Stil. Stattdessen setzt die Regierung auf nationale Standards und freiwillige Leitlinien.
Albanese betonte, KI sei eine größere Herausforderung als soziale Medien. Allerdings warnte er gleichzeitig davor, die nationale Souveränität an ausländische Tech-Monopole abzutreten. Australien müsse jetzt handeln, so der Premier.
Ende der automatischen Behörden-Entscheidungen
Die Regierung verspricht, den Einsatz von KI in Bundesbehörden wie Centrelink und Services Australia besser zu regulieren. Der Hintergrund ist brisant: Der Commonwealth Ombudsmann fand im vergangenen Jahr heraus, dass fast tausend Arbeitssuchende ihre Zahlungen unrechtmäßig verloren hatten, weil ein automatisches System die Leistungen strich. Zudem ermittelt der Ombudsmann gegen einen algorithmischen Assessments-Bogen für Pflegeheime und das Budget-Tool im National Disability Insurance Scheme.
Künftig soll ein Mensch stets die letzte Entscheidung treffen, wenn es um Sozialleistungen geht. Beschäftigungsministerin Amanda Rishworth hatte bereits im Mai bestätigt, dass Menschen im Jobseeker-Verfahren einbezogen bleiben.
Datenzentren müssen eigenen Strom bezahlen
Die neuen Standards enthalten auch harte Vorgaben für Rechenzentren. Künftig müssen große Datenzentren ihre eigene Energieversorgung garantieren. Sie sollen erneuerbare Energien aufbauen und mindestens genauso viel Strom ins Netz speisen, wie sie verbrauchen. Wasserverbrauch wird ebenfalls reguliert: Betreiber müssen zusätzliche Wasser-Infrastruktur selbst finanzieren.
Die Vorgaben gehen über die bisherigen freiwilligen Erwartungen hinaus, die Australien im März veröffentlicht hatte. Premierminister Albanese machte deutlich, dass sein Land die Bedingungen für KI-Investitionen selbst diktiert.
Schutz für Künstler und Journalisten
Australien verspricht den stärkstmöglichen Schutz für Urheber gegen unautorisiertes KI-Training. Bereits im vergangenen Jahr lehnte die Regierung eine Text-and-Data-Mining-Ausnahme ab. KI-Unternehmen dürfen urheberrechtlich geschützte Inhalte nicht kostenlos nutzen. Stattdessen soll ein Mechanismus entstehen, der Kreativen erlaubt, einen Preis für die Nutzung ihrer Werke zu setzen. Wie genau dieser Mechanismus aussehen soll, bleibt jedoch offen.
Die Reformen werden voraussichtlich Anfang 2027 ins Parlament eingebracht. Zuvor berät die Regierung im August mit den Bundesstaaten auf einem Nationalen Kabinett. Experten wie Professorin Kimberlee Weatherall von der University of Sydney begrüßen den Richtungswechsel, fordern aber mehr Details zur Umsetzung.
Internationale Einordnung
Australiens Ansatz steht zwischen der strengen EU-Regulierung und der freiwilligen Selbstverpflichtung, die Japan bevorzugt. Südkorea hat ebenfalls ein KI-Grundgesetz verabschiedet, das jedoch weniger restriktiv ausfällt als der EU AI Act. Die EU selbst hat im laufenden Jahr einige Anforderungen ihres AI Act abgeschwächt, um Innovation zu fördern. Auch Europa ringt um den Balanceakt zwischen Schutz und Fortschritt.
Gleichzeitig wächst der Druck weltweit. New York hat kürzlich ein einjähriges Moratorium für neue Datenzentren erlassen. In Australien gibt es ähnliche Forderungen, die Albanese jedoch zurückweist: Niemand könne die Uhr zurückdrehen.
Die Frage bleibt, ob nationale Standards ausreichen oder ob Australien doch noch ein formelles KI-Gesetz braucht. Die kommende Labor-Konferenz in Adelaide wird zeigen, wie ernst es der Regierung mit dem Schutz von Arbeitnehmern und Verbrauchern ist. Die EU zeigt mit ihrer Kennzeichnungspflicht ab August, wie weit Regulierung gehen kann.